Schlafplätze von Obdachlosen in Berlin unter einer Brücke nahe der Friedrichstraße. (Quelle: imago/PEMAX)
Video: Abendschau | 30.01.2017 | Kerstin Breinig

Berliner Kältehilfe findet keine Immobilien - Sozialsenatorin kündigt Gesamtkonzept für Obdachlose an

Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) will mit einem Gesamtkonzept auf die steigende Zahl von Obdachlosen in der Stadt reagieren.

Die Wohnungslosigkeit habe sich verändert, sagte die Linken-Politikerin am Montag im rbb, sie sei internationaler geworden. Viele Menschen kämen aus EU-Ländern nach Berlin, um Arbeit zu finden. Sie würden aber an Sprachproblemen scheitern. Die Senatorin plädierte dafür, die Menschen zu unterstützen, damit sie wieder aus der Obdachlosigkeit herauskommen.

Zunächst konzentriere sich der Senat auf die Kältehilfe. Diese scheitere im Moment nicht am Geld, sondern an fehlenden Immobilien um ausreichend anzubieten, so Breitenbach. Derzeit gibt es im Rahmen der Kältehilfe etwa 800 Schlafplätze, im Februar sollen gut 100 Plätze dazukommen. Dem stehen Schätzungen zufolge rund 3.000 Menschen gegenüber, die dauerhaft auf der Straße leben.

Zuvor hatten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Alarm geschlagen, weil immer mehr Obdachlose in U-Bahnhöfen übernachten würden. "Bahnhöfe sind eine Notlösung und kein würdiges Quartier, auch nicht für Obdachlose", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der "Berliner Morgenpost" (Montag). Das Verkehrsunternehmen öffnet im Winter jede Nacht zwei U-Bahnhöfe für Obdachlose. Dort aber fehle es an Toiletten und sanitären Anlagen, so Reetz. Zudem sei das BVG-Personal auch mit der teilweise schwierigen Klientel überfordert. Bereits vor einem Monat hatte BVG-Chefin Sigrin Nikutta deswegen einen Brief an den Senat geschrieben und mehr Notquartiere gefordert.

Mit der BVG habe sie bereits Gespräche geführt, sagte Breitenbach. Sie kündigte neue Gespräche für Februar an.

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11 Kommentare

  1. 11.

    Gerade mal 900 Plätze im Winter.Jedes Jahr dasselbe Spiel. Die Kältehilfe und Kältebus ist super!!!
    Was ist aber mit den Menschen im Frühling, Sommer und Herbst?Im Winter bekommen 900 Menschen von ca. 20:00 Uhr bis 8:00 Uhr eine Unterkunft und im Sommer? Es müßte mehr getan werden, nicht nur im Winter! Sorry für die Flüchtlinge ist Geld da, Diäten werden erhöht, neue Wagen für Politiker, für den Flughafen werden Millionen aus dem Fenster geschmissen usw. Seiten könnte man schreiben u. für die Obdachlosen. Gerade mal für ein paar Stunden im „Winter“ ist eine Notunterkunft vorhanden. Schämen müßten die Politiker sich. Denn dieses Thema gehört auch in die Politik. Vielleicht sollte sich mal einer der Politiker mit einem Obdachlosen unterhalten. Fragen wieso er auf der Str. lebt. Desweiteren gerade auch Fam. mit kleine Kindern sind davon betroffen. Kinder dürfen aber nicht in den Unterkünften (was ich auch verstehen kann), aber auch bei diesen Personenkreis fehlen Räume u. Unterkünfte.

  2. 10.

    Wo sitzt denn "der gesellschaftliche Reichtum"? Ja wohl bei den (vorwiegend) fleißig arbeitenden Menschen, die (vorwiegend) einen Haufen Steuern zahlen, von denen (vorwiegend) viele andere Menschen profitieren. Ich kann diese Neiddebatten echt nicht mehr haben! Egal ob von unten nach oben oder umgekehrt. Es gibt Obdachlose, die lieber ein Dach über dem Kopf hätten. Und es gibt Obdachlose, die genau das nicht möchten. Wer Hilfe wünscht, dem sollte geholfen werden. Wer sie nicht haben möchte, soll sein Leben so leben. Es redet doch jeder von der individuellen Selbstbestimmung. Also dann soll das so sein....

  3. 9.

    wir brauchen verschiedene arten der hilfe,kasernierung ist schlecht,dort werden die wenigsten,freiwillig hin gehen. z.b. zelte an mehreren stellen in den bezirken,mit wasch und toilettenwagen. kleinere,bezirkliche einheiten,von ganzjähriger übernachtung. am besten mit den vereinen und inis,die sich seit jahren kümmern an einen tisch setzen

  4. 7.

    Es ist wirklich erstaunlich, dass manche Leute es schaffen, bei jedem sozialpolitischen Thema eine "Reichtumsdebatte" aufzumachen... Glauben Sie wirklich, es würde auch nur einem einzigen Obdachlosen auch nur geringfügig besser gehen, wenn ein sogenannter "Reicher" etwas weniger Geld hätte? Das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun.

    Obdachlose haben oftmals eine multiple Problemlage, fühlen sich in geschlossenen Räumen nicht wohl und haben Angst, dass ihnen im Männerwohnheim was geklaut wird. Von daher sind da große sozialpädagogische und psychologische Anstrengungen nötig, um diesen Menschen irgendwie zu helfen.

    Und ja - ich bin dafür, dass dies dann ggf. auch zwangsweise geschieht. Und das ist auch mit den heutigen rechtlichen Rahmenbedingungen möglich.

  5. 6.

    Es ist bemerkenswert, dass manche Leute lieber zwei so schwache Gruppen wie Obdachlose und Flüchtlinge (mit einem klar fremdenfeindlichen Einschlag) gegeneinander ausspielen, statt mal dorthin zu schauen, wo der gesellschaftliche Reichtum sitzt. Schon mitbekommen, wie wenig Deutsche wieviel des Privatvermögens in Deutschland besitzen?

  6. 4.

    Ich habe gelesen Flüchtlingsunterkünfte sind noch zu haben

  7. 3.

    Wie keine keine Unterkunft? Die Flüchtlinge bekommen doch eine !

  8. 2.

    Die Idee an U-Bahnhöfen wieder öffentliche Toiletten zu öffnen: super! Dann wird drumherum hoffentlich nicht mehr an jede Ecke gepisst. Jedenfalls sinnvoller als Tabak- und Alkohol-verkauf auf den U-Bahnhöfen; und notwendiger im wahrsten Sinne des Wortes!

  9. 1.

    Westlich von Berlin, in Dallgow-Döberitz, gibt es große Kasernenanlagen, die mit vertretbarem Aufwand hergerichtet werden könnten. Aus meiner Sicht ist es in keiner Weise akzeptabel, Obdachlosigkeit hinzunehmen. Da muss der Stadt mit voller Härte durchgreifen. Beispielsweise, in dem wirklich mit großem Personaleinsatz Tag für Tag die Leute in dafür bestimmte Einrichtungen gebracht werden. Dort müssen sie dann versorgt werden und sollen natürlich auch sozialpädagogische Hilfe erhalten, um möglichst wieder in ein "normales" Leben zurückzukehren.

    Es ist jedenfalls nicht "normal", sein Leben unter Brücken, in U-Bahnhöfen oder in Zelten im Wald zu verbringen. Da kann der Rot-Rot-Grüne Senat mal zeigen, was er kann.

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