Roman Herzog, ehemaliger Bundespräsident (Quelle: dpa/Christoph Schmidt)
Video: Abendschau | 10.01.2017 | Boris Hermel

Berliner "Ruck-Rede" löste breite Diskussion aus - Ex-Bundespräsident Roman Herzog gestorben

Der frühere Bundespräsident Roman Herzog ist tot. Der CDU-Politiker starb im Alter von 82 Jahren. Herzog amtierte von 1994 bis 1999 im Schloss Bellevue. Berühmt wurde er durch seine "Ruck-Rede" im Berliner Adlon-Hotel, aus der die Tradition der "Berliner Rede" entstand.

Der frühere Bundespräsident Roman Herzog ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte seinen Vorgänger am Dienstag in einer Mitteilung als "markante Persönlichkeit, die das Selbstverständnis Deutschlands und das Miteinander in unserer Gesellschaft geprägt und gestaltet hat".

Außenaufnahme der Berliner Luxus-Hotels Adlon (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Im Hotel Adlon hielt Roman Herzog 1997 seine berühmt gewordene "Ruck Rede"

Herzog war von 1994 bis 1999 der siebte Bundespräsident. Berühmt wurde seine sogenannte "Ruck-Rede", in der er deutliche Worte zum Zustand Deutschlands fand, Veränderungen anmahnte und alle Bürger zur Beteiligung aufrief: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen, wir müssen Abschied nehmen von lieb gewordenen Besitzständen, vor allen Dingen von den geistigen und den Schubladen und Kästchen, in die wir alles legen", sagte Herzog 1997 im Berliner Hotel Adlon. Die Rede löste eine breite Diskussion aus, die monatelang anhielt.

Aus dem Vortrag entstand bis 2013 die Tradition der "Berliner Rede", in der die jeweiligen Bundespräsidenten Stellung zur aktuellen Entwicklung in Deutschland nehmen.

Volljurist mit politischen Ambitionen

Herzog begann seine Karriere als Jurist. Nach Studium und Lehrtätigkeit in München folgte er 1965 einem Ruf an die juristische Fakultät der Freien Universität Berlin. Dort lehre er zunächst als Professor, von 1967 bis 1969 war er Dekan beziehungsweise Prodekan der Fakultät. 1970 trat Herzog in die CDU ein. Unter Ministerpräsident Helmut Kohl wurde er Staatssekretär in Rheinland Pfalz und vertrat das Land beim Bund. Von 1980 bis 1983 hatte er die Posten des Kultusministers und anschließend des Innenministers in Baden Württemberg inne.

1983 wechselte der in Landshut geborene Politiker zum Bundesverfassungsgericht, dessen Vorsitz er 1987 übernahm. Dieses Amt übte er bis zur Ernennung zum Bundespräsidenten am 1. Juli 1994 aus. Herzog war der erste Bundespräsident, der von Anfang an seinen ersten Amtssitz in Schloss Bellevue in Berlin hatte.

Schloss Bellevue, Amtssitz des Bundespräsidenten © imago/Jürgen Heinrich
Herzog hatte seinen Amtssitz von Beginn an im Berliner Schloss Bellevue.

Mahnung zum Gedenken

In seiner Zeit als Bundespräsident führte Herzog den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein. "Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.", sagte er in seiner ersten Rede anlässlich des Gedenktages.

Herzog lebte zuletzt auf der Götzenburg in Jagsthausen bei Heilbronn, wo seine zweite Frau Alexandra Freifrau von Berlichingen zuhause ist. Christiane Herzog, die sich nicht nur während der Amtszeit ihres Mannes im sozialen Bereich engagierte, war im Juni 2000 gestorben.

Herzog erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden. 1997 erhielt er den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen. Im selben Jahr wurde er in New York mit dem tschechischen Präsidenten Vaclav Havel als "Europäischer Staatsmann des Jahres 1997" ausgezeichnet. Der Zentralrat der Juden in Deutschland ehrte ihn 1998 mit dem Leo-Baeck-Preis.

Müller: Herzog war "energischer Fürsprecher tiefgreifenden Wandels"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, die Hauptstadt trauere um einen bedeutenden Bundespräsidenten, großen Juristen, Gelehrten und Politiker. "Roman Herzog hat sich und seine politischen Überzeugungen für unser Land mit seiner 'Berliner Rede' untrennbar mit dem Namen unserer Stadt verbunden. Oft genug wird aus dieser Aufsehen erregenden Rede die Forderung nach dem inzwischen sprichwörtlichen Ruck zitiert." Herzog sei ein Konservativer gewesen, aber zugleich "energischer Fürsprecher tief greifenden Wandels". Er sei überzeugt gewesen, dass der Erhalt des Bewährten nur möglich ist, wenn auch das Gewohnte immer wieder in Frage gestellt wird und bei Bedarf reformiert wird."

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte Herzog als "scharfsinnigen Analysten und großen Demokraten". "Sein entschiedenes Eintreten für einen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ist ein bleibendes Verdienst von Roman Herzog um unser demokratisches Deutschland", sagte Woidke am Dienstag in Potsdam. Der Gedenktag am 27. Jamuar sei Erinnerung und Mahnung, jeder Form von Gewalt und Rassismus entschieden entgegenzutreten. "Auch sein Credo, wonach sich Deutschland immer wieder neuen Herausforderungen stellen und dabei verändern muss, prägt unser Land bis heute", meinte Woidke. Dafür stehe Herzogs berühmte "Ruck-Rede".

"Durch Deutschland muss ein Ruck gehen" - die Rede von 1997 im Original

Roman Herzog 1997 (Bild: imago/Jens Koehler)

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Die große Rede von Roman Herzog zeigte soviele Punkte auf, welche aufgegriffen und gelöst werden sollten.
    Was hat sich seither getan? Leider schafften es unsere Eliten in Politik, Wirtschaft und Kultur nicht, eine wesentliche
    Wende herbeizuführen.Das Klima in unserem Land hat sich leider nicht verbessert. Die Schere zwischen Reich und Arm
    hat sich weiter geöffnet, die sprachlosen Sparer schauen zwar verärgert, aber ohne Aufmüpfigkeit zu, wie ihr Erspartes
    ohne Zinsen wegschmilzt, um eine weitere Verschuldung der südlichen EU-Länder zu verhindern oder zu mildern.
    Wir bzw. die Gewerkschaften akzeptieren, dass junge Angestellte nur Zeitarbeitsverträge bekommen und eine vernünftige Lebensplanung somit unmöglich oder zuzmindest erschwert wird.
    Keine Partei und keine Person ist derzeit in Sicht, die von Roman Herzog schon aufgezeigten Probleme anzugehen und den von ihm geforderten Ruck durch Deutschland zu befördern.
    Es wäre wünschenswert, wenn es hier zu einer "Wende" käme.


  2. 2.

    ja, aber die ganzen Klatscher haben sich nicht einen Millimeter aus ihrer selbstherrlichen Dekadenz bewegt.

  3. 1.

    Schade, ein guter Mann, der beeindruckende Reden gehalten hat. Kein Vergleich zu den jetzigen Wendehälsen.

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