Sabine Kunst bei der Eröffnung einer Veranstaltung der Berlin-Brandenburgischen Akademie für Wissenschaften. (Quelle: imago/Christian Mang)

Offener Brief der Präsidentin der Humboldt-Uni - Sabine Kunst fordert von Studenten Ende der HU-Besetzung

In einem offenen Brief wendet sich die Präsidentin der Humboldt-Universität an jene Studenten, die aus Protest gegen die Entlassung Andrej Holms seit Tagen das sozialwissenschaftliche Institut besetzt halten. Sabine Kunst macht ihnen nun ein Angebot.

Die Präsidentin der Berliner Humboldt-Universität, Sabine Kunst, hat in einem offenen Brief die Studenten aufgefordert, die Besetzung des Sozialwissenschaftlichen Instituts zu beenden. Die Studenten halten das Institut besetzt, seit Kunst bekannt gegeben hat, Andrej Holm entlassen zu wollen.

Kündigungsvorhaben bleibt bestehen

Die Präsidentin wiederholt in dem Schreiben, dass die Entlassung Holms "einzig mit arbeitsrechtlichen Fragen" zu tun habe und nicht etwa damit, kritische Lehre verhindern zu wollen. "Die Entscheidung, eine ordentliche Kündigung anzustreben, gilt weiterhin", schreibt Kunst.

Sie lädt die Studierenden aber ein, sich für Projekt-Tutorien zu bewerben und selbst aktiv eine kritische Stadtsoziologie mitzugestalten. "Ich befürworte ausdrücklich, dass die kritische Stadtforschung an der HU im bisherigen Umfang weitergeführt und dies bei der Neubesetzung und Vergabe von Lehraufträgen entsprechend berücksichtigt wird", sagt sie. Für einen Dialog sei es aber nötig, dass die Besetzung beendet und der normale Lehrbetrieb wieder aufgenommen wird.

Die Antwort der Aktivisten kam schnell via Twitter: "1. Wir sind Student*innen. 2. Nein."

"Wir haben den politischen Impuls des Protests verstanden"

Holm lehrte an der HU Stadtsoziologie und ist bei den Studenten wegen seiner kritischen Haltung beliebt. Die Protestler hatten in einer Pressekonferenz ihren Widerstand gegen die Entlassung Holms mit politischen Forderungen verknüpft. Wohnungspolitik müsse im Interesse der Mieter und nicht der Investoren gestaltet sein, hieß es etwa, und der städtische Lebensraum müsse durch die Bewohner der Stadt organisiert werden. Auch Mietobergrenzen für den sozialen Wohnungsbau wurden gefordert, sowie "die juristischen Lücken der Mietpreisbremse zu schließen".

Kunst geht in ihrem Brief darauf ein, macht aber auch klar, dass sie dafür nicht verantwortlich sei: "Wir haben den politischen Impuls des Protestes verstanden. Viele Forderungen im Besetzungsmanifest richten sich aber nicht an die HU, sondern an die Politik und müssen auch dorthin adressiert werden."

Kündigung wird arbeitsrechtlich bewertet werden

Holm war in die Kritik geraten, weil er bei seiner Einstellung an der HU 2005 in einem Personalfragebogen falsche Angaben zu seiner Stasi-Tätigkeit gemacht hatte. Die HU-Präsidentin hatte die Vorwürfe geprüft und beschlossen, Holm zu entlassen. Die Kündigung beruhe nicht auf der Tätigkeit von Holm für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), sondern einzig darauf, dass er die HU hinsichtlich seiner Biografie getäuscht und auch an dem wiederholt vorgebrachten Argument der Erinnerungslücken festgehalten habe, hieß es seitens der HU.

Andrej Holm hat angekündigt, gegen die Kündigung klagen zu wollen. Auch darauf geht Kunst in ihrem offenen Brief ein: „Die dargelegten Gründe dafür [für den Wunsch ihn zu kündigen, Anm. d. Red.] werden arbeitsrechtlich bewertet werden müssen“, schreibt sie.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 3.

    Soso: Eine Einladung zum Dialog. Man könnte die Besetzer auch einfach wegen Hausfriedensbruch anzeigen und zudem exmatrikulieren. Aber das macht man mit angehenden (linken) Akademikern wohl nicht. Vielleicht suche ich mir auch eine Ecke in der HU, die ich besetze. Das Büro von Frau Kunst vielleicht. Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln.

  2. 2.

    Sehr geehrte Frau Kunst,
    ich glaub, ich bin im falschen Film.
    Die Immobilienhaie freuen sich scheckig!
    Der Senat unter Führung von SPD-Müller (und eigentlich meine ich nur die unglaubwürdige SPD) wäscht seine Hände in Unschuld.
    Kommt das jemandem bekannt vor?




  3. 1.

    So ist es recht, Frau Kunst! Guter Vorschlag! Sollen sich die Studenten in der Praxis beweisen, denn die ist das höchste Kriterium der Wahrheit!

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