Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sitzt am 16.06.2015 in Berlin am Steuer eines Busses auf der Betriebsleitstelle der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG, links BVG-Vorstandsvorsitzende Evelyn Nikutta.

Städtische Spitzenverdiener - Wem Berlin mehr zahlt als dem Regierenden Bürgermeister

Nicht nur der künftige Leiter neuer Flüchtlingsheime Rembert Vaerst bekommt mehr Geld als Berlins Regierender Bürgermeister. Auch die Manager der städtischen Kultureinrichtungen und Unternehmen verdienen mehr, als der Tarifvertrag vorsieht.

Die Aufregung um Rembert Vaerst, den neuen Leiter des Berliner Landesbetriebs für Flüchtlingsheime, ist groß. Ohne Ausschreibung und am Tarifvertrag vorbei wurde der Hamburger angeheuert, um bei den neuen Berliner Flüchtlingsunterkünften klar Schiff zu machen, kritisierte etwa Florian Graf, Fraktionschef der Berliner CDU. 15.000 Euro im Monat soll Vaerst verdienen – rund 1.000 Euro mehr als Regierungschef Michael Müller (SPD).  

Doch Vaerst ist kein Einzelfall. Wer genau im Sold der Stadt mehr verdient als der Bürgermeister, verrät die Senatsverwaltung aus Datenschutzgründen nicht. "Es handelt sich hierbei nur um eine sehr geringe Zahl von Führungskräften in rechtlich unselbständigen Kultureinrichtungen wie etwa Theatern und Konzerthaus", sagt Ingrid Siebert-Yeats, Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Finanzen. Denn Theater wie die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz sind Teil der Landesverwaltung und die dortigen Künstler damit Beschäftigte des Landes.  

Vivantes-Chefin Andrea Grebe (Quelle: Soeren Stache/dpa)
Vivantes-Chefin Andrea Grebe

Mehr Geld als im Tarifvertrag

Im Staatsdienst zu arbeiten, bedeutet eigentlich, dass man sich einem strengen Gehaltsregiment unterwirft: Bezahlt wird exakt nach Tarifvertrag. Gehaltsverhandlungen wie in der freien Wirtschaft gibt es nicht.

Das stimmt aber nicht für 50 Beschäftigte der Berliner Hauptverwaltung, die außertariflich bezahlt werden - so wie Rembert Vaerst. Das heißt, sie verdienen mehr als in ihrer Entgeltgruppe vorgesehen. Im Durchschnitt kostet jeder von ihnen den Steuerzahler 106.130 Euro im Jahr 2017.

Deren Tätigkeiten können vielfältig sein und prinzipiell ist es auch möglich, jemand mit mittlerem Einkommen so ein etwas höheres Gehalt zu bieten. Laut Stellenplan des Landes Berlins arbeitet beispielsweise je ein außertariflich Beschäftigter mit abgeschlossener wissenschaftlicher Hochschulbildung im Landesamt für Mess- und Eichwesen, der Verwaltungsakademie oder der Sportabteilung der Senatsverwaltung für Inneres. Einen außertariflichen Vertrag hat auch je ein Arzt in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee sowie in der Berliner Gerichtsmedizn.

Bei der Gewerkschaft findet man es grundsätzlich nicht gut, dass außerhalb des Tarifsystems bezahlt wird. Doch um gute Leute, beispielsweise im IT-Bereich, anziehen zu können, brauche es die freie Vertragsgestaltung. "Man sollte Tarifverträge so gestalten, dass sie adäquat zur freien Wirtschaft sind, sonst kommen die Leute einfach nicht zu uns," sagt Franz Becker, Landesvorsitzender des Beamtenbundes Berlin.

Städtische Unternehmen zahlen noch besser

Lukrativer ist es, ein rechtlich selbstständiges Unternehmen im Besitz der Stadt zu leiten. 53 Unternehmensbeteiligungen und Anstalten des öffentlichen Rechts hat die Bundeshauptstadt.

Laut Beteiligungsbericht ist Jürgen Allerkamp, Vorstand der landeseigenen Investitionsbank IBB, der bestbezahlte städtische Manager. Allerkamp kam 2015 (neueste veröffentlichte Zahlen) auf fast 42.600 Euro Monatsgehalt.

Besser als der Regierende Bürgermeister wird aber auch Christian Göke, Geschäftsführer der Berliner Messe GmbH (zu 99,7 Prozent im Eigentum des Landes Berlin), bezahlt, 2015 durchschnittlich 42.000 Euro monatlich verdiente. Die Herrin über U-Bahnen, Trams und Busse, Sigrid Nikutta von der BVG, verdiente 40.100 Euro im Monat.

Die Geschäftsführerin des Krankenhauskonzerns Vivantes, Andrea Grebe, erhielt 39.000 Euro pro Monat. Der Mutterkonzern des Skandalflughafens BER - das Unternehmen Flughafen Berlin Brandenburg GmbH gehört zu 37 Prozent dem Land Berlin - zahlte Karsten Mühlenfeld im Jahr 2015 zwölfmal 30.500 Euro.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Mal abgesehen davon, dass Gehaltsdiskussionen schnell zu vereinfachten Schuldzuweisungen führen, aber wie kann allen Ernstes gerechtfertigt werden, dass die oder der Geschäftsführer/in der Berliner Verkehrsgesellschaft ein derart astronomisches Gehalt bezieht? Das ist nahezu eine halbe Million Euro im Jahr, was absurd hoch ist. Ein Betrieb, der ohnehin komplett den Berlinerinnen und Berlinern gehört, hätte sicherlich andere Geschäftsfelder, in denen solch horrende Summen fließen könnten. Zum Beispiel in die Absicherung der Bahnhöfe vor Übergriffen oder die bessere Bezahlung der Service-Mitarbeiter in den Beratungsstellen. Eine halbe Million im Jahr...

    Bei der Chefin von Vivantes war man nichts anderes gewöhnt, aber auch im Gesundheitsbereich sind solche Gehälter eine Perversion. Anstatt hier alles auf Deregulierung und Flexibilisierung der Krankenhausbeschäftigten (ich nehme leitende Ärzte ausdrücklich davon aus) zu setzen und durch "Überoperationen" die Patienten zu verunsichern...

  2. 2.

    Hallo Herr oder Frau Schirmer,

    nein, haben wir nicht vergessen - das liegt daran, dass der rbb überhaupt kein landeseigenes Unternehmen ist.

    Die Gehälter sind übrigens auf unserer Seite öffentlich einsehbar, Sie finden sie hier (Seite 26): http://www.rbb-online.de/unternehmen/der_rbb/zahlenundfakten/zahlen-und-fakten-2016-2.file.html/zahlen_und_fakten_2016_20161222_komplett.pdf

    Mit freundlichen Grüßen

  3. 1.

    Haben Sie die stetig anwachsende Zahl der außertariflich vergüteten rbb-Führungskräfte lediglich vergessen zu erwähnen?

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