In Eisenhüttenstadt demonstrieren Gegner der Agenda 2010 bereits seit 13 Jahren regelmäßig montags gegen die Rentenpolitik. (Quelle: rbb Fernsehen/Brandenburg aktuell)
Video: Brandenburg aktuell | 27.02.2017 | Nico Hecht

Jede Woche seit 13 Jahren - Ewige Montags-Demonstranten in Eisenhüttenstadt

In Eisenhüttenstadt wird seit über einem Jahrzehnt jeden Montag demonstriert. Alles begann 2004 mit den Hartz-IV-Reformen. Durch die aktuellen Pläne von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz erfahren die Demonstrationen einen neuen Antrieb.

Sie sind die hartnäckigsten Hartz-IV-Gegner Deutschlands: Seit 13 Jahren demonstrieren Menschen in Eisenhüttenstadt jeden Montag gegen die damaligen Reformen. Das Gesetz sei einfach zu ungerecht.

Initiator Torsten Lohs ist seit Anfang an dabei: "Ich habe Jahrzehnte in diese Sozialsysteme eingezahlt. Und das ärgert mich einfach: Dass jemand, der ehrlich und hart arbeitet, dann einfach enteignet wird."

In Eisenhüttenstadt demonstrieren Gegner der Agenda 2010 bereits seit 13 Jahren regelmäßig montags gegen die Rentenpolitik. (Quelle: rbb Fernsehen/Brandenburg aktuell)

Jeder Zehnte bezieht in Eisenhüttenstadt Hartz IV

Zur ersten Demo im August 2004 kamen mehr als 1.200 Eisenhüttenstädter. Deutschlandweit entzündete sich der Unmut über die unsozialen Sozialreformen. Die Brandenburger demonstrierten in 15 Städten.

Doch nur in Eisenhüttenstadt meldet Torsten Lohs heute immer noch die Demos an. Resignation nach so langer Zeit? Im Gegenteil. Der Protest gegen den Sozialabbau ist mitlerweile ein wichtiger Aspekt seines Lebens. Nicht nur in Eisenhüttenstadt. Lohs fährt regelmäßig zu Veranstaltungen nach Berlin und reiste auch schon zu Demonstrationen nach Südamerika.

Dabei war der Metallarbeiter selber nie arbeitslos. In Eisenhüttenstadt, wo immer noch jeder Zehnte Hartz IV bezieht, fühlt sich Lohs trotzdem mittelbar betroffen: "Hartz IV steht für mich dafür, dass der Niedriglohnsektor massiv ausgebaut und die Leiharbeit verstärkt wurde. Und das hat auch auf die Leute, die noch in Arbeit sind, massive Auswirkungen."

Für den Soundtrack der Eisenhüttenstädter Montagsdemos sorgt seit 13 Jahren unter anderem Christine Reinwald. Sie besingt, was die anderen wütend macht.

Obwohl und weil sie zwischenzeitlich arbeitslos war und mit Hartz IV über die Runden kommen musste, hat sie durchgehalten: "Über die Jahre hat das schon sehr gezehrt. Am Körper. Und auch die Seele ist etwas verändert", erzählt sie heute. Mittlerweile arbeitet Reinwald in der Flüchtlingshilfe.

Dass die Hartz-Reformen vielleicht zurück genommen werden, daran glauben sie in Eisenhüttenstadt noch nicht. Deswegen wird das Erinnerungsbild an die 655. Montags-Demonstration in Eisenhüttenstadt wohl nicht das letzte sein.

Mit Informationen von Nico Hecht

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Das zeigt noch mal das unsere Politiker nur eigene Interessen verfolgen.
    Die Menschen sind wie Verbrauchsmaterial um geld zu machen.

  2. 1.

    "Wirklicher Propagandasender": nennt die Zahlen von vor 13 Jahren, die von heute lässt er einfach weg. Lohnt auch nicht, Sendung wird so und so nur zur Verhöhnung der Menschen gemacht

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