Stockholm, Schweden (Quelle: imago/INSADCO)

AfD-Reisewarnung ist "Fake News" - Der Schweden-Urlaub kann stattfinden

Eine offizielle Reisewarnung für Schweden, das idyllische Traumziel vieler Deutscher? Klingt im ersten Moment eher unglaubwürdig. Und ist es auch, wie nun sogar das Auswärtige Amt klarstellte. Gestreut hatte das Gerücht die AfD, auch der Berliner Landesverband.

"Achtung Fake News": So warnt das Auswärtige Amt auf Facebook. Am Montag reagierte das Bundesministerium auf Beiträge in den sozialen Netzwerken, wonach das Haus selbst eine Reisewarnung für Schweden herausgegeben habe. Die Falschmeldung stammte demnach unter anderen von mehreren AfD-Verbänden.

"Es gibt keine Reisewarnung für Schweden", stellte das Auswärtige Amt nun klar. Entgegen der Darstellung der AfD-Gruppierungen sei vor einem Jahr die Terrorwarnstufe in Schweden sogar herabgesetzt worden. "Tut uns leid, falls das weniger interessant klingt", schrieb das Auswärtige Amt auf Facebook etwas spöttisch.

"Das ist nicht Legoland"

Einer der AfD-Landesverbände, der die Falschmeldung am Wochenende in Umlauf gebracht hat, war der Berliner. Dessen Pressesprecher Ronald Gläser räumte am Montag auf Nachfrage von rbb|24 ein, dass der Beitrag "ziemlich zugespitzt" formuliert und "inhaltlich nicht ganz korrekt" war. Man habe auch kurz überlegt, ihn wieder zu löschen.

"Es gibt Schlimmeres", findet Gläser aber und verweist auf fehlerhafte Berichterstattung von anderen Medien und sogar dem Auswärtigen Amt selbst. Das solle nun seine Einstufung Schwedens "ruhig weiter verbreiten". Man behalte sich den Facebook-Post zur Wiedervorlage vor, wenn es in Malmö das nächste Mal zu Krawallen komme. In den tatsächlichen Reise- und Sicherheitshinweisen zu Schweden gebe es ja durchaus einige warnende Hinweise: "Das ist nicht Legoland", sagt Gläser.

Zudem habe selbst China einmal Berlin mit einer Reisewarnung versehen. "Das ist doch aber eine sichere Stadt", findet Gläser. Malmö oder Stockholm also nicht? "Naja, zumindest nicht so sicher wie Brandenburg an der Havel oder Stralsund."

Warnende Hinweise, keine Reisewarnung

Tatsächlich gibt es in den größten schwedischen Städten Stadtteile, die mehrheitlich von Immigranten bewohnt werden, etwa Rosengård in Malmö oder Rinkeby und Tensta in Stockholm. Die dortige Gewalt und Kriminalität wird in Schweden seit einigen Jahren thematisiert und diskutiert, gelegentlich kommt es auch zu Ausschreitungen. Allerdings ist es keinesfalls so, dass deshalb gleich vor Reisen nach Schweden gewarnt wird, wie derzeit in 26 vornehmlich asiatische und afrikanische Staaten, etwa Somalia, dem Irak oder den Krisengebieten in der Ukraine, dem Südsudan oder Pakistan. [Die vollständige Liste der Länder mit Reisewarnungen finden Sie hier.]

Und eine erhöhte Terrorwarnung gilt heutzutage in zahlreichen Ländern, ebenso der Hinweis, sich an öffentlichen Orten mit größerer Vorsicht zu bewegen.

Auch Trump warnte vor Schweden

Angestachelt wurden die AfD-Gruppen wohl indirekt von US-Präsident Donald Trump. Der hatte am 18. Februar bei einer Rede zur Rechtfertigung seiner restriktiven Einwanderungspolitik den Eindruck erweckt, in Schweden hätten Flüchtlinge einen Anschlag verübt: "Schaut Euch an, was gestern Abend in Schweden passiert ist", hatte er hinzugefügt und dann Anschlagsziele wie Brüssel, Nizza und Paris aufgezählt. In Schweden war allerdings nichts passiert. Danach erntete Trump viel Spott in den sozialen Netzwerken. Die Frage, was an besagtem Vorabend in Schweden passierte, beschäftigte die Netzgemeinde wochenlang unter dem Hashtag #lastnightinsweden.

Das schwedische Außenministerium wies in der Folge darauf hin, dass der einzige Anschlagsversuch in Schweden auf das Jahr 2010 zurückgeht. Abgesehen von dem Attentäter habe es keine Opfer gegeben. Und der frühere schwedische Ministerpräsident Carl Bildt fragte stellvertretend: "Schweden? Terrorattacke? Was hat er geraucht?"

Ähnliche Kommentare fanden sich nun auch zu der Falschmeldung der AfD-Gruppen. Viele Nutzer fragten ironisch, ob die AfD inzwischen auch Satire-Meldungen publiziere.

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    @rbb:
    Sorry, Ihre Aussage würde ich so nicht unterschreiben wollen! Vergleichen Sie die Hinweise des AA mal für Norwegen mit denen von Schweden.
    Im Übrigen war im Sommer auf der AA-Seite über Schweden noch von einer hohen Gefährdungslage zu lesen, was inzwischen wieder abgeschwächt wurde. Zu Norwegen gab es zur gleichen Zeit keinen Hinweis. Scheint also doch Unterschiede zu geben.
    Und ja: Der Schweden-Urlaub kann natürlich stattfinden, die Sicherheitslage ist mit der in Deutschland durchaus gleichzusetzen. Ich bin mehrfach im Jahr in Schweden und weiß schon, wovon ich rede.

  2. 5.

    Man mag zur AfD stehen, wie man will, aber was hier gerade betrieben wird, ist doch Wortklauberei. Korrekterweise gibt es natürlich KEINE Reisewarnung für Schweden. ABER! Es gibt aktuelle Hinweise, die zur erhöhten Umsichtigkeit mahnen, vor größeren Menschenansammlungen in Stockholm warnen und auf erhöhte Risiken zu Feiertagen hinweisen. Natürlich KANN man das sehr wohl als Warnung verstehen. Was denn sonst?
    Ich liebe Schweden und bin ständig dort, fühle mich auch wohl und sicher. Allerdings musste selbst ich feststellen, dass die Lage sich in den großen Städten besonders in einigen Stadtteilen in den letzten Monaten/Jahren leider stark zum Negativen gewandelt hat und habe selbst Bekannte schon vor bestimmten Gegenden in Malmö gewarnt. Nein, das ist nicht flächendeckend und nicht zu verallgemeinern, man sollte es aber bitte nicht verharmlosen! Zum Glück ist es weitgehend auf die Städte begrenzt, es gibt ja noch sehr viel Land!

  3. 4.

    Beweise für Ihre Behauptung? Ach ist auch egal... Sie haben den Text gar nicht gelesen, wie es scheint, oder einfach nicht begriffen?

    Laut AA wird unterschieden zwischen "Warnungen" und "Sicherheitshinweisen", scheinbar scheinen Sie diesen Unterschied nicht zu verstehen, deswegen hat das AA die Formulierung angepasst, damit Sie und die AfD Honks es auch raffen.

  4. 3.

    Lesen hilft! Das AA diffamiert nicht die AfD. Es wuden nicht - wie von Ihnen unterstellt - heute signifikant der Inhalt dieser alten Meldung geändert. Das deckt nur die allgemein bekannte Taktik von Lügen und Provokation in dieser Partei auf. Dafür ist es halt mit unter nötig, das Einfache noch einfacher zu erklären, damit es eben auch AfD-Sympatisanten verstehen können, wenn sie denn wollten.

    Ob es wohl in Schweden auch Reisewarnung für Deutschland gibt. Schließlich gibt es ja in Dresden oder Heidenau auch neofaschistische Banden, die die durch die Straßen ziehen. Richtig, das war auch nur überspitzt dargestellt. Aber vielleicht auch mit ein bisschen Wahrheitgehalt ...

  5. 2.

    Die warnenden Hinweise gibt es ja weiterhin und sind weltweit üblich. Zudem hat das Auswärtige Amt selbst geschrieben, dass es die Sicherheitshinweise aufgrund der Falschmeldungen noch einmal überarbeitet hat. So hat es unter anderem hervorgehoben, dass die Terrorwarnung im März 2016 sogar herabgestuft wurde. Wir haben das also schon gemerkt. Und wir haben die Texte auch ordentlich gelesen, nicht nur überflogen: Denn eine Reisewarnung hat es weder gestern noch irgendwann zuvor im letzten Jahr gegeben. Selbst die AfD hat das ja zugegeben. Die aktuellen Hinweise sowie die Liste der Reisewarnungen finden Sie oben, genauso wie die ausführliche Stellungnahme des Auswärtigen Amts und der AfD Berlin, im Text.

  6. 1.

    Ist schon dreist vom AA. Erst werden Warnungen an Schwedenreisende auf der Homepage des AA veröffentlicht, Blogger verbreiten diese, das AA korrigiert seine Homepage und diffamiert die Blogger als Verbreiter von Fakenews. Ich frage mich nur, ob der RBB nicht gemerkt hat, dass die Homepage des AA heute geändert wurde oder dieses aus Staatsnaehe nicht melden wollte
    Schöne Nacht noch an alle Nachtarbeiter

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