Ein Zettel mit der Aufschrift "Wir können bleiben!! Wir danken allen UnterstützerInnen" hängt im Fester des Café Filou in Berlin-Kreuzberg. (Quelle: rbb/Abendschau)

Kündigung zurückgezogen - Kreuzberger Café Filou darf nun doch bleiben

Das Aus des Cafés Filou in Berlin-Kreuzberg war schon beschlossen, die Eigentümer hatten der Betreiberfamilie nach 16 Jahren gekündigt. Doch dann änderte ein Anruf der Hausbesitzer alles - und die Café-Betreiber können sich auf traumhafte Konditionen freuen.

Die Zukunft des Café Filou in Berlin-Kreuzberg ist vorerst gesichert: Die beiden Eigentümer des Hauses in der Reichenberger Straße haben die Kündigung gegenüber den Mietern der Café-Räume zurückgezogen. Das gab die Unterstützer-Initiative "Filou bleibt" am Sonntagabend bekannt. Bisher hatten sie darauf gepocht, dass die Betreiber im Sommer 2017 schließen müssen.

In einem persönlichen Gespräch hätten die beiden Vermieter, zwei britische Investoren, der betroffenen Familie nun zugesichert, dass diese langfristig zu guten Konditionen bleiben könne. Zunächst soll der Vertrag drei Jahre gelten, danach würde er sich automatisch jeweils um weitere fünf Jahre verlängern. Außerdem könne der Vertrag unter normalen Umständen nur einseitig vom Mieter beendet werden. Auch die Miete bleibe unverändert, hieß es von der Initiative.  

Überraschender Anruf der Hauseigentümer

Die Betreiber des Cafés zeigten sich erleichtert von der überraschenden Entwicklung und bedankten sich bei ihren Unterstützern. Bislang gibt es nur eine mündliche Absprache, wie das Ehepaar dem rbb am Montag sagte. Für Dienstag sei ein Treffen mit den Hausbesitzern im Büro des Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans Christian Ströbele vereinbart. Dort soll dann der neue Mietvertrag formuliert werden.

Ströbele hatte zuvor die Hauseigentümer, die Mieter und die Nachbarschaftsinitiativen "Bizim Kiez" und "GloReiche" zu einem Runden Tisch eingeladen. Das Treffen am Donnerstag war zunächst aber ohne Ergebnis geblieben.

Einige Stunden später hätten die Vermieter sich jedoch völlig unerwartet gemeldet und die Kündigung zurückgenommen, so die Betreiber des Filou. Die Hauseigentümer sagten dem rbb, sie wollten mit dem neuen Vertrag ein Zeichen zum Schutz von Gewerberäumen setzen.  

Unterstützer-Demo mit bis zu 2.500 Menschen

Eigentlich hätte das Kiez-Café Filou im Sommer nach 16 Jahren unter der Leitung der aktuellen Betreiber schließen sollen. Nach deren Angaben deshalb, weil die Eigentümer sich von anderen Mietern höhere Einnahmen erhofft hätten. Die Eigentümer wiesen diesen Vorwurf zurück. Es sei nicht um die Höhe der Miete gegangen, sondern um die aus ihrer Sicht mangelhafte Qualität der angebotenen Produkte im Café - stattdessen zögen sie als Mieter eine andere Bäckerei mit hochwertigeren Angeboten vor.

Nach Bekanntwerden der Kündigung hatte sich ein Anwohnerbündnis gemeinsam mit den Café-Betreibern dagegen gewehrt. Mitte Februar protestierten zwischen 2.000 und 2.500 Menschen auf einer Kundgebung gegen steigende Mieten und drohende Räumungen in Berlin-Kreuzberg.  

"Filou bleibt" dankt Betreiberin von attackiertem Restaurant "Vertikal"

Nach der unerwarteten Rettung des Cafés bedankten sich die Aktivisten der Initiative "Filou bleibt" bei allen Unterstützern - und insbesondere der Betreiberin des Restaurants "Vertikal" im Anbau neben dem Café. Auch deren Räume gehören den britischen Eigentümern des "Filou"-Hauses.

Unbekannte hatten das Restaurant mehrfach attackiert, sie gaben der Gastronomin Claire d'Orsay die Schuld an der Kündigung des alteingesessenen Cafés. Diese reagierte empört, sie habe kein Interesse daran, dass ihre Nachbarn gekündigt würden, sagte d'Orsay rbb|24. Zuvor hatten Linksautonome mit Eispickeln auf die Scheiben ihres Lokals eingeschlagen. Nun hoben die "Filou bleibt"-Unterstützer hervor, dass sich d'Orsay immer wieder bei den Eigentümern für den Erhalt des Cafés eingesetzt habe.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Danke Christian (und allen Beteiligten!), offenbar warst Du der richtige, um zu so einem Gespräch einzuladen. Zu oft fehlt es an der Bereitschaft Konflikte zu klären und dem Raum bzw. passenden Rahmen. Schön, dass es jetzt hier klappt.

  2. 2.

    Lieber Herr Prinz Eisenherz. Wenn Sie Ihre Wortwahl leicht ändern würden, dann hätten Ihre Kommentare größere Chance auf Veröffentlichung.

    Gruß.

  3. 1.

    Hier möchte ich einmal meinen besonderen Dank dem Staatsfernsehen aussprechen, das so lustig wie in Diktaturen Kommentare zensiert. Vielen, vielen Dank!

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