Eine Nachbarschaftsinitiative unterstützt die letzten Mieter der Grunewaldstraße 87. (Quelle: rbb/Wolf Siebert)

Grunewaldstraße 87 in Berlin-Schöneberg - Chronologie eines Niedergangs

Viel Geld wollte der neue Besitzer aus der Grunewaldstraße 87 in Schöneberg herausholen. Eine Weile lang funktionierte das, auf Kosten des Hausfriedens und der Bausubstanz. Dann brach das Geschäftsmodell zusammen. Seitdem ist Stillstand. Ein Überblick von Wolf Siebert

2014

  • Das Haus Grunewaldstraße 87 wird von der Alpha-Plan GmbH gekauft, Geschäftsführer ist Klaus Breckner. Die Alpha-Plan ist auch Mehrheitsgesellschafter der "G 87 Grundbesitz GmbH", auch hier ist Klaus Breckner Geschäftsführer. Im November wird die Crewkerne Immobilien GmbH Mehrheitsgesellschafter.
  • Ende September / Anfang Oktober ziehen die ersten Roma in leerstehende Wohnungen des Hauses ein. Viele zahlen unangemessen hohe Mieten. Eine Mieterin weist die Wohnungsaufsicht auf die veränderte Mietsituation hin.
  • Das Haus wird über einen Makler für 5,8 Millionen Euro zum Verkauf angeboten. (laut Exposé: "80 Prozent Leerstandsquote...Baugenehmigung inklusive Planung in voraussichtlich vier bis sechs Wochen (...) 61 Einheiten, die zu 50 Einheiten zusammengelegt werden (...) Kauf kann über eine saubere GmbH als share deal abgewickelt werden.")

2015

  • Bis zum Frühsommer: Bis zu 200 Wanderarbeiter vor allem aus Bulgarien und Rumänien wohnen in dem überfüllten Haus. Die Situation eskaliert: Müll, Lärm, Gewalt, Straftaten. Die Polizei fährt Dutzende von Einsätzen.
  • Juli: Sozial-Stadträtin Klotz teilt in der BVV Tempelhof-Schöneberg auf Anfrage mit, dass die Polizei im Haus und im Umfeld des Hauses 350 Straftaten registriert hat.
  • August: Die Roma-Familien sind ausgezogen, nur eine Familie bleibt im Haus.
  • Der Eigentümer reicht beim Bezirksamt Baupläne ein. Er will die beiden Hinterhäuser sanieren, kleine Wohnungen zusammenlegen, Fahrstühle und Balkons anbauen. Das Haus steht unter Denkmalschutz, deshalb ist das Amt für die Genehmigung der Pläne zuständig.
Müll auf dem Hof der Grunewaldstraße 87 (Quelle: rbb/Wolf Siebert)

2016

  • Das Bezirksamt lässt das Haus einrüsten, um die Bausubstanz zu prüfen.
  • Sommer: Das Gebiet um die Grunewaldstraße 87 wird auf Betreiben des Bezirksamts zum "Milieuschutzgebiet" erklärt: Luxusmodernisierungen sind damit ausgeschlossen.
  • Der Eigentümer des Hauses bietet den Alt-Mietern der beiden Hinterhäuser Abfindungen an, falls sie ihre Wohnungen verlassen. Es kommt zu keiner Einigung.
  • Das Bezirksamt gibt ein Gutachten in Auftrag, um den Verkehrswert zu ermitteln.
  • Das Bezirksamt vereinbart zwischen den Alt-Mietern der beiden Hinterhäuser und der G 87 Grundbesitz GmbH einen Sozialplan. Aufgabe des Eigentümers ist es unter anderem, den Alt-Mietern bezahlbaren Ersatz-Wohnraum zu vermitteln.
  • Im Bezirksamt wird der Plan diskutiert, dem Eigentümer die Grunewaldstraße 87 abzukaufen ("Vorkaufsrecht"). Dies setzt aber voraus, dass der Eigentümer zunächst an einen Dritten verkauft und der Bezirk dann von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch macht. Der Bezirk würde nicht für sich selbst, sondern für einen Partner kaufen. In anderen Bezirken war dies eine städtische Wohnungsbaugesellschaft.
  • Ein Gutachten im Auftrag des Bezirksamts, das die Qualität der Deckenbalken untersucht hat, kommt zu dem Ergebnis, dass die Balken an vielen Stellen von Schwamm und Pilzen befallen sind. Eine Kernsanierung der Hinterhäuser ist wahrscheinlich unvermeidlich.
Dixi-Klos in der Grunewaldstraße (Bild: Wolf Siebert)
Letzte Rettung: Dixi-Klos im Hof

2017

  • Die Mieter erhalten vom Eigentümer des Hauses Betriebskostenabrechnungen für 2015, die sie für überhöht halten und schalten einen Anwalt ein.
  • Das Bezirksamt lehnt die Baupläne des Eigentümers ab, weil sie nicht vollständig sind. Eine Baugenehmigung wird nicht erteilt. Dagegen legt der Eigentümer Widerspruch ein.
  • Das Bezirksamt verfolgt die Pläne, dem Eigentümer die Grunewaldstraße 87 abzukaufen, weiter.

Beitrag von Wolf Siebert

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Das es sich bei den Einquartieren um Wanderarbeiter handelte ist Wunschdenken. Diebstähle und Trickbetrug stieg Rings um das Haus rasant an. Es ist im übrigen traurig, dass man meist von Rumänen oder Osteuropäern redet, statt das Kind beim Namen zu nennen: ROMA. So wird der Ruf einer ganzen Region und Nation durch das Roma-Volk in Mußkredit gebracht. Das ist traurig. Ich glaube auch nicht, dass es ein Armutsproblem ist.... Eher ein Mentalitätsproblem

  2. 1.

    Ich kenne das Haus aus Früheren Zeiten- Sehr traurig! Die No-Go-Areas werden sich wohl weiter verbreiten.

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