Kinder mit Migrationshintergrund werden in einer Schule unterrichtet (Quelle: dpa/Hendrik Schmidt)

Schüler-"Chancenspiegel 2017" - Keine so schlechten Chancen

Gute Deutschnoten mit Migrationshintergrund? Wie läuft es mit der Inklusion? Der neue "Chancenspiegel" zeigt, wie gut Schulen die Ausgangspositionen von Kindern ausgleichen. Für Berlin und Brandenburg gibt es Verbesserungsbedarf - aber auch ein bisschen Lob.

Schüler aus sozial schwachen Schichten, mit Migrationshintergrund oder Behinderungen werden in Berlin und Brandenburg unterschiedlich stark gefördert. Das geht aus dem "Chancenspiegel 2017" hervor, den die Bertelsmann Stiftung am Mittwoch vorgestellt hat.

Während die Studie der Hauptstadt eine vergleichsweise hohe Chancengerechtigkeit bescheinigt, liegen Brandenburger Schulen nur im Mittelfeld. Wichtige Indikatoren bei der Wertung waren unter anderem die Zahl der Ganztagsschulen im Land, sowie die Zahl der Kinder mit Förderbedarf an allgemeinbildenden Schulen. Besonderen Ausschlag gab auch die Zahl der Schüler, die ohne Abschluss die Schule beendeten, und wie die Länder bei Leistungsvergleichen dastanden. Die Daten basieren auf amtlichen Statistiken des Schuljahres 2014/15.

Hohe Inklusionswerte in Berlin

Berlin liegt demnach insbesondere bei Ganztagsschulen und der Inklusion im Bundesvergleich an der Spitze, hieß es am Mittwoch.

Laut Bertelsmann-Studie waren zuletzt 84,9 Prozent aller Berliner Schulen Ganztagsschulen - der Bundesdurchschnitt lag dagegen bei nur 59,4 Prozent. 64,2 Prozent aller Berliner Schüler besuchten demnach in der Primar- und Sekundarstufe 1 eine Ganztagsschule, bundesweit seien es lediglich 37,3 Prozent gewesen.

Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf besuchen in Berlin zudem häufiger eine allgemeine Schule als im Bundesdurchschnitt: Laut Studie waren es 57,4 Prozent der betroffenen Schüler - im bundesweiten Vergleich nur 34,1 Prozent.

Besonders viele Jugendliche ohne Abschluss

Bei den Leistungen stehen die Berliner Schüler im Ländervergleich allerdings nicht so gut da: Unabhängig vom Testalter und Schulfach schnitten sie häufig mit "niedrigen mittleren Testleistungen" ab. Dazu kam, dass Schüler verschiedener Herkunftsgruppen große Leistungsunterschiede zeigen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Im Jahr 2014 verließen insgesamt 9,2 Prozent der Berliner Schüler - bezogen auf ihre Altersgruppe - ohne Abschluss die Schule. Bundesweit lag der Wert lediglich 5,8 Prozent gelegen. Unter diesen Schulabgängern ohne einen Hauptschulabschluss lag zudem der Ausländeranteil besonders hoch: 16,9 Prozent - bei 12,9 Prozent im Bundesschnitt.

Immerhin lag Berlin bei der Zahl der Abiturienten im oberen Bereich: 56,8 Prozent hielten am Ende des Schülerlebens ein Abizeugnis (allgemein plus beruflich) in der Tasche - der Bundeswert beträgt 52,2 Prozent.

Brandenburg bei Schulabschlüssen ganz vorn

Im Gegensatz zu Berlin kann Brandenburg mit einer niedrigen Zahl ausländischer Schulabgänger ohne Abschluss punkten: Hier waren es nur 3,8 Prozent - bei einem Bundeswert von 12,9 Prozent.

Auf allen anderen Gebieten liegt Brandenburg allerdings im Mittelfeld: So verließen im untersuchten Schuljahr 51,5 Prozent der Jugendlichen die Schule mit Abi (allgemein und beruflich) - das war nahezu der Bundesdurchschnitt von 51,5 Prozent.

Brandenburger Schulen erreichen auch bei Ganztagsschulen und Inklusion nur mittlere Werte. Laut Bertelsmann-Studie waren zuletzt 54,8 Prozent aller Brandenburger Schulen Ganztagsschulen (Bund 59,4 Prozent). 47,8 Prozent aller Berliner Schüler besuchten in der Primar- und Sekundarstufe 1 eine Ganztagsschule (Bund 37,3 Prozent). Von den Schülern mit sonderpädagogischen Förderbedarf besuchten in Brandenburg 45,2 Prozent eine allgemeine Schule, im bundesweiten Vergleich seien es 34,1 Prozent.

Bei Leistungsvergleichen gebe es für Brandenburg "kein klares Muster", hieß es weiter. "Dies gilt sowohl für die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler als auch für die Unterschiede zwischen Schülergruppen unterschiedlicher Herkunftsgruppen."

Studie erstmals 2012 veröffentlicht

Mit dem Chancenspiegel untersucht die Bertelsmann Stiftung seit 2012 jährlich Bildungsgerechtigkeit und Leistung im Schulsystem. Die Studie wird von der Stiftung in Zusammenarbeit mit der TU Dortmund und der Friedrich-Schiller-Universität Jena veröffentlicht.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Der Bericht beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Fragestellung "Förderung schwächerer Schüler", "Inklusion", etc. und versteht darunter "Chancengleichheit".
    Im gesamten Bericht kommt nicht einmal das Wort "begabt" vor. Haben denn begabte Kinder keinen Anspruch auf Chancengleichheit und Förderung nach ihren (eigenen) Fähigkeiten? Wie fair sieht da das Schulsystem aus?
    Von daher: Einseitige Betrachtung.

  2. 2.

    Was ist denn daran gut? Nur weil sich die Anzahl der Schulen erhöht hat, die nun "Inklusion" über den Eingang schreiben, heißt das längst nicht, dass die Qualität darin auch gut bzw. besser wird. Gerade Leute aus der Praxis werden bestätigen, dass Inklusion bisher dazu führt, dass weder die "stärkeren" noch die "schwächeren" Kinder angemessen gefördert werden können. Es mangelt nämlich überall an ausreichend Personal und an Kompetenz, Inklusion zu betreiben. Ganz "normal" allgemeinbildende Lehrer müssen auf einmal Kinder, die früher von speziell ausgebildetem Personal betreut und gefördert wurden, mitunterrichten (z.B. Kinder mit Autismus, mit Lernbehinderung, mit Verhaltensauffälligkeit ...). Und dazu kommen dann Kinder mit rückständiger Sprachentwicklung, sowie diejenigen, die knapp am Gymnasium vorbeigeschrammelt sind, alle im selben Unterricht ...
    Liest sich als Utopie ganz gut, die Umsetzung jedoch wird schön geredet!

  3. 1.

    Da hat Herr Rackles doch richtig gute Arbeit hingelegt. Glückwunsch ! Es zahlt sich aus, wenn ein Mensch aus der Praxis ein Spitzenamt besetzt. Da kann sich die Chefin Frau Scheeres doch ne Scheibe von abschneiden.

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