Der Fraktionsvorsitzende der AfD, Georg Pazderski, nimmt am 23.03.2017 an einer Sitzung des Abgeordnetenhauses in Berlin teil.
Audio: Inforadio | 20.04.2017 | 07:05 Uhr

Pazderski äußert Verständnis für Rückzug Petrys - "Überraschend, aber nicht unerwartet"

Kurz vor dem AfD-Bundesparteitag verzichtet Parteichefin Petry auf eine Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl. Für Berlins AfD-Chef Pazderski war der Schritt nicht ganz unerwartet. Doch er ist überzeugt: die AfD braucht kein Spitzenteam um für die Wahl gut aufgestellt zu sein.

Der Berliner AfD-Chef Georg Pazderski äußerte gegenüber dem rbb Verständnis für die Entscheidung Frauke Petrys. Drei Tage vor dem AfD-Bundesparteitag hat die Parteichefin angekündigt, auf eine Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl verzichten zu wollen. "Wir waren natürlich alle etwas überrascht, aber es war nicht ganz unerwartet. Man muss ihre Entscheidung verstehen, sie will sich vermutlich nicht mehr dem enormen Druck aussetzen, dem sie ausgesetzt war", sagte der Berliner AfD-Chef im Inforadio.

Nun hoffe er auf eine gute Diskussion beim Parteitag am Wochenende in Köln. Frauke Petry will dort einen Antrag einbringen, nach dem die Partei auf Koalitionsfähigkeit setzen soll. Dem stimmt Pazderski im Grunde zu. Berliner Fraktion und Landesverband hätten bereits vor einigen Wochen ein Papier verabschiedet, "in dem wir gesagt haben, wir wollen mittel- und langfristig koalitions- und regierungsfähig werden". Auch wenn das noch Zukunftsmusik sei, müsse es natürlich Ziel einer jeden Partei sein, einmal die Mehrheit zu erreichen und Senior-Partner zu werden.

Das Hauptthema solle jedoch das Bundestagswahlprogramm sein. "Das ist wichtig, dass wir das verabschieden, denn der Wähler muss ja wissen, was er bekommt, wenn er AfD wählt."  

Gauland bedauert Schritt der Parteivorsitzenden

Petry hatte in einer Videobotschaft mitgeteilt, sie stehe weder alleine noch als Teil eines Spitzenteams zur Verfügung. Sie begründete ihren Schritt mit der fehlenden Entscheidung über die grundsätzliche Ausrichtung der Partei. Es sei ihr wichtig, dass die AfD drängende Sachfragen wie die grundsätzliche Ausrichtung der Partei unabhängig von Personalfragen diskutiere.

Für den Parteitag hofft auch der Berliner Fraktionschef der AfD auf ein Signal der Geschlossenheit, das von Köln ausgeht. Bereits am Mittwoch hatte er im rbb gesagt, er vermisse sachliche Gründe für die Entscheidung Petrys. "Wo wir derzeit ausschließlich Probleme hatten, das war in der Personaldiskussion. Da spielen auch persönliche Befindlichkeiten eine Rolle." Doch, hatte er betont, auch ohne Petry sehe er die AfD für den Bundestagswahlkampf gut aufgestellt. "Ich denke nicht, dass die AfD ein Spitzenteam oder einen Spitzenkandidaten braucht", so Pazderski.

Der Fraktionschef der AfD in Brandenburg, Alexander Gauland, sagte dem rbb, die Bundesvorsitzende einer Partei gehöre in ein Spitzenteam. Er bedaure ihren Rückzug.

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10 Kommentare

  1. 10.

    Frau Petry ist hoch schwanger und es ist völlig normal das Sie sich den Stress jetzt vor der Wahl so gut es eben geht zu vermindern, daß nun diese Medien daraus wieder Streit & den Untergang der AFD sehen ist verständlich was hat man nicht alles versucht die Partei endlich unter 10% zu bekommen, es wird leider aller Mühe umsonst sein, die AFD wird bei 15% bei der BTW landen, denn wer diesen <SPD Schulz oder Mutti Merkel noch mal auf dem Leim geht hat selbst Schuld & muß sich nach der Wahl nicht über eine Erhöhung der MWST & andere Erhöhungen wundern, denn es ist ja dann eine Zustimmung denn so wird es von diesen selbst verliebten Alt- Parteien gesehen.

  2. 9.

    Ich denke mal, hier sollte Parteienverdruss und politischer Verdruss unterschieden werden.
    Den Verdruss über Parteien verstehe ich allemal, ist es doch Definition einer Partei an und für sich, einheitlich eine Meinung nach außen hin zu vertreten. Unterschiede gegenüber anderen Parteien werden aufgebauscht und im Innern werden unterschiedliche Auffassungen glattgebügelt. Das empfinden viele Menschen, so auch ich, als unehrlich.

    Den höchsten Zuspruch erfahren in aller Regel die, die persönlich lauter sind, "laut" nicht von Lautstärke sondern von ehrlich. Gleich "ihrer" Partei.

    Alexander Gauland zum Beispiel würde ich in diesem Sinne schon als lauter bezeichnen, doch eben geistig als - pardon - ziemlich verengt, verhärmt und verbissen. So, wie sich die AfD darin ja gegenseitig hochschaukelt, dass einige sogar noch ihren Gartenzwerg mit Stacheldraht umhausen würden. Mit anderen Worten: Es muss also noch etwas zur persönlichen Lauterkeit dazukommen.

  3. 8.

    Die Frage ist doch: Wie kann denn eine Partei, die ständig in interne Machtkämpfe verwickelt ist und im Intrigieren den anderen in nichts nachsteht, vermitteln ein Repräsentant für verlässliche Politik zu sein?

    Im Übrigen maßt sich doch jede Partei an, zu wissen, was für die Bevölkerung am besten ist. Ob das Parteien, Einzelpersonen oder eben die wenigen Demonstranten auf bestimmten Spaziergängen sind, spielt doch gar keine Rolle. Wer Meinungsfreiheit für sich einfordert, muss sie auch anderen gewähren.

  4. 6.

    Ich verrate Ihnen jetzt mal ein kleines Geheimnis: Ich bin schlauer als Sie. Das weiß ich genau, ohne Sie persönlich zu kennen. Und deshalb darf ich mir auch anmaßen, die AfD als vollkommen überflüssig zu bezeichnen. Alles, was wir in unserem Land brauchen, wird durch die vorhandenen Parteien ausreichend abgedeckt. Und wenn, wie Sie sagen, acht bis zehn Prozent der Bevölkerung das anders sehen, dann kann ich auf deren Mitwirkung gerne verzichten. Zum Glück sind es nur acht bis zehn Prozent. Mit dieser Quote kann ich leben. Und auch denen kann man zusätzliche Bildungsangebote angedeihen lassen, damit sie irgendwann von selbst erkennen, dass sie auf dem Holzweg waren.

  5. 5.

    @Tamara,

    nun kann ich es durchaus verstehen, wenn Gleichgesinnte sich gegenseitig zuklatschen, doch dass ändert nichts an der Tatsache der subjektiven Anmaßung eines Einzelnen zu meinen, er wüsste was das Beste für das Volk sei, obwohl doch 8-10% der Wähler das offensichtlich anders sehen. Eine solche Perspektive darf wohl durchaus als bevormundende Gesinnung bezeichnet werden. Dies von mir zu benennen berechtigt Sie meines Erachtens weder zu der Unterstellung einer Pegida-Anhängerschaft noch zu Aussage, damit würde der Äußernde "angefahren".
    Etwas mehr Sachlichkeit und Nüchternheit würde ich da schon erwarten, auch thematische Sachkenntnis bezüglich der Parteiprogramme wäre nicht undienlich.
    Sollten Sie das allerdings anders sehen, dann gerne "wie Sie meinen...." ;-)

  6. 4.

    Es ist immer wieder Lustig wie AFD und Pegida anhänger ein gleich anfahren nur weil man seine Meinung sagt. Viele hier in Deutschland wollen weder AFD noch Pegida haben man sieht es ja wo die AFD jetzt steht zwischen 8-10% was nicht viel ist da dieser Partei langsam die themen ausgehen den mehr als gegen flüchtlinge und immigranten zu hetzen haben die doch nicht.

    @Sebastian T.
    Genau meine meinung.

  7. 3.

    Meinungspluralismus in der Partei oder doch eher öffentliche Meinungsmanipulation? Hatte die AfD jemals eine Bedeutung für das notleidende Schicksal der Millionen Bezieher von Grundsicherungsleistungen?

  8. 2.

    @Sebastian T.
    Sehen Sie sich dazu berufen, zu entscheiden womit unserem Land am Besten gedient wäre?
    Na dann ist ja wohl alles weitere gesagt. Ansonsten sollte man Parteien es überlassen, ihre internen Entscheidungen zu treffen und dem Wähler als Ganzes, wem er das Vertrauen zum Dienst am Lande ausspricht.

    Zum Thema selbst denke ich, dass diese Entscheidung zum Rückzug Petrys für die Partei zum Gewinn wird. Damit hat sich der Meinungspluralismus in der Partei bestätigt, etwas was zu ihrem Identitätsmerkmal gehört und in den etablierten Parteien so gut wie nicht zu finden ist. Die AfD wird vermutlich dadurch wieder zulegen in der Wählergunst.

  9. 1.

    Wie wäre es denn, wenn ganz einfach alle AfD-Leute auf eine Kandidatur verzichten würden? Damit wäre unserem Land eigentlich am meisten gedient.

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