Haus, in dem Konrad Adenauer in den 30er Jahren in Potsdam wohnte (rbb / Amelie Ernst)
Audio: rbb | 19.04.2017 | Amelie Ernst

Zum 50. Todestag - Adenauer hat jetzt einen Platz in Potsdam

Auch in Potsdam gibt es jetzt einen Konrad-Adenauer-Platz - seit Mittwoch, pünktlich zum 50. Todestag des ersten Kanzlers der Bundesrepublik. Der wohnte in den 30er Jahren in der Nähe. Doch vor allem die Linke kritisiert die Umbenennung scharf. Von Amelie Ernst

Bisher hat die kleine Rasenfläche zwischen Rosa-Luxemburg-, Robert-Koch- und Domstraße in Potsdam-Babelsberg vor allem eine Bedeutung: zwei Container für Braunglas, zwei Container für Weißglas und einer für alte Kleider.

Edith Neunast wirft hier regelmäßig etwas ein - auf dem bisher namenlosen Rasen, der ab sofort Konrad-Adenauer-Platz heißen soll. "Konrad Adenauer war so ein toller Mensch", erklärt sie. "Das war doch ein profilierter Mann – warum denn nicht?", meint Neunast zur Umbenennung.

Christian Wienert, die Linke, Mitglied des Kreisvorstandes Potsdam (Quelle: rbb/Amelie Ernst)
Christian Wienert, die Linke, Mitglied des Kreisvorstands im Kreisverband Potsdam

"Peinlich für den 'größten Kanzler aller Zeiten'?"

Knut Kusche dagegen ist noch völlig ahnungslos: ein Adenauer-Platz - hier? "Keine Ahnung", sagt er. "Ich bringe nur meine Gläser und Flaschen hierher." Von ihm aus könne der Ort auch Willy-Brandt-Platz heißen, er habe kein Problem damit, so Kusche.

Ein Problem haben allerdings die Potsdamer Linken mit dem Adenauerplatz: ausgerechnet neben der Rosa-Luxemburg-Straße und in Sichtweite der Karl-Marx-Straße. Alles kein Zufall – da ist sich Linken-Politiker Christian Wienert sicher. Er denke, dass die Nähe zu den beiden Straßen mit dazu beigetragen habe, "dass die CDU dort einen Pflock in den Boden rammen möchte und die Stadt sozusagen auch im Namen der Straßen verändern möchte", sagt Wienert. "Wobei der kleine Platz vielleicht auch ein bisschen peinlich ist für den 'größten Kanzler aller Zeiten'."

Adenauer als Widerstandskämpfer?

Das findet Götz Friederich von der Potsdamer CDU ganz und gar nicht. Jahrelang hat er sich vergeblich um die Benennung des Platzes bemüht – nun endlich der Erfolg. "Es ist der richtige Ort." Denn das Haus Rosa-Luxemburg-Straße 40, in dem Konrad Adenauer in den Jahren 1933 und 1934 gewohnt habe, sei in Sichtweite. Gelebt habe Adenauer darin "zu einer Zeit, als er einen Rechtsstreit vor dem Kammergericht Berlin gegen das – ich sag mal – gerade frisch gewählte Nazi-Deutschland geführt hat, um sich noch einmal rechtsstaatlich gegen das Nazi-Regime durchzusetzen", erklärt Friederich.

Adenauer hatte 1937 erfolgreich die Nachzahlung seiner vollen Pension erstritten, die ihm die Nationalsozialisten jahrelang verweigert hatten. Hintergrund war unter anderem das Verhalten Adenauers gegenüber den Nazis: Im Februar 1933 ließ der damalige Oberbürgermeister Kölns Hakenkreuzfahnen von der Deutzer Brücke entfernen, als Adolf Hitler als frisch gebackener Reichskanzler die Stadt besuchen wollte. Anschließend musste er aus dem Amt fliehen – in den darauf folgenden Jahren lebte er unter anderem in Potsdam-Babelsberg.  

Adenauer ein Widerstandskämpfer? Von wegen, sagt Linken-Politiker Wienert, selbst Geschichtslehrer. Und auch das deutsch-deutsche Verhältnis habe Adenauer nicht gerade verbessert. "Irgendwo zu wohnen ist ja noch keine Leistung an sich." Und mittlerweile seien die meisten Historiker der Meinung, die Politik Adenauers habe die Spaltung der beiden deutschen Staaten eher vertieft als verringert.

Götz Friedrich, Stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtbezirksverbands Potsdam-Babelsberg steht auf dem zukünftigen Konrad-Adenauer-Platz (Quelle: rbb/Amelie Ernst)
Götz Friedrich, Stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtbezirksverbands Babelsberg

Klarer Wunsch der Anwohner

Rosa Luxemburg und Karl Marx hätten aber auch nichts für Potsdam oder für die deutsche Wiedervereinigung getan, entgegnet da Adenauer-Fan Götz Friederich.

An einem Punkt sind sich Adenauer-Fans und -Kritiker in Potsdam jedoch wieder einig: Vielleicht sollte es künftig klarere Kriterien für den Benennung von Straßen und Plätzen geben. Für einen spannenden politischen Diskurs sei es immer wünschenswert, wenn alleine Straßennamen zu einer Diskussion führten, findet CDU-Mann Götz Friederich. Und sein Linken-Kollege Christian Wienert betont: "Sich für die Zukunft ein Konzept zu geben, halte ich für sehr wichtig." Außerdem sollten Anwohner in den Prozess mit einbezogen werden.

Diese haben zum aktuellen Fall bereits bekundet: Die Glascontainer, die sollten bleiben. Zur Einweihung am Mittwoch waren diese allerdings verschwunden.

Beitrag von Amelie Ernst

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8 Kommentare

  1. 8.

    Schon im früheren Westteil Berlins werden Sie mit Letztgenanntem scheitern, wo in Neukölln nicht nur eine Karl-Marx-Straße, sondern zugleich ein U-Bahnhof des gleichen Namens existiert. Die haben sich "ihren" Marx einfach nicht von der DDR wegnehmen lassen.

    In der Tat ist das geistige Erbe von Karl Marx zwiespältig. Ein hervorragender Wirtschaftsanalytiker, wie es m. E. bislang keinen besseren gibt und zugleich doch auch sehr befangen und selbsteingesperrt in die damalige Zeit, die glaubte, dass Veränderungen zuallererst mit der Wucht der Wissenschaft herbeigeführt werden müssten, allenfalls ein Veränderungswille eben nicht zähle.

    Als Wirtschaftsanalytiker und als Theoretiker, der gleichrangig Platz findet neben anderen Theoretikern, hat Karl Marx zweifellos die Ehre von Straßennamen verdient. Seine Anhänger, die aus seiner Theorie eine unumstößliche Wissenschaft bis zum heutigen Tag machen, keineswegs. Das ist Denken des ausgehenden 19. Jhs.

  2. 7.

    Irgendwie eine befremdliche Diskussion der Benennungsgegner ... Anscheinend sind die Demokratiefeinde Luxemburg und Liebknecht völlig o.k. ... Weshalb setzt man sich nicht ein, deren Straßennamen zu ändern?

  3. 6.

    Dem alten West-Berlin wird man kaum kommunistische Sympathien nachsagen können, aber auch da war Adenauer unbeliebt. Kurz nach seinem Tod Ende der 1960er Jahre sollte ja der Charlottenburger Kaiserdamm in "Adenauerdamm" umbenannt werden. Es gab massive Proteste dagegen, die schon vollzogene Umbenennung wurde rückgängig gemacht. Die Straße heißt noch heute Kaiserdamm. Der Adenauerplatz am Kudamm ist dann als Ersatz nach ihm benannt worden. Der Grund für den unmut war, dass Adenauer sich nach Ansicht der West-Berliner eben nicht für Berlin und die deutsche Einheit eingesetzt hatte.

  4. 5.

    Ein gutes Zeichen. Adenauer war ein Demokrat und hat die alte Bundesrepublik in die Völkerfamilie zurückgeführt. Die DDR hat dies immer als ein Dorn gesehen. Ein großer Deutscher und besser als die die dümmliche Diskussion in Jena um die Wiederaufstellung des geistigen Täters Karl Marx.

  5. 4.

    Immerhin wird eine Straße nach einem Demokraten benannt, Vorbild für weitere ostdeutsche Städte, bei denen es an entsprechende Personen in der Straßenlandschaft mangelt ...

  6. 3.

    Wenn es ein Weizsäcker sein soll, dann eher Karl-Friedrich.

    Zu Richard v.W. siehe: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13487619.html
    ""Mit großer Betroffenheit" habe er erst Jahre nach seiner Tätigkeit bei Boehringer von Agent Orange erfahren, sagt Richard von Weizsäcker, damals Geschäftsführer und Mitinhaber"

  7. 2.

    Gleich, ob tatsächliche Vereinigung - die es nicht war - oder aber Beitritt, der es tatsächlich war: Wenn schon Adenauer, dann eben diesen kleinen Platz mit wirklichem Bezug zu ihm. Dass da künftig Weiteres umbenannt werden soll, wie es Gruppierungen der Partei Die Linke sehen, halte ich allerdings für hergeholt.

    Für eine Willy-Brandt-Straße oder einen Willy-Brandt-Platz, der für die Öffnung und letztlich Aufweichung der starren Verhältnisse im Innern und gegenüber einander wesentlich mehr getan hat, hat es bislang in Potsdam nicht gereicht und auch gegenüber Richard von Weizsäcker, dem zunächst Teilrepubliks-Präsidenten und dann gesamtdeutschen Bundespräsidenten, hat es gleichfalls noch nicht gereicht.

    Insofern: Ich finde die Benennung gut, sie liegt am richtigen Ort und der kleine Platz ist vollkommen angemessen.

  8. 1.

    Im Prinzip ist es doch ganz einfach: Die DDR ist der Bundesrepublik beigetreten. Konrad Adenauer hat in Deutschland nach dem Krieg die entscheidenden Weichen für Frieden, Freiheit und Wohlstand gestellt. Dafür sollten wir ihm bis in alle Ewigkeit dankbar sein. Die Linken müssen einfach mal einsehen, dass sie mit ihrem Gesellschaftskonzept verloren haben und heute in Deutschland nur noch eine Nebenrolle spielen. Auch wenn sie leider in Brandenburg mal wieder an der Regierung beteiligt sind, was schon schlimm genug ist. In Berlin ist es sogar noch schlimmer.

    Von daher: Konrad Adenauer hat mehr Straßen und Plätze verdient als Karl Marx und Rosa Luxemburg.

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