Die Fassade von BND-Gebäude in Berlin-Mitte (Quelle: rbb/Robin Avram)
Audio: Inforadio | 19.05.2017 | Anke Michel

Nebenstelle in Lichterfelde bleibt - Riesiger BND-Neubau ist schon wieder zu klein

35 Fußballfelder groß ist der BND-Neubau in Berlin-Mitte - aber wegen vieler neuer Stellen ist das Mammutgebäude für den Geheimdienst schon wieder zu klein. Deshalb behält der BND nun seinen alten Standort in Lichterfelde. Mit kostspieligen Folgen. Von Robin Avram

Der Bundesnachrichtendienst (BND) wird offenbar nicht wie geplant mit allen Mitarbeitern in die große neue Zentrale in Berlin-Mitte ziehen, sondern auch weiterhin das Dienstgebäude in Berlin-Lichterfelde nutzen. Das geht aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums an die Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Gesine Lötzsch (Linke) hervor, das rbb|24 vorliegt.

Linken-Politikerin wird "angst und bange"

"Der BND beabsichtigt, die Liegenschaft in Berlin-Lichterfelde weiter zu nutzen", heißt es wörtlich in dem Schreiben. Lötzsch kritisiert diese Plan-Änderung scharf: "Wenn die BND-Spione genau so schlecht arbeiten wie die Verwaltung, kann einem angst und bange werden."

Grund für die neue Planung ist, dass der BND wegen der Terrorbekämpfung und der Ukraine-Krise von 4.000 auf 4.400 Mitarbeiter aufgestockt wird. Die zusätzlichen Stellen konnten bei den Planungen für das 35 Fußballfelder große Mammutgebäude an der Chausseestraße nicht berücksichtigt werden.

Anstatt den größten Neubau Deutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg zu erweitern - das wäre architektonisch wohl machbar - behält der BND nun offenbar einfach seinen zweiten Standort in Berlin-Lichterfelde. Schließlich sind die Kosten für den Neubau ohnehin schon von 720 Millionen auf 1,086 Milliarden geklettert.

Gebäude in Lichterfelde ist über 130 Jahre alt

Auf Anfrage von rbb|24 teilt der BND dazu mit, er prüfe aktuell räumliche Unterbringungsmöglichkeiten für die zusätzlichen Mitarbeiter. "Eine Entscheidung liegt hierzu noch nicht vor." Alle weiteren Nachfragen lässt der Geheimdienst unbeantwortet.

Am Standort in Lichterfelde nahe dem S-Bahnhof Botanischer Garten arbeiten seit dem Jahr 2003 rund 1.000 BND-Mitarbeiter. Viele davon in einem hübschen Gebäude in rot geziegelter norddeutscher Backsteingotik. In der rund 130 Jahre alten "Kaserne des Garde-Schützen-Bataillons" residierten bereits preußische Soldaten, ein Reichswehr-Schützen-Bataillon, ein Bataillon der US-Streitkräfte und die Bundeswehr.

Bevor der BND einzog, wurden die Kasernen modernisiert, zudem ein dreigeschossiges Lage- und Informationszentrum im nüchternen Stil neu gebaut. Auf den ersten Blick erscheint es deshalb kostenbewusst, sollte der BND hier bleiben - zumal die unauffälligen Geheimdienstler auch von Anwohnern als ruhige Nachbarn geschätzt werden.

Die Gardeschützenkaserne in Berlin-Lichterfelde (Quelle: Wolfgang Bittner / Landesdenkmalamt Berlin)
Diesen Standort in Berlin-Lichterfelde wollte der BND eigentlich aufgeben, behält ihn nun aber offenbar doch.

BKA prüfte, die BND-Kaserne zu übernehmen

Allerdings hatte laut Bundesfinanzministerium das Bundeskriminalamt (BKA) ein Auge auf die BND-Kaserne geworfen. Denn auch das BKA mit Sitz in Wiesbaden bekommt 1.000 neue Mitarbeiter und wusste nicht, wohin mit ihnen. Doch anstatt die Kaserne vom BND zu übernehmen, kaufte der Bund dem BKA nun eine Liegenschaft an der Puschkinallee, die bisher von Vattenfall genutzt wurde.

Kostenpunkt laut internem Schreiben: 180 Millionen Euro. Das Büro von Gesine Lötzsch (Linke) deutet diese Spendierfreude als Zeichen dafür, dass der Bund gewillt ist, sehr viel Geld für die Terrorbekämpfung auszugeben. Götzsch wörtlich: "Es zeigt, da sind alle Schleusen geöffnet worden."

Beitrag von Robin Avram

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Vorher nicht absehbar, wie viel Personal benötigt wird. Alles nicht so einfach so eine Planung wenn die Gebäude größer geworden würde ,wäre auch rumgemeckert!

  2. 4.

    Ist doch in Ordnung. Jeder gut bezahlte Arbeitsplatz ist gut für die Stadt. Wenn ein Unternehmen wächst, muss es auch seine Räumlichkeiten erweitern...

  3. 3.

    Aha. "Unehrenhafte Geschäfte". Sehr konkret... .

  4. 2.

    Kann sich noch jemand erinnern, wie nach der Wende Journalisten durch "die großen luxuriösen Ministerien, Stasigebäude usw." gezogen sind und welche Kommentare dazu gefallen sind? Ich hätte nie gedacht, das es noch schlimmer werden kann, und es kam schlimmer!

  5. 1.

    Ist doch klar, warum der BND-Laden schon wieder zu klein ist. In den Kellern stappeln sich die Geheimdienstleichen und die benötigen zuviel Platz. Anstatt mit unehrenhaften Geschäften Schluß zu machen, wird einfach angebaut.

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