In der Nacht zum 19.05.2017 sollen Flüchtlinge, darunter Kinder, vor dem ehemaligen Rathaus Wilmersdorf übernachtet haben. Sie protestieren gegen die Bedingungen in der Notunterkunft in dem Gebäude. (Quelle: privat)
Video: Abendschau | 19.05.2017 | Vanessa Kockegei

Bettwanzen und Hygienemängel - Flüchtlinge protestieren weiter vor Rathaus Wilmersdorf

Bettwanzen in mehreren Zimmern, Gewalt gegen Bewohner durch Security-Mitarbeiter - mehrere Dutzend Flüchtlinge protestieren weiter gegen die Zustände in der Notunterkunft im Rathaus Wilmersdorf. Der Heimleiter bezieht nun Stellung zu den Vorwürfen.

Vor dem Rathaus Wilmersdorf campierten am Freitagvormittag weiterhin mehrere Flüchtlingsfamilien - aus Protest gegen die Zustände in der Notunterkunft. Sie fordern den Umzug in ein anderes Heim, weil die Hygiene schlecht sei. Zudem habe die Security Gewalt gegen Bewohner ausgeübt. Qasem Rezai aus Afghanistan, der mit seiner Frau und seinen sechs Kindern in der Unterkunft lebt, sagte dem rbb: "In den Zimmern gibt es Bettwanzen. Die Kinder können nicht schlafen. Die Security schlägt die Menschen."

Der Verein "Moabit hilft", betreut nach Angaben von Sprecherin Diane Henniges inzwischen sechs Flüchtlingsfamilien aus dem Heim. Der Verein hatte die Vorwürfe nach einer Begehung der Notunterkunft bereits am Donnerstag erhoben. "Einige Bewohner haben bedrohliche Erkrankungen wie Diabetes und Darmblutungen, sie hätten schon längst einen anderen Platz bekommen müssen", sagte Henniges rbb|24. Ein anderer Bewohner habe nach einer Auseinandersetzung mit Security-Mitarbeitern zwei Tage lang im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Die Heimleitung habe die Hygienemängel nur halbherzig beseitigt, zudem gebe es zu rigide Vorschriften, die fast zwangsläufig zu Konflikten führten.  

Viele Bewohner haben eigentlich Anspruch auf einen anderen Platz

Der Leiter der vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) betriebenen Unterkunft, Stefan Wesche, nahm dem rbb gegenüber Stellung zu den Vorwürfen. Er äußerte Verständnis für die Frustration der Bewohner, weil sie teilweise schon seit anderthalb Jahren in der Notunterkunft leben müssten. Vor allem die anerkanntem Asylbewerber seien frustriert, weil sie eigentlich einen Anspruch auf einen Platz in einer Gemeinschaftsunterkunft hätten. Viele hätten mangels Kapazität aber bislang nicht umziehen können. "Es steht außerhalb unserer Macht, ihnen einen neuen Platz zuzuweisen" sagte Wesche.  

Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) sagte dem rbb dazu, dass nun zumindest jene Bewohner umziehen dürften, deren Zimmer von Bettwanzen befallen sind. "Es gibt jetzt die Verständigung, dass diese Familien woanders untergebracht werden", so Breitenbach wörtlich.

Der ASB teilte dem rbb dazu etwas anderes mit: "Die Bewohner, deren Zimmer von Bettwanzen befallen sind, bekommen ein neues Zimmer innerhalb der Unterkunft zugewiesen, während die Zimmer desinfiziert werden." Es sei dabei laut dem Heimleiter in großen Unterkünften fast unvermeidlich, dass es Bettwanzen-Befall gebe. Das bestreitet auch Moabit hilft-Sprecherin Diane Henniges nicht. Sie bleibt aber dabei: "Es ist nicht akzeptabel, die Bewohner nur innerhalb des Heimes umziehen zu lassen. Sie müssen einen Platz in einer anderen Unterkunft bekommen."

Leiter räumt einen Gewaltvorfall ein

Einen Gewaltvorfall räumte der Heimleiter Stefan Wesche gegenüber dem rbb ein. Es treffe zu, dass ein Kind von einem Security-Mitarbeiter geschubst worden sei, weil es einen verbotenen Bereich betreten wollte. "Wir haben mit dem Security-Dienstleister geredet und gesagt, dass es keinesfalls Gewaltanwendung gegen Kinder geben darf. Ich fand den Vorfall aber nicht so gravierend, dass der betreffende Mitarbeiter suspendiert werden musste," so Wesche wörtlich. Die Mitarbeiter würden regelmäßig Deeskalationstrainings besuchen und verrichteten eine gute Arbeit.

Wesche bestätigte zudem, dass ein Bewohner nach einer Auseinandersetzung mit Security-Mitarbeitern im Krankenhaus behandelt werden musste. "In dem Fall war es so, dass ein Familienvater aggressiv geworden ist, weil seine Tochter kein Essen aus der Kantine mitnehmen durfte. Dies ist eine Vorschrift, um Schädlingsbefall in den Zimmern zu verhindern." Der Vater habe schließlich die Security angegriffen und sei von dieser zu Boden gedrückt worden. "Dabei hat er leichte Verletzungen erlitten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten". Die Polizei sei über den Vorfall informiert worden.

Diane Henniges sagte dazu, dass die rigide Vorschrift, kein Essen auf das Zimmer mitzunehmen, in der Unterkunft immer wieder zu Konflikten führe. Diese Vorschrift gebe es in anderen Unterkünften nicht. "In dem Fall ist der Vater deshalb agressiv geworden, weil sein Kind wegen der Stiche der Bettwanzen erkrankt war und deshalb nicht in der Kantine essen konnte", sagte Henniges.

Flüchtlinge wollen weiter protestieren

Am Donnerstagnachmittag hatte es ein Gespräch zwischen Heimbewohnern, dem Leiter der Unterkunft, Diane Henniges von "Moabit hilft" und einem Mitarbeiter des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) zu den Zuständen in der Unterkunft geben. Diese Gespräche bezeichnete Henniges als "gescheitert", auch der ASB-Heimleiter berichtete, dass es aufgrund der Frustration der Flüchtlinge schwer gewesen sei, Lösungen zu erarbeiten. Der ASB arbeite nun daran, die Zustände im Heim weiter zu verbessern.

Den Geflüchteten vor der Notunterkunft reicht das offenbar nicht. Sie wollen nun vorerst weiter protestieren, wenn sie keine neue Unterkunft zugewiesen bekommen.

Mit Informationen von Miriam Keuther (RadioBERLIN 88,8)

Sendung: Abendschau, 19.05.2017, 19:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

19 Kommentare

  1. 19.

    Tja, die Frustration der Flüchtlinge ist nachvollziehbar, wenn man sich klar macht, dass trotz anerkanntem Flüchtlingsstatus die Hälfte der Sozialleistungen vom Jobcenter nicht ausgezahlt, sondern an die Notunterkunft gezahlt wird (wegen vermeintlicher Vollverpflegung, die dann nur im Speisesaal verzehrt werden darf). Das sind pro Familie ca.360 Euro monatlich. Die Kosten für die Unterkunft werden natürlich noch zusätzlich abgerechnet. Erklärt das vielleicht auch, warum die Notunterkünfte in Berlin (als einzigem Bundesland) immer noch 12000 Flüchtlinge "verpflegen" trotz großem Anteil von Personen mit positiv abgeschlossenem Asylverfahren ?
    Für den erzwungenen Verzicht auf die monatlichen Mindestlebenshaltungskosten darf ein Flüchtling wohl eine angemessene Behandlung von Mitarbeitern vom Träger UND externen Dienstleistern einer NUK erwarten.

    Man kann den Menschen nur wünschen, dass die Verantwortlichen endlich für angemessenen Wohnraum für (alle) Sozialleistungsbezieher sorgen.

  2. 18.

    Die Zimmer werden dort sauber gehalten!Das wird auch regelmäßig kontrolliert.Nicht jeder der dort lebt ist asozial.Man kann dort sehr schnell aus den unterschiedlichsten Gründen landen.Und zufälligerweise weiß ich von den betreffenden Herren,das sie trotz ihrer Situation wert aus Sauberkeit und Hygenie legen.Aber nun ja,,,gängige Meinung.Wer dort lebt kann nur der letzte Penner sein....

  3. 16.

    warum machen die Leute ihre Unterkünfte nicht selber sauber? zeit haben sie doch.

  4. 15.

    In diesem Heim machen viele Leute einen guten Job. Glaubt man denn wirklich, dass es zu keinen Konflikten kommt, wenn 1000 Menschen verschiedenster Herkunft so lange auf engem Raum zusammen leben, nur Kantinenessen bekommen u kaum Beschäftigung haben? Kann sich jemand vorstellen, was es für die Menschen, die dort arbeiten, heißt, täglich kleine und große Sorgen lösen und ständig deeskalierend wirken zu müssen? Einach zu verurteilen und anzugreifen, als Verein "Moabit hilft" und als Presse ist einfach nicht fair. Hier will man schädigen, Macht demonstrieren, warum auch immer....Eine solche "Hilfe" hilft keinem. Oder möchten die, die hier verurteilen, die Flüchtlinge aufnehmen? Gibt es einen konstruktiven Vorschlag für Wohnraum? Die Flüchtlinge sind nicht die einzigen, die auf der Suche nach Wohnraum sind...

  5. 14.

    Es ist unerträglich, wie hier Rechtsextreme gegen Geflüchtete hetzen. Als hätte es mit Undankbarkeit zu tun, nicht in menschenunwürdigen Massenunterkünften untergebracht werden zu wollen - und das im reichen Deutschland. Einige der Kommentatoren haben scheints noch nie das GG gelesen und verstanden - Menschenwürde und -rechte, wozu...?

    Den Vergleich mit den (Groß-)Eltern der "Biodeutschen" halte ich deswegen für unangebracht, weil niemand der Geflüchteten am Beitrag zum Mord und Todschlag an rund 60 Millionen Menschen beteiligt war - anders als die achso "fleißigen" und strebsamen Deutschen.

    Und für die Hetzer*innen: Bettwanzen, genauso wie Schaben oder auch Läuse haben nichts, aber auch gar nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Gerade Bettwanzen sind international auch in vielen Hotels etc. ein großes Problem und immer schwieriger zu bekämpfen, da ihre Resistenzen gegen chemische Mittel mit deren steigendem Einsatz bei den überlebenden Tieren ebenfalls steigen.

  6. 13.

    Den Medien ist zu entnehmen, dass die Herrschaften im eigenen Land viel einfacher leben. Wo sind da wohl die Toiletten? Wird Müll auch aus dem Fenster geworfen? Putzen die Nachbarn? Das Adlon können wir im Augenblick nicht bieten.

  7. 11.

    Dann haben Sie meinen Kommentar nicht richtig gelesen oder verstanden. Das Gegenteil ist der Fall! Ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass unseren Eltern und Großeltern nichts in den Schoß gelegt wurde. Wir hatten auch nicht "alles auf einmal", sondern wir haben, meine Generation auch, uns alles hart erarbeiten müssen und waren mit dem zufrieden, was wir bekamen. Wobei Anstand, Erziehung und Bildung eine große Rolle gespielt haben.

  8. 10.

    Warum soll man das nicht vergleichen können? Was ist daran Verrat? Menschen die vorm brutalen Krieg flüchten. Heute wie damals. Bei der Deutschen Bevölkerung unbeliebt. Heute wie damals. Und benehmen wie hier einige schreiben könnten sich die Flüchtlinge genau so wenig wie die Bevölkerung im Reich. Diebstahl und Raub waren 1945 an der Tagesordnung unter den Deutschen. Widerlich was sie schreiben, Ronny.

  9. 9.

    In einem Männerwohnheim in Lichtenberg waren monatelang Bettwanzen!Die Bewohner mußten immer wieder die Zimmer mit einer unbekannten Chemikalie aussprühen.Es gab nur die Wahl "Sprüh oder leb auf der Straße".

  10. 8.

    Wollen Sie unsere Großeltern mit mit denen vergleichen die hier bei uns sich ausruhen? Das ist verrat! Unglaublich!!!!!!!

  11. 7.

    Ja das stimmt denen ist es noch viel länger sehr schlecht gegangen
    Das hätte Frau Merkel aber auch anders formuliert müssen .
    Wir schaffen das ist theoretisch eben anders als praktisch.
    Jetzt sind betroffen natürlich enttäuscht.
    Solange wie unsere Gesellschaft es noch nicht mal schafft ,dass kein Rentner Flaschen sammeln muss und Alleinerziehende am Rande der Existenz leben müssen. Für Obdachlose nicht genügend Unterkünfte da sind.
    Dürfte das leider sehr schwer sein.

  12. 6.

    Nein, nicht vergessen aber damals hat man keine hohen Ansprüche gestellt, könnte sich anständig benehmen und kriminell zu werden, lag in weiter Ferne. Und..... gearbeitet, damit es besser wird, hat man auch. Kleiner Unterschied?

  13. 5.

    Es gibt ja auch die Möglichkeit der sofortigen Rückreise in die Heimat. Würde "Moabit hilft" dabei auch behilflich sein! Die Tante da kennen wir ja inzwischen und ihre Forderungen ebenso.

  14. 4.

    Möchte auch nur einer dieser zynischen Kommentarschreiber in einer derartigen Unterkunft so lange mit seiner Familie leben? Haben die alle vergessen, dass viele ihrer Groß- und Urgroßeltern auch Flüchtlinge in Deutschland waren?
    Nachdem der große Flüchtlingsansturm nun schon so lange vorbei ist, sollten wir doch menschenwürdige Wohnverhältnisse anbieten können - ansonsten ist es beschämend!

  15. 3.

    Sie werden schon noch Ihre 6 Zimmer Luxus Wohnung bekommen inkl. Einbauküche,ist bestimmt schon in Arbeit ?? Wetten ???Sollten vielleicht auch Deutsche Groß Familien solche Aktionen machen, aber die zahlen lieber über 1000.- Miete oder sind seit Jahren vergeblich auf der Suche nach Wohnungen.So kommen bestimmt Vorurteile bei den Bürgern denn angeblich sollen ja alle gleich behandelt werden.

  16. 2.

    Ich kann es nicht mehr hören - Flüchtlinge: protestieren / demonstrieren / fordern / haben Anspruch auf.....
    Ich wohne in NRW und wir haben mehr als genug von diesen "Schutzsuchenden" in den Innenstädten glaubt man nicht mehr in Deutschland zu sein. Leider muss ich immer wieder feststellen, dass Erziehung bei denen ein Fremdwort und den Eltern ist es völlig egal. Da kann man schon mal aus der Haut fahren und wenn Kinder in bestimmte Bereiche nicht rein dürfen, hat es ja auch ihrer Sicherheit zu tun. Wenn man Bilder von anderen Unterkünften sieht, wo sich Lebensmittelabfälle türmen, oder einfach aus dem Fenster geworfen werden und so die Ratten angelockt werden, kann man diese Vorschriften nur zu gut verstehen. Wenn der Vater sich bei der Leitung gemeldet hätte und hätte darum gebeten, dass sein Kind ausnahmsweise mal im Zimmer essen dürfte, wäre das ganz bestimmt möglich gewesen.

  17. 1.

    Können die auch mal was anderes, als sich dauernd beschweren?
    die sollen mal froh sein, daß die hier in Sicherheit sind, ich kann es nicht mehr hören!

Das könnte Sie auch interessieren