Rotes Rathaus im Sonnenaufgangs-Licht. (Quelle: imago/PEMAX)

Daten zum Öffentlichen Dienst Berlin - Wenn nichts geschieht, droht Personalnotstand

Wachsende Stadt und überalterte Verwaltung - das ist eine prekäre Kombination für eine effektive Verwaltung. Und dass die ganz große Pensionierungswelle eigentlich noch bevorsteht, zeigen die Daten sehr deutlich.  

Berlins Anziehungskraft hält an: Immer mehr Menschen wollen in der deutschen Hauptstadt wohnen. Im mittleren Szenario prognostiziert die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, dass 2030 3.828.200 Menschen in Berlin leben werden. Da sind fast 200.000 mehr als heute. Hält der Hauptstadtboom weiter an oder kommt es wieder zu einer unvorhergesehenen Flüchtlingswelle, könnte die Zahl noch schneller steigen.

Schon jetzt ist die Berliner Verwaltung überlastet. Egal ob bei den Grünflächenämtern, im Regionalen Sozialen Dienst, im Rettungsdienst oder bei den Bürgerämtern - überall gibt es Personalmangel. Denn in den vergangenen 14 Jahren wurden in der öffentlichen Verwaltung tausende Stellen gestrichen.

2003 gab es in der Landes- und Bezirksverwaltung noch fast 137.000 Vollzeitstellen (Vollzeitäquivalente). Mittlerweile sind es 30.000 weniger, wie sich aus der Grafik ablesen lässt. Der größere Abschwung von 2005 auf 2006 lässt sich damit erklären, dass zu diesem Jahr die Erzieherinnen, die bis dahin direkte Landesbeschäftigte waren, in landeseigene Betriebe ausgegliedert wurden. Dabei handelte es sich um eine reine Sparmaßnahme, denn auf diese Weise musste man ihnen nicht mehr die bundesweit ausgehandelten Tariferhöhungen zahlen.

Aber auch unabhängig von der Ausgliederung der Erzieherinnen sank die Anzahl der Beschäftigten bis 2014 kontinuierlich weiter ab. Seit 2015 geht es wieder leicht aufwärts – vor allem in der Hauptverwaltung gab es Zuwachs. Seit 2017 zeigt sich auch in den Bezirken wieder ein leichtes Plus.  

Im gleichen Zeitraum ist aber die Einwohnerzahl Berlins um fast 300.000 Menschen angewachsen. Das heißt: Immer weniger Landesbedienstete kümmern sich um immer mehr Berliner. Arbeiteten 2003 in Bezirk und Land noch rund 40 Landesbedienstete pro 1.000 Bewohner, sind es mittlerweile nur noch knapp 30.

Vollzeitäquivalente - was ist das eigentlich?

In der von der Senatsverwaltung für Finanzen vorliegenden Statistik wird an vielen Stellen von "Vollzeitäquivalente" geschrieben. Diese Zahl ist deshalb aussagekräftiger als die Anzahl von Beschäftigten, da eine volle Stelle auch von zwei Menschen besetzt werden kann, die jeweils halbtags arbeiten.

Auf Berlin rollt eine Pensionierungswelle zu, die die Stadtverwaltung in einigen Bereichen blockieren könnte.  

Dieser Verlust an Personal wird nicht ohne Folgen bleiben. Ob Schule, Polizei oder Finanzamt, viel Wissen könnte verloren gehen, wenn der Nachwuchs ausbleibt.

Das Problem betrifft alle Berliner Bezirke. Am schwierigsten wird die Situation in Marzahn-Hellersdorf. Dort geht über ein Drittel der Beschäftigten in Rente. Schwierige Zeiten für das Planungs- und Bauamt breche an - ebenso wie für den sozialpädagogischen Dienst im Jugendamt.

Mittlerweile schreibt das Land viele Stellen aus, doch es gibt ein massives Problem, Personal zu finden. Die Bewerberzahlen sind dramatisch gesunken. Vor allen Dingen Ingenieure, Lehrer, Ärzte und IT-Fachkräfte wollen nicht in die Verwaltung. Die Bezirke sind besonders stark betroffen, weil die Bezahlung niedriger ist als im Landesdienst und bei den Bundesbehörden.

Nun wurde bekannt, dass es mehr Geld für die Bezirke geben soll. In den Haushalt 2018 werden 60 Millionen Euro für 1.253 Stellen eingestellt. Ob aus den Millionen wirklich Beschäftigte werden, wird sich zeigen. Der Haushalt muss auch erst im Abgeordnetenhaus verabschiedet werden.

Der Rot-rot-grüne-Senat hat die Trendwende beschlossen, so steht es im Koalitionsvertrag: Mehr Personal soll es in den Senats- und Bezirksverwaltungen und bei der Polizei geben. Die Frage ist nur, ob die Nachbesetzungen gelingen und ob das Personal ausreicht, um mit dem Wachstum der Stadt mitzuhalten.

Besonders drastisch ist der Personalverlust in den Berliner Bezirken. Hier werden in den kommenden fünf Jahren fast 30 Prozent der Stellen frei. Die Wiederbesetzung  gestaltet sich schwierig: Nach Informationen der Senatsverwaltung für Finanzen konnten im vergangenen Jahr nur für 80 Prozent der Stellen Personal gefunden werden.

Deutlich wird das zum Beispiel bei den Jugendämtern. So werden dringend  Sozialarbeiter gesucht, die Familien unterstützen und in Konfliktfällen beraten, oder auch frühzeitig auf Fälle von drohender Kindesvernachlässigung oder Misshandlung von Schutzbefohlenen aufmerksam machen. 126 Stellen konnten landesweit nicht besetzt werden.