Symbolbild Imam (Quelle: dpa/Rainer Jensen)

Berliner Humboldt-Universität - Theologien-Fakultät auch wegen Islam-Beirats umstritten

Um das geplante Institut für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität tobt offenbar ein akademischer Streit. Seit die Gründung Anfang des Jahres in Angriff genommen wurde, könnten sich die Verantwortlichen "vor gut gemeinten Ratschlägen von außen kaum retten", schreibt der Gründungsbeauftragte, der Historiker Michael Borgolte, im "Tagesspiegel" vom Sonntag. Als Beispiel nannte er die umstrittene Besetzung des Institutsbeirats.

Die Berliner CDU kritisiert, dass dort keine Vertreter des liberalen Islam einbezogen sein sollen. Borgolte räumte ein, dass der Senat die Sitze mehrheitlich konservativen muslimischen Verbänden zuerkannt hat. Der Gründungsbeauftragte verteidigte dies mit dem Argument, dass Absolventen des Islam-Instituts von den Moscheegemeinden akzeptiert werden sollen.

Der 69-Jährige beklagt insgesamt eine "überhitzte Debatte" von christlicher und muslimischer Seite in den vergangenen Monaten. Dazu zählt er auch den Vorschlag einiger Berliner evangelischer Theologie-Professoren von der Humboldt-Universität, statt eines Instituts gleich eine große Fakultät der Theologien unter Einbeziehung von Protestanten, Muslimen, Juden und Katholiken zu gründen.

Islamisches Institut ist "praktizierte Religionsfreiheit"

Zwar seien die Protagonisten dieser Idee wegen juristischen, administrativen und theologischen Bedenken unverkennbar in die Defensive geraten, schreibt Borgholte. Jetzt eröffne aber der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Harry Harun Behr eine neue Front mit dem Vorschlag, das Institut und die islamische Theologie an der Schnittstelle von Religion, Bildung, Migration, Gender-, Gewalt- und Rassismus-Forschung anzusiedeln. Das sei ein "gewiss diskutabler" Vorschlag, so Borgholte. Ärgerlich sei allerdings, dass Behr behaupte, an dem Institut sollte eine "Theologie von vorgestern" praktiziert werden, ohne dass er Einsicht in die laufenden Prozesse habe.

Die Gründung des Instituts sei kein überflüssiges Privileg für die Muslime, sondern "praktizierte Religionsfreiheit", die der Staat "nach unserer Verfassung auch Muslimen zuzugestehen hat", betonte der Gründungsbeauftragte.

Im Wintersemester 2018/19 soll es los gehen

In dem Institut sollen ab dem Wintersemester 2018/19 mit fünf Professuren Imame und Islamlehrer ausgebildet werden. Das Land Berlin stellt dafür bis 2022 insgesamt 13 Millionen Euro zur Verfügung, hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) bei der Vorstellung gesagt. Die Vorgaben für das Projekt hatten Senatsverwaltungen, Hochschulen und Experten gemeinsam mit den größten muslimischen Verbänden in Berlin in einem Eckpunktepapier erarbeitet.

Das Berliner Institut für Islamische Theologie wird das sechste seiner Art in Deutschland. In Tübingen, Münster, Osnabrück, Erlangen-Nürnberg und in Frankfurt am Main gibt es bereits entsprechende Lehrstühle.

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