Eine Feuerwehr fährt am 01.08.2013 beim Musikfestival "Haltestelle Woodstock" in der polnischen Stadt Kostrzyn (Küstrin) vor. Das Festival unter dem Motto _Liebe, Freundschaft und Musik_ gehört zu den größten kostenlosen Open-Air-Rockfestivals in Europa. (Quelle: Britta Pedersen/dpa)
Video: rbb aktuell | 17.07.2107

Festival in Kostrzyn - Polnisches Woodstock muss ohne deutsche Retter auskommen

Beim Festival "Haltestelle Woodstock" im polnischen Kostrzyn sind seit Jahren auch deutsche Rettungskräfte im Einsatz. Nun wurden Feuerwehren und THW aus Frankfurt (Oder) und Berlin ausgeladen. Die Begründung erscheint vorgeschoben.

Zahlreiche Rettungskräfte aus Deutschland werden in diesem Jahr nicht beim Woodstock-Festival im polnischen Kostrzyn (3. bis 5. August) zum Einsatz kommen. Die Zentralregierung in Polen hat die Zusammenarbeit mit verschiedenen deutschen Sicherheitskräften für das diesjährige Festival an der deutsch-polnischen Grenze ausgesetzt. Das bestätigte die Feuerwehrführung in Frankfurt (Oder) Antenne Brandenburg vom rbb. Grund für die Absage seien demnach Sicherheitsbedenken.

"Das hat uns durchaus überrascht, dass es so kurzfristig kam", sagte Helmut Otto, Amtsleiter Katastrophenschutz Frankfurt (Oder), dem rbb. "Und insofern sind wir da auch etwas verunsichert." In der Analyse der Situation sollte die deutsche Seite eigentlich stärker miteinbezogen werden.

Betroffen sind neben der Frankfurter Feuerwehr auch die Berufsfeuerwehr aus Berlin sowie das Technische Hilfswerk. Die Absage kam überraschend Ende vergangener Woche per E-Mail. Zur Begründung hieß es, man könne nicht für ihre Sicherheit garantieren.

Der Polizei und Bundespolizei sowie dem traditionellen deutsch-polnischen Sanitäter-Team hingegen wurde - bisher - nicht abgesagt.

"Wollt Ihr ein Festival, an dem muslimische Migranten teilnehmen?"

Der nationalkonservativen polnischen Regierung ist das Festival schon lange ein Dorn im Auge. Bereits 2016 hatte sie Woodstock als "Veranstaltung mit erhöhtem Risiko" eingestuft. Besonders bedroht von möglichem Terror-Export aus Deutschland fühlt man sich nun seit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt - bei dem auch ein polnischer Lkw-Fahrer getötet wurde.  

Innenminister Mariusz Błaszczak von der Regierungspartei PiS warnte in einem Radiointerview: "Hinter der Westgrenze, in Berlin, gab es im Dezember letzten Jahres einen Terroranschlag, bei dem auch ein Pole ums Leben gekommen ist, der dem Terroristen heldenhaft Widerstand geleistet hat."

Hinzu kommt, dass der Veranstalter explizit Flüchtlinge aus Frankfurt (Oder) zum Festival eingeladen haben soll. Daraufhin hieß es in einem Tweet der PiS: "Wollt Ihr wirklich ein Festival auf polnischem Boden, bei dem muslimische Migranten teilnehmen?"

Bürgermeister verhalten optimistisch

Der Bürgermeister von Kostrzyn, Andrzej Kunt, ist ein Befürworter des Festivals. Kunt sagte dem rbb am Montag, er gehe davon aus, dass das Festival stattfinden werde. Im vergangenen Jahr wurde die Genehmigung für die Veranstaltung erst 14 Tage vor Beginn erteilt. Da die verschärften Sicherheitsauflagen die Kosten für das eintrittsfreie Festival hochtreiben, war vor Jahresfrist bereits über einen Umzug nach Deutschland nachgedacht worden.  

Mit Informationen von Markus Woller

Sendung: Brandenburg aktuell, 17.07.2017, 19.30 Uhr

 

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Das ist ja toll, fuer wen Sie alles sprechen koennen, Herr Reier: Sie sind offenbar ein wahrer Kosmopolit und kennen sich eh ueberall aus. Besonders mit Vorurteilen aus dem Niveau von "Kaum gestohlen schon in Polen"...
    - Mit Ihren plumpen Verallgemeinerungen duerfen Sie sich gern selbst "ausschaffen" - nach Gryfino, nach Braunau - oder auch mal nach Kostrzyn: Da koennen Sie z.B. den Buergermeister Andrzej Kunt und andere polnische Festivalbesucher fragen, ob sie Ihre Sicht "der Deutschen" teilen.

  2. 15.

    Die Nachbarn wie Polen, Österreich, Dänemark legen auf Gutmenschen aus Deutschland keinen Wert. In anderen Ländern gilt man hat Euch nicht gerufen, wenn "Ihr" hier seit gelten die Regeln des Gastlandes.
    In Dänemark gab es keine verschlossenen Türen und keine gestohlenen Fahrräder bis die Turisten und Ihre Kinder aus Deutschland kamen.
    Deutschland ist nicht das Mass aller Dinge. Deutschland nimmt Menschen bei sich aufnimmt / duldet, die wo anders wegen Mordes, Vergewaltigung und Raub gesucht werden - dann werden die restlichen Deutschen damit gleichgestellt.
    Wie wäre es mit Ausschaffung auch bei geringen Vergehen gegen die Rechtsnormen, ohne Ansehen der Hautfarbe, des Glaubens und der natürlich schweren Kindheit.

  3. 14.

    "Wollt Ihr wirklich ein Festival auf polnischem Boden, bei dem muslimische Migranten teilnehmen?"

    JA!

  4. 13.

    Aber was bitte schön, hat das damit zu tun. daß FW und THW bei einer solchen Großveranstaltung mit mehreren hunterttausend Teilnehmern ausgeladen werden. Wo man eigtl. über jede Hilfe froh sein könnte, zu mal es es ein (für den Konsumenten) kostenfreies Event ist.
    Seit Jahren legen poln. rechtskonservative Kreise dem Festival Steine in den Weg - geht ja auch gar nicht dieses Gutmenschengedöns und dann auch noch Menschen aus anderen Kulturkreisen den Zutritt gewähren - das geht nun wirklich nicht.

  5. 12.

    Die Sicherheitslage in Polen verbessert sich dadurch, dass man die Hilfe THW und Feuerwehren aus Deutschland ablehnt? Die Logik erschließt sich nicht, im Gegenteil ...

  6. 11.

    Seit 2004 sind bei jedem Woodstockfestival auch deutsche Rettungskräfte mit vor Ort. Die Einsatzzahlen der jetzt durch polnische staatliche Stellen "ausgeladenen" bzw. nicht angeforderten 2 Tanklöschfahrzeuge (1x FFW Frankfurt (Oder), 1x BF Berlin) lagen m.M.n. bei Null. Vielleicht war der hierfür veranschlagte finanzielle und logistische Aufwand zu hoch; wer weiß... Schade, das die Kollegen vom THW ebenfalls mit betroffen sind, sie hatten in den vergangenen Jahren oft wertvolle Hilfe geleistet.
    Im Abschnitt der direkt im Verantwortungsbereich des Veranstalters tätigen Rettungskräfte (Sanitäts- und Rettungsdienst) gibt es keine Veränderungen, hier werden wie in allen Jahren zuvor auch zahlreiche deutsche, ungarische, ... usw. Kollegen mithelfen.
    Was die Terrorgefahr angeht; wir sollten vielleicht aufhören, fremde Länder völkerrechtswidrig kaputt zu bomben und unschuldige Zivilisten zu töten. Die Ursachen für Flucht, Vertreibung und Terror liegen sehr wohl auch bei uns.

  7. 10.

    Der Sinn und Genuss an einem Festival - Alkohol, Musik (mehr laut als gut) und der Verbrauch an Umwelt und Rohstoffen sollte geprüft und abgewägt werden.
    Die Entscheidung der Nachbarn (Polen, Österreich, Dänemark usw.) zu den Verhältnissen in Deutschland lassen sich leider nachvollziehen. Die Sicherheitslage in Deutschland entsprich der in Schweden, Großbritannien, Frankreich usw. - lässt sich also drastisch Verbessern.

  8. 9.

    Außerdem ist Polen ein souveräner Staat mit eigener Sicherheitspolitik. Dieser muss sich glücklicherweise nicht der Merkel-Doktrin unterwerfen, auch wenn es einige Leute in Deutschland es so gerne hätten.

  9. 8.

    Erschreckend, wie die polnische Regierung ebenso wie Kommentatoren in Foren sich zu willfaehrigen Werkzeugen geistig verarmter Hassprediger machen lassen!
    Statt dem ueberschaubaren Risiko eines Anschlags angemessenen zu begegnen, wird der Schwanz eingezogen vor potenziellen islamistischen oder sonstigen Gewalttaetern - und damit in vorauseilendem Gehorsam deren Ziel verwirklicht, freien und offenen Menschen Lebensfreude zu nehmen: Angstmacher (latinisiert: 'Terroristen') muessen jetzt nicht mal mehr mit dem Messer fuchteln, denn die Erziehung durch einige wenige solcher Religionsmissversteher hat bereits perfekt gewirkt und allenthalben ueberzogene Furcht verbreitet. Und diese Feigheit vor dem Feind wird nun auch noch als Klarsicht und unverbluemte Sprache gefeiert.
    - Oder sind am Ende die Ideen einiger Nationalkonservativer zu Kultur und Lebensfreude vielleicht gar nicht soo meilenweit entfernt von jenen der islamistischen Eiferer, wie man zunaechst glauben sollte? Ojemine!

  10. 7.

    Jetzt ist die PiS völlig durchgeknallt. In diesen Aussagen steckt kein Funken Logik, nur rechte Demagogik. Die tatsächliche Sicherheit des Festivals, und Staat und Gesellschaft allgemein, leiden unter diesem Schmierentheater. Schade dass sich viele Menschen so für dumm verkaufen lassen, nicht nur in Polen.

  11. 5.

    Sie müssen sich schon entscheiden: "hier in Deutschland" oder "hier in Polen"? Wo denn nun?!

    Übrigens. Polen als Anti-"Political Correctness"-Beispiel zu bringen ist absurd.

  12. 4.

    Was für ein schmarn. Es gibt Dutzende Große Festivals auf die auch tausende Muslime gehen. Diese fallen aber natürlich durch Ständige Terrorakte auf...Und Polen ist natürlich ein wahres Paradies......

  13. 3.

    Die Anti-Feuerwehr- und -THW-Logik verstehe ich nicht. Man sollte vielleicht der Zentralregierung in Polen auf diplomatischer Ebene um nachvollziehbare Argumentation bitten, damit die Kooperation beider Länder in harmonischer Stimmung bleibt.

  14. 2.

    Genau dies ist das Europa unserer Frau Kanzlerin.

  15. 1.

    das Festival ist eine gute Sache !- andererseits kann ich die Bedenken gegen einen Terrorexport aus Deutschland völlig verstehen ! in Polen kommuniziert man eben ohne Political Correctness, welche uns hier in Deutschland immer stärker in die Spaltung der Gesellschaft treibt; hier in Polen gilt eben nicht das Prinzip "Bitte wegsehen und verdrängen".

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