ARCHIV - Blick auf ein beschädigtes Fenster der Flüchtlingsunterkunft in Jüterborg (Brandenburg) aufgenommen am 01.10.2016. (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 17.07.2017 | Thomas Heinloth

Feuer durch Molotow-Cocktails - 21-Jähriger gesteht Anschlag auf Jüterboger Flüchtlingsheim

Menschen wollte er angeblich nie töten, er sei nur sauer gewesen: Ein 21-Jähriger hat vor Gericht zugegeben, Molotow-Cocktails auf ein Flüchtlingsheim in Jüterbog geworfen zu haben. Als Grund gibt er ein angeblich gestohlenes Portemonnaie an.  

Im Prozess um einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Jüterbog (Teltow-Fläming) hat der 21-jährige Angeklagte ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Der junge Mann gab am Montag vor der 2. Strafkammer des Potsdamer Landgerichts zu, dass er in der Nacht zum 1. Oktober vergangenen Jahres zwei Brandsätze auf das Heim für minderjährige Flüchtlinge geworfen habe.

Anklage wegen versuchten Mordes

Der 21-Jährige muss sich vor Gericht wegen versuchten Mordes verantworten. Ein Brandsatz hatte das halb geöffnete Fenster eines Abstellraums getroffen und eine Gardine in Brand gesetzt. Betreuer konnten das Feuer zwar schnell löschen, so dass niemand zu Schaden kam. Der 21-Jährige habe aber damit rechnen müssen, dass die jungen Flüchtlinge bei einem Brand des Heims im Schlaf überrascht würden und ums Leben kämen, erklärte die Staatsanwältin. Daher handele es sich bei der Tat um versuchten Mord, heimtückisch und grausam mit  gemeingefährlichen Mitteln.

Als Grund gab der 21-Jährige am Montag vor Gericht an, dass ihm ein Asylbewerber aus dem Heim eine Woche zuvor das Portemonnaie gestohlen habe. "Ich war betrunken und sauer, dass ich bestohlen wurde", erklärte er. Im Nachhinein könne er seine Tat aber nicht mehr begreifen. "Ich hatte nie die Absicht, Menschen zu töten oder zu verletzten", beteuerte der Angeklagte. Vielmehr habe er den angeblichen Dieb nur erschrecken wollen.

Eine rechte Gesinnung stritt der 21-Jährige ab. In der Vernehmung bei der Polizei hatte der junge Mann laut dem Protokoll dagegen fremdenfeindliche Motive genannt.

Brandsätze sorgfältig vorbereitet

Der Angeklagte schilderte vor Gericht, dass er vor der Tat an einer Tankstelle mit Kanistern Benzin geholt habe. Anschließend bereitete er in der Garage seines Vaters zwei Molotow-Cocktails in Bierflaschen vor, die er anschließend auf die Rückfront des Heims schleuderte. Dabei will er gewusst haben, dass er die Fenster eines Abstellraums und nicht eines Schlafraums traf.

Auf kritische Nachfragen des Gerichts, dass ihm doch die mögliche Wirkung der gefährlichen Brandsätze bewusst gewesen sein müsse, antwortete der 21-Jährige wiederholt: "Darüber habe ich in dem Moment nicht richtig nachgedacht."

Ermittler hatten den damals 20-Jährigen durch Zeugenaussagen ausfindig gemacht. Der Angeklagte befindet sich seit Februar in Untersuchungshaft. Eine Anregung des Verteidigers, die Haft seines Mandanten auszusetzen oder wenigstens Erleichterungen beim Besuchsrecht zu gewähren, lehnte der Vorsitzende Richter Jörg Tiemann zunächst ab. "Nach Aktenlage hatte der Angeklagte eindeutig Kontakte zur rechtsextremen Szene", sagte Tiemann zur Begründung. Daher werden überwachte Besuche nur auf Antrag erlaubt. Für den Prozess sind noch fünf Verhandlungstage bis Mitte September angesetzt.

Sendung: Inforadio, 17.07.2017, 12.00 Uhr

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 14.

    Es ist doch völlig egal welche Gesinnung dieser Mensch mit sich trägt, er hätte andere menschen töten können! Wenn er jedoch nachweislich rechtsorientiert ist, verschärft es nun unbedingt die tatsache oder weil er voll war sollte es die tatsache mildern? Es ist wie es ist, ein feiger Angriff auf andere Menschen!

  2. 13.

    Auch wenn das ihnen und ihresgleichen nicht gefällt.

    In unserem demokratischen Rechtssystem werden Urteile von unabhängigen Gerichten und Richtern gefällt und nicht vom rechten Lynchmob!

  3. 12.

    Auch wenn Sie den Angeklagten kennen, werden wir hier weiter über den Prozess berichten und Leser-Kommentare veröffentlichen.

  4. 11.

    Ich kenn ihn ziemlich gut genauso wie die Geschichte. Also am besten einfach raus halten und gut ist.

  5. 10.

    Die Urteile fallen nicht unterschiedlich aus. Hier Beispiele zu nennen würde der Platz nicht reichen. :)

  6. 9.

    Diese ganzen Vorwürfe hier.. keiner hat ne ahnung was passiert ist. Keiner kennt ihn. Einfach aus der sache raus halten wenn man keine ahnung hat.!!!!

  7. 8.

    Dann frage ich mich warum die urteile dann so was von Unterschiedlich ausfallen, viele mit Migrations Hintergrund werden wieder laufen gelassen oder bekommen milde Strafen, um hier Beispiel zu nennen würde der Platz hier nicht ausreichen

  8. 6.

    Der Täter muß bestraft werden keine Frage auch sehr hart, doch was für kriminelle Ausländer als Bonus gilt muß auch hier dann gelten, also wenn man betrunken ist oder Drogen genommen hat oder sind vor dem Gesetz nun doch nicht mehr alle gleich ???

  9. 5.

    Bei den Hamburger Krawallos fordern sofort alle die Höchststrafe. Hier komischerweise nicht. Hat ja nur versucht Menschen zu verbrennen. Und kein heiliges Auto. Außerdem war er nur ein besorgter Bürger und die Bewohner Ausländer. Aber es ist natürlich keine rechte Tat.

  10. 4.

    Wegen einem (angeblich) geklauten Portemonnaie. Und er wußte, dass es ein (!) Asylbewerber war. Eine Woche danach war er immer noch so sauer, dass er betrunken (?) 2 Molotow-Cocktails gebaut hat, zum Heim gegangen / gefahren ist und diese dann geschmissen hat... Und damit wollte er den einen (!) Dieb erschrecken.

    Klingt reichlich nach Ausrede.

  11. 3.

    Bekommt der Täter wieder mildernde Umstände weil er angeblich betrunken war oder wird mal hart durchgegriffen??

  12. 1.

    Hallo RBB, eine Frage dazu. Sowas scheint dort häufiger vorzukommen, der RBB-link funktioniert aber leider nicht mehr (zB dieser hier: rbb-online.de/politik/beitrag/2015/11/begegnungsstaette-in-jueterbog-wird-wieder-aufgebaut.html, und noch weitere). Lieber RBB, warum wurden die RBB-Artikel zum Anschlag auf die kirchliche Begegnungsstätte in Jüterbog (und die Anti-Flüchtlingsäusserungen des Bürgermeisters) depubliziert? Oder bin ich nur zu doof die Artikel zu finden?

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