Teilnehmer der Berliner Hanfparade halten am 13.08.2016 ein Plakat mit dem Motto "Legalisierung liegt in der Luft" (Quelle: rbb/Jade-Yasmin Tänzler)

Hanfparade in Berlin - Demonstrieren für die grüne Medizin

Unter dem Motto "Breiter kommen wir weiter!" zieht am Samstag die Hanfparade für die Legalisierung von Cannabis durch Berlin. Im Fokus der diesjährigen Parade steht der medizinische Einsatz von Cannabis. Ein Beitrag von Teilnehmern der rbb-Sommerakademie

Am Samstag zieht wieder die Hanfparade durch Berlin, mittlerweile zum 21. Mal. Geplant ist zunächst zwischen 10 und 14 Uhr eine Kundgebung am Hauptbahnhof; von dort wird sich der Zug in Richtung Gesundheitsministerium und Alexanderplatz in Gang setzen. Zum Abschluss ist in der Nähe des Neptunbrunnens eine Abschlusskundgebung vorgesehen.

Parade will auf medizinische Wirksamkeit hinweisen

Dabei soll unter anderem die Grünen-Politikerin Canan Bayram sprechen, Nachfolgerin des langjährigen Cannabis-Verfechters Hans-Christian Ströbele im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg. Daneben wird es diverse Info-Stände und Musik bis in den Abend geben sowie diverse Partys in verschiedenen Clubs. Berliner müssen sich wegen der Hanfparade auch auf Verkehrseinschränkungen einstellen.

Schwerpunkt ist in diesem Jahr die Verwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken, wie Sprecher Martin Steldinger ankündigte. Patienten aus dem ganzen Bundesgebiet kämen nach Berlin, um über ihre Erfahrungen nach der Änderung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) von März 2017 zu berichten. Eins nimmt er vorweg: "Die meisten sind sehr unglücklich."

Im Einzelfall auf Rezept

Mittlerweile können Menschen zwar bei schwerwiegenden Erkrankungen, bei chronischen Schmerzen und als Palliativ-Behandlung im Einzelfall Cannabis auf Rezept bekommen. Kann der Arzt nachweisen, dass keine andere anerkannte Therapie bei den Patienten anschlägt und die Behandlung mit Cannabis größeren Erfolg verspricht, sollen die Krankenkassen die Kosten für Cannabispräparate oder für getrocknete Cannabisblüten übernehmen.

Im März hatte das Gesetz von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) dafür den Weg frei gemacht. Doch die Kostenübernahme durch die Kassen gestalte sich noch immer schwierig, sagt Steldinger. Auch müssten Menschen, die nach der alten Regelung bereits eine Ausnahmegenehmigung besaßen, wegen der Änderung des BtMG nun weitgehend ablehnende Bescheide hinnehmen. Die Schwerkranken würden so in die Illegalität oder in langwierige Gerichtsprozesse getrieben.

Cannabis kann Schmerzen und Symptome lindern

Als gesichert gilt, dass Cannabisblüten bei Spasmen helfen, die beispielsweise bei Multipler Sklerose und bei Nervenverletzungen auftreten. Darüber hinaus soll Cannabis Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapien unterdrücken und den Appetit bei Aids anregen. Bei Epilepsie, Alzheimer, Juckreiz und Depressionen sind die Erkenntnisse über die Wirksamkeit bisher eher gering.

Legalisierung von Cannabis als Genussmittel?

Die Freigabe von Cannabis als Medizin ist seit vielen Jahren eine wichtige  Forderung der Hanfparade - die Teilnehmer sprechen sich aber auch für eine Legalisierung als Genussmittel aus. Das diesjährige Motto der Demo, "Breiter kommen wir weiter!", soll auf die zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten der Pflanze hinweisen - aber nicht nur: Sie sei "ein prima Konter auf die aktuell laufende, cannabiskritische Aufklärungskampagne 'Zu breit?'" der Berliner Gesundheitsverwaltung, heißt es auf der Webseite. Mit dieser Kampagne sollen vor allem Jugendliche über die Gefahren von Cannabiskonsum aufgeklärt werden.

Berlin: Kiffer-Hauptstadt Deutschlands

Knapp 60 Prozent der Fälle von Drogenhandel und -schmuggel in Berlin 2016 drehten sich um Cannabis. Knapp jeder Fünfte der 15- bis 17-Jährigen hat demnach nach Erkenntnissen der Gesundheitsverwaltung Erfahrungen mit der Droge, bei den 18- bis 24-Jährigen ist es fast jeder Zweite. Insbesondere bei Jugendlichen können sich die heutigen sehr hohen Gehalte an dem Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) allerdings schädlich auf das Gehirn auswirken.

Pro und Contra

Symbolbild (Quelle: imago)

Video | Tagesschau | 15.05.2017 | Kristin Joachim - #kurzerklärt: Cannabis legalisieren?

Keine Frage: Cannabis ist eine weit verbreitete Droge. Aber soll es illegal bleiben? Eine Legalisierung hätte durchaus Vorteile, nicht zuletzt finanzielle. Und die jetzige Verfolgung scheint wirkungslos zu sein.

21 Jahre Hanfparade

Die besten Parade-Slogans seit 1997

2017 - Breiter kommen wir weiter!
2016 - Legalisierung liegt in der Luft
2013 – Meine Wahl? Hanf legal!
2011 – 40 Jahre sind genug! BtMG Adé
2010 – Cannabis ist (Welt)Kultur
2009 – Für eine freie Wahl!
2007 – Gib mir 5! Gegen Gift im Gras!
2005 - Wir sind das Hanf!
2004 – Get Wise - Legalize! Drogenfahnder zu Kleingärtnern!
2001 – Kein Krieg gegen Pflanzen
2000 – Legalize it globally!
1997 – Legalisierung jetzt! Mit Hanf in die Zukunft

Die Route der Hanfparade am Samstag

Route Hanfparade 2017 (Grafik: rbb|24)

Sendung: Inforadio, 12.08.2017, 14.00 Uhr

Der Beitrag entstand im Rahmen der rbb-Sommerakademie 2017

Beitrag von Esin Bodur, Linda Hou, Louis Kleinwächter und Sabine Saeed

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 9.

    Es ist kein Scherz! Abends ein zweiter u.i.kann wunderbar Durchschlafen( 8-10 Std. ).Bin jetzt i.Rente.Habe Jahrelang i.reinem Nachtdienst gearbeitet u.leide nun unter Chronischen Schlafstörungen.Bekomme aber nur Schlaftabletten u.diese lassen mich gerade mal 6Std.ruhen.Machen abhängig noch dazu.Habe alle anderen Hausmittelchen wie Baldrian u.s.w.ausprobiert.Schlägt nicht an.Aus Kostengründen u.da es ja gesetzwiedrig ist bin ich auf diese sch.....Pillen leider angewiesen.Es geht doch auch anders.In Israel wird staatlich verordnetes Cannabis a.Alte Menschen im Pflegeheim verabreicht u.diese Menschen sind zum erstenmal glücklich darüber wie entspannt sie damit Schlafen können.Ich finde dieses Gezeter um Gesundheitsgefährdung etc.pp.einfach unglaubwürdig.Die anderen Staaten wie Cannada,Niederlanden u.sogar d.USA machen es uns vor das es geht.Von den Steuereinnahmen mal ganz abgesehen.Natürlich nur eine Freigabeab 18. Von mir aus auch nurdurch d.Apotheken.

  2. 8.

    Das mit der Verringerung der Beschaffungskriminalität beweisen Sie bitte stichhaltig !

    Ich halte das für vorgeschoben.

    Drogen und Psychopharmaka auf Rezept
    haben den Effekt, dass sie irgendwann nicht mal mehr den Wohlfühlgrad erzeugen können, den man vor dem Konsum dieser Mittelchen hatte.

    Die Konsequenz:
    Wechsel des Psychopharmakons bzw. Umstieg auf andere, in der Regel härtere Drogen.

    Dass Cannabis nicht abhängig machen würde, was auch gern behauptet wird, ist übrigens eine dreiste Lüge.

    Offensichtlich versucht die Drogen-Lobby, über die Legalisierung von Cannabis Ihren Markt auszuweiten.

    Wer nicht kontrolliert werden will, der geht auch nicht zu staatlichen Drogenabgabestellen für die Beschaffung von Cannabis. Der geht weiter zur Drogenkriminalität.

    Die Drogenlobby wird sich freuen, wenn Trottel in der Politik das legalisieren.

  3. 7.

    Legalisierung für medizinische Zwecke ja, wenn mit seriösen kontrollierten Studien der gessundheitliche/schmerzliche Nutzen belegt werden kann.
    Zeit für Studien, in denen man zumindest die kurzfristigen schmerzlindernden Effekte nachprüfen konnte, hatte man ja nun schon genug

    Legalisierung als Spaßdroge ?: __________ klares NEIN !

    Drogen liefern nur kurzzeitig Spaß und dann dauerhaftes Leiden mit Abhängigkeit, die sich selbst mit Drogenentzug nicht wieder auf den ursprünglichen Zustand zurücksetzen lässt.

  4. 6.

    Servus rbb24,
    danke fuer Ihre prompte Antwort. Jedoch: Mein Beitrag #4, auf den Sie antworten, war eine Nachfrage zum Beitrag #2 des Nutzers mit dem Nickname 'Funny' - und m.E. als solche auch einigermassen deutlich erkennbar. Das 'Funny' sollte also nicht etwa aussagen, dass ich den rbb-Artikel lustig finde: Wie Sie ja selbst nochmal schreiben, ist Ihr Artikel sachlich, verstaendlich und ausgewogen. 'Funnys' Kommentar aus meiner Sicht jedoch weniger - und daher hoffe ich auf seine Antwort.

  5. 5.

    Hallo Rolf,

    danke für Ihren Kommentar. Zu Ihren Fragen:

    1) Das ist vielleicht eher eine Frage an die Politik, die den Cannabis-Konsum besteuern könnte oder auch nicht.


    2) Tun wir: "Die Freigabe von Cannabis als Medizin ist seit vielen Jahren eine wichtige Forderung der Hanfparade - die Teilnehmer sprechen sich aber auch für eine Legalisierung als Genussmittel aus." Die Hanfparade selbst setzt dieses Jahr den Fokus auf die Medizin.

    3) Wo sehen Sie dies im Text? Wir schreiben u.a.:
    "Als gesichert gilt, dass Cannabisblüten bei Spasmen helfen, die beispielsweise bei Multipler Sklerose und bei Nervenverletzungen auftreten. Darüber hinaus soll Cannabis Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapien unterdrücken und den Appetit bei Aids anregen. Bei Epilepsie, Alzheimer, Juckreiz und Depressionen sind die Erkenntnisse über die Wirksamkeit bisher eher gering."

    Wir hoffen, wir konnten Ihre Fragen klären und wünschen ein schönes Wochenende!

  6. 4.

    Funny, Ihren Beitrag verstehe ich nicht. Gleich aus drei Gruenden:
    1) Was spraeche dagegen, mit wirksamer Medizin und mit gelegentlichen Genussmitteln in angemessenen Masz Geld zu verdienen?
    2) Warum diffenzieren Sie nicht zwischen THC als Medikament und THC als Wohlfuehldroge?
    3) Warum zweifeln Sie die teilweise nachgewiesene medizinische Wirkung von THC an und fragen nach "besseren Altenativen"??

  7. 3.

    Hallo funny, es geht ja nicht nur darum, dass sich die Leute breitziehen (selbst wenn, dürften sie), sondern um endlich mal die unsinnigen Berührungsängste anzuschaffen.
    Für meinen Teil würde ich mich freuen, wenn ich Cannabis aus kontrolliertem Anbau und unter kontrollierter Abgabe für meine medizinischen Belange nutzen könnte; wurde meinen Alltag erleichtern und andere derbere Nebenwirkungen durch herkömmliche Medikamente könnten dadurch minimiert werden.
    Letztlich könnte man so auch die 'Beschaffungskriminalität' minimieren und der Staat bekommt noch Steuern, wenn er möchte. Bei den legalen Volksdrogen, wie Alk und Tabak, hat auch keiner Probleme mit den 'kleinen' gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei einem nichtverantwortungsvollem Umgang durch den Nutzer.

  8. 2.

    Morgens `nen Joint und der Tag ist dein Freund. Abends ein zweiter und die Nacht wird heiter. Scherz beiseite: Stinkt die ganze Angelegenheit nicht etwas nach neuen wirtschaftlichen Ertragsfeldern und gibt es wirklich keine besseren Alternativen zu Cannabis als Medikament und Wohlfühldroge?

  9. 1.

    THC als Medizin? Nix dagegen! Hanfrauch aber als permanenter Begleiter fuer Menschen ohne diagnostizierte seelische oder koerperliche Krankheit? Wer das regelmaessig braucht, sollte pruefen, was ihm eigentlich wirklich (!) fehlt. Denn wer nur noch mit Helferlein gut drauf bzw runterkommt, hat definitiv ein Problem. Das gilt fuer Rotwein ebenso wie fuer Frankfurter Kranz, Sex, Shopping .... und eben auch fuer THC.

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