Umstrittenes Verkehrsprojekt geht weiter -
Neuer Abschnitt der A 100 ist im Bau
Die Jahre der Planung und Diskussion sind vorbei und die Bauarbeiten gehen weiter. Am Mittwoch fand der offizielle Spatenstich für die umstrittene Verlängerung der A 100 in Berlin statt. In spätestens sieben Jahren soll dann der Verkehr auf dem neuen Teilstück in Neukölln und Treptow rollen.
Am Berliner Autobahnring kann man die Geschichte der Teilung Berlins deutlich erkennen: Ursprünglich als Ring um die Innenstadt geplant, wurde die Stadtautobahn seit den 1950er Jahren in der geteilten Stadt nur im Westen gebaut. Nach dem Mauerfall liefen die alten Planungen für einen Stadtring weiter, seit den 1990er Jahren auch für die Fortsetzung der A 100.
Mit dem Teilstück wird der Ausbau des Straßennetzes im Berliner Osten fortgesetzt
Trasse durch Neukölln und Treptow
Geplant sind zwei Bauabschnitte. Der 16. Bauabschnitt, der zunächst umgesetzt wird, verlängert die A 100 von der Grenzallee zur neuen Anschlussstelle Am Treptower Park. Die Strecke von einer Länge von 3,2 Kilometer führt durch die Bezirke Neukölln und Treptow-Köpenick.
Der 17. Bauabschnitt wird dann weiter bis zur geplanten Anschlussstelle Frankfurter Allee führen. Die Stadtautobahn soll später dort enden und der Verkehr nach bisherigen Überlegungen der Senatsverwaltung über eine neu zu bauende Straße entlang des S-Bahn-Rings bis zur Storkower Straße aufgenommen werden. Für diese finalen Bauarbeiten gibt es bisher noch keinen Termin.
In der 3D-Grafik ist der Streckenverlauf gut zu erkennen: "Am Treptower Park" heißt dann die Anschlussstelle, kurz vor der Elsenbrücke an der S-Bahn Station Treptower Park. Mit dem 16. Bauabschnitt endet hier zunächst die Autobahn. (Die Karte ist um 90 Grad gedreht.)
Der Trassenverlauf folgt dem des S-Bahnrings. Hier in der Nähe des Neuköllner Schiffahrtskanals mussten laut "a100stoppen.de" 314 Kleingärten aufgegeben werden, zum Beispiel 56 Parzellen der KGA Alt-Ruhleben I an der Dieselstraße.
Die Stadtautobahn kreuzt hier die Sonnenallee in einem Tunnel. Der Verkehr auf der Grenzallee, an der die Stadtautobahn bisher endet, wird vermutlich abnehmen.
An der Anschlussstelle Grenzallee bilden A 100 und A 113 das Autobahndreieck Neukölln. Der Verkehr nach Norden wird von hier in einen Tunnel geleitet. Die Trasse verläuft dann nördlich der Neuköllnischen Allee wieder oberirdisch, allerdings versenkt.
Streckenweise verläuft der neue Abschnitt der Stadtautobahn unterirdisch. Diese 3D-Visualisierung zeigt den künftigen Tunnel an der Anschlussstelle Grenzallee.
Sie brachte Koalitionsgespräche zum Platzen, erbost nach wie vor Umweltschützer und Anwohner - doch das Bauschild verkündet unmissverständlich: hier wird die Verlängerung der A 100 gebaut.
Der Sand flog weit: Mit großer Energie und Freude wird geschippt. Berlins Verkehrssenator Michael Müller und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am 8. Mai 2013 beim ersten Spatenstich.
Kurz aber teuer: Der 3,2 Kilometer lange Abschnitt vom Dreieck Neukölln zum Treptower Park wird geschätzt 450 bis 500 Millionen Euro kosten. Laut Ramsauer "das teuerste Stück Autobahn, was je in Deutschland gebaut" worden ist.
Die Gegner der Autobahnverlängerung bemängeln neben den hohen Kosten die Auswirkungen auf die Umwelt. Sie befürchten durch eine stärkere Lärm- und Luftbelastung Gesundheitsschäden für Anwohner.
Das Bündnis der Autobahn-Gegner ist der Meinung, dass die Millionensumme besser für andere Projekte verwendet werden könnte. Weitere Bildergalerien
Im Osten führen bisher große Stadtstraßen ins Zentrum
In der heutigen Verkehrssituation wird der von Westen ankommende Verkehr auf den Autobahnring geleitet und so auf die Bezirke umgelenkt.
Im Osten aber laufen bisher große Straßen sternförmig auf das Stadtzentrum zu – der Verkehrsfluss von Ampeln und Kreuzungen unterbrochen, erst im Zentrum verteilt sich der Verkehr wieder. Zu den stark belasteten Straßen gehören die Karl-Marx-Straße in Neukölln und das Adlergestell in Treptow.
Verbindung zum Hauptstadtflughafen
Von den östlichen Bezirken aus gibt es keine zügige Verbindung nach Süden, zum Beispiel an die nach Südosten führende A 113, und damit zum künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Die Ost-West-Verbindung führt bislang also mitten durch die Stadt. Der neue Bauabschnitt soll Abhilfe schaffen, indem er den Ring verlängert, den aus Osten kommenden Verkehr abfängt und die östlichen Bezirke an die A 113 anbindet.