Vor den Mai-Demonstrationen -
Walpurgisnacht in Berlin verläuft friedlich
Die großen Demos laufen erst heute, doch schon am Vortag des 1. Mai waren in Berlin mehrere Tausend Protestler unterwegs: In Schöneweide wurde gegen Rechts demonstriert, im Wedding gegen steigende Mieten. Es gab nur kleinere Zwischenfälle.
Die Walpurgisnacht in Berlin ist nach Angaben der Polizei ohne größere Störungen verlaufen. Die vorläufige Bilanz: Rund 3.300 Beamte - auch aus dem Bundesgebiet - waren in der Hauptstadt im Einsatz. Sieben von ihnen wurden verletzt, eine Frau musste den Einsatz abbrechen. 17 Personen wurden vorübergehend festgenommen und 20 Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Widerstands gegen die Staatsgewalt eingeleitet.
Konzertbühne im Wedding
"Antikapitalistische Walpurgisnacht" im Wedding
Am Abend zogen etwa 2.500 linke und linksautonome Demonstranten durch den Stadtteil Wedding (Polizeischätzung). Unter dem Motto "Nimm was dir zusteht" protestierten sie gegen steigende Mieten und soziale Ausgrenzung. Die Demo wurde kurz nach 22 Uhr beendet.
Bereits am Nachmittag hatten am S-Bahnhof Gesundbrunnen nach Angaben der Veranstalter mehrere hundert Menschen mit einer "Antikapitalistischen Walpurgisnacht" gegen soziale Ausgrenzung demonstriert - unter anderem mit Kundgebungen und kleineren Konzerten.
Auch im Mauerpark waren am Abend Hunderte Menschen erschienen, um in den 1. Mai zu feiern. Wie im Vorjahr wollte die Polizei mit Taschenkontrollen verhindern, dass etwa Glasflaschen auf das Areal gelangen. Anti-Konflikt-Teams der Polizei sollten deeskalierend wirken. Innensenator Frank Henkel (CDU) machte sich kurzzeitig selbst ein Bild von der Lage vor Ort.
"Nazis jagen - NPD zerschlagen"
3.000 gegen Rechts
In Berlin-Schöneweide gingen am Nachmittag und Abend rund 3.000 Menschen auf die Straße, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. Der Protestzug zog unter anderem an der Gaststätte "Zum Henker" vorbei, die als Rechten-Treff bekannt ist, sowie einem Militaria-Laden in der Brückenstraße. Parolen wie "Nazis jagen - NPD zerschlagen" wurden skandiert.
Der Aufzug verlief nach Einschätzung der Polizei "weitgehend friedlich". Nur vereinzelt sei es zu kleineren Zwischenfällen gekommen. 17 Menschen wurden festgenommen, ihnen wird Vermummung, Landfriedensbruch und Sachbeschädigung vorgeworfen. "Bei rund 3.000 Demonstranten ist das immer noch friedlich", sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei war mit einem starken Aufgebot im Einsatz.
Zu den Protesten hatte das Bündnis "Gemeinsam gegen Nazis in Schöneweide" aufgerufen. Der Stadtteil gilt als Hochburg der rechten Szene.
Am 1. Mai will dort die NPD aufziehen - erwartet werden laut Polizei etwa 500 rechte Demonstranten. Ein Bündnis aus Politik, Gewerkschaften und Kulturschaffenden kündigte an, den NPD-Aufzug mit massiven Sitzblockaden behindern zu wollen. Dazu wird auch bundespolitische Prominenz aus der Opposition erwartet, darunter Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sowie die Abgeordneten Hans-Christian Ströbele (Grüne) und Petra Pau (Linke). Auch der DGB will die Protestierenden unterstützen.
Walpurgisnacht und 1. Mai in Bildern
Gegen 21.15 Uhr endet die Revolutionäre Demo. Die Stimmung unter den Demonstranten hatte sich nur kurzzeitig aufgeheizt.
Im Laufe des Abends begleiten die Beamten den Demonstrationszug in Reihen, um einige Störer im Schach zu halten.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kommt es zu Gewaltausbrüchen: In Kreuzberg treten Demonstranten die Scheiben einer Sparkasse ein und sprayen an die Hausfassade.
Vereinzelt werfen Demonstranten Steine in die Menge und auf die Polizisten.
Ein Auto liegt umgekippt auf der Straße. Um solche Demolierungen zu verhindern hatte die Polizei im Vorfeld großflächige Parkverbote ausgesprochen.
Schwarz gekleidete Demonstranten begleiten den Zug.
Kurios: Ein vierbeiniger Brillenträger beobachtet vorbeilaufende Polizisten.
Auf dem Weg zum Brandenburger Tor: Teilnehmer der Revolutionären 1. Mai Demonstration.
Demonstranten stehen mit bengalischen Feuern und Flugblättern auf einem Dach in Kreuzberg.
Polizisten in voller Montur: Helm, Kinn- und Mundschutz dürfen am 1. Mai nicht fehlen.
Unangemeldete Demonstranten ziehen mit Bannern durch das Myfest in Kreuzberg.
Nicht weit entfernt schwenken unangemeldete Demonstranten eine Anarchistenflagge.
Bereits zum elften Mal wird im Stadtteil Kreuzberg das MyFest am 1. Mai gefeiert.
Großes Gedränge: Nach Angaben der Polizei sind etwa 11.000 Menschen zum Straßenfest gekommen.
"Multi ist Kulti"- der Schriftzug auf dem Luftballon einer MyFest-Besucherin.
Straßenmusiker trommeln und greifen in die Saiten.
Nicht für jeden ist die Lautstärke auf dem MyFest angenehm.
Maifeiertag in Schöneweide: Die ersten Sitzblockaden gegen den Aufzug der NPD beginnen schon am Vormittag.
Aktivisten gegen Rechts ketten sich am S-Bahnhof Schöneweide an eine Betonpyramide.
Vor Beginn des NPD-Aufmarschs räumen Polizisten die Pyramide von der Straße.
Die Polizei schirmt rechte und linke Demonstranten voneineinander ab.
Die Demo der NPD setzt sich in Bewegung. Die Anhänger der rechtsextremen Partei können ihre geplante Route bis zum Ende durchziehen.
Auch Parteichef Holger Apfel marschiert mit durch Schöneweide.
Zahlenmäßig sind die Gegendemonstranten den Rechtsextremen klar überlegen.
Am Rande des NPD-Aufmarsches nehmen Polizisten einen Protestler in Gewahrsam.
Die ersten Demonstranten gegen Rechts treffen schon gegen 10 Uhr in Schöneweide ein.
Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt machen sich am Vormittag ein Bild der Lage in Schöneweide.
Der Platz vor dem S-Bahnhof Schöneweide füllt sich nach und nach.
Vom Hackeschen Markt aus setzt sich der Deutsche Gewerkschaftsbund in Bewegung.
Die Gewerkschaften wenden sich gegen Niedriglöhne, Altersarmut und wachsende soziale Ungleichheit in Europa.
Ziel des DGB-Korsos ist das Brandenburger Tor. Dort findet am Mittag die traditionelle Mai-Kundgebung statt.
Schon am Vortag demonstrieren rund 3.000 Menschen in Schöneweide gegen Rechts. Zum Ausklang am Abend gibt es ein Konzert an der Spree.
Demonstranten protestieren in der Walpurgisnacht auch im Wedding. Hauptthema hier: steigende Mieten.
Eine zerstörte Scheibe einer Sparkasse - sonst verlief die Demo im Wedding ruhig.
Die Proteste beginnen bereits am Nachmittag.
Rangeleien zwischen Polizisten und Demonstranten in Schöneweide (Quelle: dpa)
In Schöneweide kommt es zu kleineren Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizisten.
Die Demo gegen Rechtsextremismus am Nachmittag des 30. April.
Polizei vor der Kneipe "Zum Henker" in Schöneweide: Das Lokal gilt als Treffpunkt der rechten Szene.
Es kommt es zu einigen wenigen Festnahmen - zumeist wegen des Verstoßes gegen das Vermummungsverbot.
Walpurgisnacht im Wedding: Demonstranten versammeln am Blochpark (Quelle: dpa)
Am Blochpark versammeln sich einige Demonstranten.
Polizisten bringen sich - ebenfalls im Wedding - in Position. 3000 Beamte sind am Dienstag im Einsatz, um bei mehreren Demonstrationen in Berlin für Sicherheit zu sorgen.
Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch, weil es zur Walpurgisnacht und am 1. Mai immer wieder zu Ausschreitungen kommt.
Eine Polizistin durchsucht eine Teilnehmer des Bündnisses "Gemeinsam gegen Nazis in Schneweide" (Quelle: dpa)
Im Mauerpark sollen Taschenkontrollen sicherstellen, dass keine Flaschen eingeschmuggelt werden - sie könnten als Wurfgeschosse genutzt werden.
Diese Bankfiliale in Friedrichshain hat die Fenster zur Sicherheit mit Spanplatten verbarrikadiert.
Bei der traditionellen Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftbundes (DGB) am "Tag der Arbeit" werden vor dem Brandenburger Tor 10.000 Menschen erwartet. An der sogenannten "Revolutionären 1.-Mai-Demo" ab 18 Uhr unter dem Motto "Kämpfen gegen Krise, Krieg und Kapitalismus" nehmen voraussichtlich ebenfalls rund 10.000 Menschen teil.
Am Montag hatte das Berliner Verwaltungsgericht allerdings entschieden, dass dieser Demonstrationszug nicht am Axel-Springer-Gebäude vorbei ziehen darf. Das Haus sowie das gegenüberliegende Jobcenter seien als traditionelle Reizobjekte der Szene besonders gefährdet.
Für den 1. Mai sind rund 7.000 Einsatzkräfte der Polizei eingeplant. Drei Hubschrauber stehen zur Verfügung. Zudem halten sich zehn Staatsanwälte bereit, um rasch Haftbefehle beantragen zu können.
Wowereit bei der traditionellen Gewerkschafterdemo am 1. Mai vor zwei Jahren
Wowereit ruft zu Gewaltverzicht auf
Berlins neuer Polizeipräsident Klaus Kandt hatte zuvor erklärt, an der Doppelstrategie seiner Vorgänger festzuhalten: Die Beamten halten sich bei friedlichen Demonstrationen zurück - bei Ausbruch von Gewalt soll aber konsequent und schnell eingeschritten werden.
Im Vorfeld der Protestaktionen hatten Politiker die Hoffnung geäußert, dass es in diesem Jahr rund um den 1. Mai gewaltfrei bleibt. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) appellierte an alle Demonstranten, friedlich auf die Straße zu gehen.
Die Demonstrationsfreiheit dürfe von niemandem missbraucht werden, hieß es in einer Mitteilung Wowereits am Dienstag. Die Demonstranten sollten den Tag der Arbeit zu einem friedlichen Fest machen und Gewalttätern keine Chance geben. Auch der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland (SPD), rief alle Bürger auf, den Mai-Feiertag friedlich zu begehen.
Starkes Zeichen gegen Rechts: Vor dem Tag der Arbeit sind in Berlin-Schöneweide fast 3000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Neonazis zu protestieren. Im Wedding demonstrierte ein Bündnis gegen steigende Mieten. Die Polizei sicherte die Kundgebungen mit einem Großaufgebot ab.
Massive Ausschreitungen wurden für die "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" in Berlin befürchtet - doch nur kurzzeitig heizte sich die Stimmung auf. Friedlich verliefen DGB-Kundgebung und "Myfest". Bei den Demonstrationen von Linken und Rechten in Schöneweide konnte die Polizei Zusammenstöße verhindern.