Ein Flur in einem Wohnheim für Asylbewerber in der Zentralen Ausländerbehörde des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt (Quelle: dpa)

Protest gegen "unhaltbare Bedingungen" - Asylsuchende in Eisenhüttenstadt treten in Hungerstreik

Die Bedingungen in der Abschiebhaft in Eisenhüttenstadt sind schon lange umstritten. Doch nun nehmen die Proteste deutlich zu. Mehrere Menschen, die in Abschiebehaft sitzen, sind in einen Hungerstreik getreten.

Elf Insassen der Abschiebehaftanstalt Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) sind nach Angaben einer Unterstützer-Initiative seit Freitag im Hungerstreik. Die Betroffenen im Alter von 21 bis 33 Jahren, darunter eine Frau, wollten auf die aus ihrer Sicht "unhaltbaren Bedingungen" aufmerksam machen, sagte ein Vertreter des Unterstützerkreises. Die Betroffenen stammen unter anderem aus Georgien und Pakistan.

Ein Sprecher des Brandenburger Innenministeriums bestätigte nur acht Personen, die nicht mehr an der Verpflegung teilnehmen wollen. Forderungen seien nicht gestellt worden. Gegen acht der Ausländer liege ein Haftbeschluss der Bundespolizei vor.

Mit den Protesten wird sich auch der neue Chef der Behörde, Frank Nürnberger, befassen müssen. Er löst heute Stephan Bock ab, der in den Ruhestand geht.

Wäsche vor einem Wohnheim auf dem Gelände der Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt (Quelle: dpa)
Wäsche vor einem Wohnheim in Eisenhüttenstadt

Suizid von Flüchtling in Eisenhüttenstadt

Die Zentrale Ausländerbehörde Brandenburgs steht unter anderem wegen angeblich unzureichender psychologischer Betreuung für die teilweise traumatisierten Flüchtlinge schon länger in der Kritik. Ende Mai hatte sich ein 20 Jahre alter Asylbewerber aus dem Tschad erhängt. Vergangene Woche verletzte sich ein Georgier selbst. Es gab bereits zahlreiche Proteste.

Das Asylbewerberheim ist mit 750 Insassen überbelegt. Nach einem Bericht des ARD-Magazins "Report Mainz" werden Asylsuchende in Eisenhüttenstadt vor Gericht wegen illegaler Einwanderung oft in weniger als 15 Minuten verurteilt. In den Urteilen des Amtsgerichts Eisenhüttenstadt soll von "Asyltouristen" die Rede sein, die zu einem "Heer der Illegalen" gehörten. Der Flüchtlingsrat Brandenburg spricht von "rassistischen Entgleisungen".

Das Haus gehört zur Zentralen Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt. Ebenfalls angegliedert ist eine Erstaufnahme-Einrichtung sowie die Aufnahmeeinrichtung für das Asylverfahren auf dem Flughafen Schönefeld. Im vergangenen Jahr kamen 1700 Flüchtlinge über Eisenhüttenstadt nach Brandenburg. In diesem Jahr sollen es bis zu 3100 Neuankömmlinge werden.