
Hilfsfonds soll zum 5. Juli stehen - Bund und Länder vereinbaren Fluthilfe von acht Milliarden Euro
Vor dem Treffen im Bundeskanzleramt hatte Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) gefordert, beim Hochwasserschutz umzudenken.
Höhere Deiche zu bauen, könne nur einer von vielen Schritten sein, sagte der Linken-Politiker am Donnerstag dem rbb. Man müsse das Wasser wegleiten können. Wie das möglich ist, kann nach Ansicht Markovs nur mit dem Bund und den Ländern gemeinsam geregelt werden. Klärungsbedürftig ist demnach, wie die Länder die notwendigen Flächen bekämen, und in welcher Größenordnung ein Fonds dafür zur Verfügung gestellt werden müsse.

Sonderabschreibungen bis zu 30 Prozent möglich
Auch für Forst- und Landwirte gibt es Sonderregelungen. Aufwendungen zur Beseitigung der Hochwasserschäden am Grund und Boden können laut Finanzministerium sofort als Betriebsausgaben abgezogen werden. Das Gleiche gilt für Aufwendungen zur Wiederherstellung von Hofbefestigungen und Wirtschaftswegen, wenn der bisherige Buchwert beibehalten wird.
Wem durch die Flut Buchführungsunterlagen und sonstige Aufzeichnungen verloren gegangen sind, soll hieraus steuerlich keinen Nachteil haben. Eine entsprechende Anweisung sei an zuständigen Finanzämter gegangen.
Für die vom Hochwasser geschädigten Brandenburger ist eine landesweite Hotline geschaltet: 0331 - 866 6868. Auch per E-Mail können sich die Bürger an das Finanzministerium wenden: hochwasserhilfe@mdf.brandenburg.de

Brandenburger Flutopfer erhalten finanzielle Soforthilfe
Pro Erwachsenen werden einmalig 400 Euro und zusätzlich 250 Euro für Kinder unter 18 Jahren gezahlt; pro Haushalt aber höchstens 2.000 Euro. Unternehmen können bis zu 5.000 Euro erhalten. Das Geld wird in bar ausgezahlt. Die Abstimmung mit den Kreisen zum konkreten Verfahren laufe bereits.
Zudem sollen die Opfer des Hochwassers in Brandenburg steuerliche Erleichterungen bekommen. Niemand werde allein gelassen, sagte Markov am Mittwoch dem rbb.
Der steuerliche Erlass solle dazu beitragen, dass insbesondere Unternehmen, Land- und Forstwirte, aber auch Privatpersonen Dinge absetzen könnten, die sie jetzt benötigten. Markov sprach dabei insbesondere von Höfen, Häusern und Maschinen, die durch das Hochwasser beschädigt und nicht mehr reparabel seien.

Brandenburg: 35.000 Hektar Land von Hochwasser betroffen
Gerade bei sensiblen Kulturen wie Mais, Kartoffeln sowie Erdbeeren, Spargel oder Feldgemüse drohen nach seinen Angaben Verluste. Auch das Futter für die Tierzucht sei nicht mehr verwertbar. Auf den gefluteten Polderfeldern rechnen die Landwirte in diesem Jahr nicht mehr mit einer Ernte.
Nach Merkels Angaben dürfte nun ein Nachtragshaushalt fällig werden, in dem die Neuverschuldung höher ausfällt. Bei der ab 2015 greifenden Schuldenbremse seien Naturkatastrophen als "Ausnahmetatbestand" enthalten. Forderungen nach einem "Flut-Soli" zur Finanzierung der Folgekosten des Hochwassers erteilte Merkel eine Absage: "Es geht nicht um Steuer- oder Abgabenerhöhungen." Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) hatte vorgeschlagen, wegen der Flutschäden den Solidaritätszuschlag zeitlich begrenzt anzuheben.
Mit wieviel Geld der Fonds am Ende ausgestattet wird, hängt auch von der Höhe der Schäden ab, die derzeit noch nicht beziffert ist. Beim angepeilten Volumen von acht Milliarden Euro handle es sich aber um eine "realistische Größenordnung", sagte Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). Die Summe ist damit höher als beim Aufbaufonds nach der sogenannten Jahrhundertflut von 2002, der mit 7,1 Milliarden Euro ausgestattet war.


