Mann passiert mobilen Bauzaun im Großen Tiergarten in Berlin (Quelle: rbb/Doris Anselm)

Statt mobiler Bauzäune - Bezirk Mitte plant Zaun um den Großen Tiergarten

Klingt wie ein Witz, ist aber keiner: Rund um den Großen Tiergarten könnte bald ein zwei Meter hoher und sechs Kilometer langer Zaun stehen. Als Dauerlösung für mehr Sicherheit bei Großveranstaltungen, sagt Bezirksstadtrat Spallek im Interview.
Ein dauerhafter, zwei Meter hoher Zaun um den Großen Tiergarten? Dieses Szenario könnte Wirklichkeit werden - und zwar als Teil eines neuen Sicherheitskonzeptes an der Straße des 17. Juni in Berlin-Mitte. Der Bezirk will mehr in die Sicherheit bei Großveranstaltungen investieren und den Park vor dem ständigen Auf- und Abbau mobiler Zäune, wie er heute üblich ist, schonen.
Bezirksbaustadtrat Carsten Spallek, CDU (Quelle: dpa)
Bezirksbaustadtrat Spallek bestätigt: Über einen festen Zaun wird nachgedacht
Der Bezirksstadtrat für Stadtentwickung, Bauen, Wirtschaft und Ordnung, Carsten Spallek, bestätigte im rbb-Interview am Montag, dass die Pläne für ein neues Konzept am Tiergarten derzeit auf der Fachebene laufen und noch mit den zuständigen Senatsverwaltungen abgestimmt werden müssen. Nach einem Bericht der "B.Z." soll der Zaun mit einer Höhe von 2,10 Metern in historischem Design den Tiergarten entlang der John-Foster-Dulles-Allee im Norden, der Tiergartenstraße im Süden, am Großen Stern im Westen und der Ebertstraße, die im Osten am Brandenburger Tor vorbeiführt, umrunden.
Bezirksbaustadtrat Carsten Spallek, CDU (Quelle: dpa)
Bezirksbaustadtrat Spallek bestätigt: Über einen festen Zaun wird nachgedacht

Herr Spallek, was ist denn eigentlich dran an dem Thema "Zaun im Tiergarten"?

Wir sind ja schon seit längerer Zeit dabei, die Infrastruktur auf der Straße des 17. Juni für Großveranstaltungen insgesamt zu überprüfen bzw. zu ertüchtigen. Das gilt nicht nur für Fanmeilen, sondern auch für Silvesterfeiern und ähnliches. In den letzten Wochen haben wir ein zusätzliches Sicherheitskonzept erarbeitet, das uns deutliche Hinweise gibt, dass wir mehr in die Sicherheit investieren müssen, um diese Veranstaltungen ordnungsgemäß gewährleisten zu können.

Unter anderem ist die auch die Frage aufgeworfen worden, wie man eine so genannte "Vorabsperrung" errichten kann durch zusätzliche Zäune. Per heute ist es so, dass für diese Absperrung transportierbare Bauzäune aufgestellt werden. Die Frage ist, ob diese dauerhafte Auf- und Abbauen, wo denn auch der Tiergarten Schaden nimmt, wenn man mit LKW heranfährt und aufbaut- nicht durch eine dauerhafte Lösung ersetzt oder ergänzt werden kann. Und genau daran wird gerade gearbeitet.
Überlegungen für Zaun um Tiergarten (Quelle: rbb)
Hier könnte der Zaun verlaufen

Wie fix sind denn diese Planungen? Die BZ hat schon eine Grafik veröffentlicht und über das historische Design spekuliert.

Wir überlegen in der Tat, wie so was umgesetzt werden kann – aber es steht noch nichts fest. Ob es einen Zaun gibt und wie der aussehen könnte, wie hoch er ist und welche Farbe er hat, alles das ist noch unklar. Aber klar ist, dass wir die dringende Empfehlung bekommen haben, nicht nur an der Straße des 17. Juni Absperrmaßnahmen vorhalten müssen, sondern auch in den Bereichen davor.

Die Frage ist, wie das umgesetzt werden kann und gerade auch nach den Erfahrungen in Boston und den Terrorwarnungen der letzten Tage, ist die Notwendigkeit klar erkennbar, dass wir hier bei Veranstaltungen sicher was tun müssen, auch um Personenkontrollen zu ermöglichen und um zu verhindern, dass mehr Personen als zulässig auf das Gelände strömen, was zu großen Problemen führen kann.

Haben Sie nicht die Befürchtung, dass ein fixer Zaun zu einem Sicherheitsrisiko werden kann, wenn Menschen in Panik kommen? Gibt es konkrete Überlegungen den Zaun flexibel zu gestalten?

Genau das wird in die Überlegungen mit einbezogen (...). Mit dieser zusätzlichen Vorabsperrung, die es heute schon mobil gibt, soll ja gerade erreicht werden, dass im Fluchtfall, im Katastrophenfall, die Menschen von der Straße in freie Fläche des Tiergarten, in diese Evakuierungsflächen, flüchten können. Und genau dafür ist es notwendig, dass diese Flächen freigehalten werden, wie dies heute schon mit flexiblen Zäunen passiert. Das ist schon Standard –aber eben nicht dauerhaft, sondern immer wieder mit Auf- und Abbau verbunden, was den Großen Tiergarten schädigt. Dauerhaft wird die Sicherheit mit einem fixen Zaun erhöht.

Ist der Tiergarten dann trotz Zauns weiter öffentlich zugänglich?

Ja, selbstverständlich. Es ist absoluter Quatsch zu vermuten, dass vielleicht nur noch von 12 bis 13 Uhr mittags dieser Bereich für eine Stunde geöffnet wird - und vielleicht noch Eintritt verlangt wird. Das ist nicht beabsichtigt. Sie haben ja jetzt auch schon Zuwegsreduzierungen durch Mauern wie am Großen Stern oder durch feste Wege, die sollen ja weiterhin nutzbar bleiben, gar keine Frage.

Wir haben aber dann noch einen positiven Nebeneffekt, dass es künftig weniger Trampelpfade gibt, wenn ein fester Zaun steht. Bei Großveranstaltungen würden die Besucher dann die vorgegeben Wege nutzen, um in den Park zu kommen und nicht quer über die Wiese oder durch das Unterholz marschieren. Die Tore werden nur geschlossen, um kontrolliertes Zu- und Ablaufen zu ermöglichen. Es ist aber in keiner Weise beabsichtigt, den Tiergarten abzuschließen.

Gab es schon Reaktionen vom Senat oder Gespräche mit Senat?

Feedback gibt es in dem Sinne noch nicht. Die Planungen laufen auf der Fachebene. In Zukunft laufen die Diskussionen mit Experten weiter, um zu einem Ergebnis zu kommen. Sicher ist, wenn wir im Tiergarten weiter Großveranstaltungen stattfinden sollen, dann müssen diese sicher durchgeführt werden – dafür müssen wir eine Lösung finden.

Wie sieht das mit den Kosten für einen Zaun aus, wer kommt dafür auf, der Veranstalter?

Der flexible Zaun wird jetzt vom Veranstalter aufgestellt, das ist Bestandteil des Sicherheitskonzepts und Anforderungen, die wir dem Veranstalter vorgeben. Bei der Gesamtmaßnahme, Ertüchtigung der Infrastruktur für die Festmeile reden wir ja über eine Maßnahme, die aus Fördermittel überwiegend finanziert wird, zu 90 Prozent aus Bund- und EU-Mitteln. Insofern wäre hier ein Eigenanteil vom Land Berlin zu bringen. Ich glaube aber, wenn man sicher stellen will, dass man Großveranstaltungen, wenn man sie denn weiter haben will wie Silvester in Berlin, dann ist das Geld natürlich eine wichtige Frage, aber die Sicherheit steht über allem. Und dann muss man auch bereit sein, hier zu investieren.

Das Interview führte Sebastian Schöbel