Baukräne über Berlin (Bild dpa)

Nach Mindereinnahmen durch Zensus - Senat stellt Bauprojekte auf den Prüfstand

Nach den überraschenden Erkenntnissen der Volkszählung gibt es nun erste politische Konsequenzen: Bausenator Müller will mehrere Großprojekte der Hauptstadt auf ihre Finanzierbarkeit hin überprüfen - bis auf eines.

Angesichts der jüngsten Zahlen über die Bevölkerungsentwicklung will der Berliner Senator für Stadtentwicklung, Michael Müller (SPD), offenbar große Bauprojekte des Landes auf den Prüfstand stellen. Eine Sprecherin bestätigte dem rbb am Sonntag einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". Unter anderem gehe es um die Frage, ob sich Berlin eine Internationale Bauausstellung noch leisten könne. Am Wohnungsbau will Müller aber in jedem Fall festhalten.

Der aktuelle BerlinTrend im Auftrag von rbb-Abendschau und "Berliner Morgenpost" ergab, dass ein Drittel aller Berliner bei eben solchen Großprojekten Sparpotential sieht. 12 Prozent der Befragten würden am ehesten beim Flughafen BER den Rotstift ansetzen, genauso viele stimmten für das Stadtschloss und die Landesbibliothek. Allerdings ist nur letztere ein alleiniges Landesprojekt, während der Flughafen und das Schloss vom oder in Zusammenarbeit mit dem Bund finanziert werden.

3.292.365 Einwohner hatte Berlin am Stichtag laut Zensus.

Senat will Zensus-Zahlen nachrechnen lassen.

Berlin muss nach dem Ergebnis der Volkszählung mit Mindereinnahmen aus dem Länderfinanzausgleich von jährlich rund 470 Millionen Euro rechnen. Außerdem kommt auf die Stadt eine Rückzahlung von einer knappen Milliarde Euro zu. Deshalb hatte der Senat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit diesen Fragen beschäftigen werde.

Der Berliner Senat zweifelt die Zahlen des Zensus an und will sie nachrechnen lassen. Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte dem rbb, Berlin habe nichts gegen Statistik, dennoch müsse man das Ergebnis überprüfen. Wenn man mit den Bezirken spreche, komme man zu ganz anderen Schlussfolgerungen.

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Landeseigene Bauvorhaben sind - neben der geplanten Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld - zum Beispiel die Sanierung des Internationalen Congress Centrums ICC an der Messe, die Tangentialverbindung Ost und die Nachnutzung des Flughafens Tegel. Auch der Rückkauf des Berliner Stromnetzes würde aus Mitteln des Landes finanziert werden.

Weitere sechs Prozent der Berliner würden beim Straßenausbau und der Verlängerung der A 100 sparen - allerdings ist auch das ist ein Bundesprojekt.

Dramatisch sollen die Auswirkungen der neuen Zensus-Zahlen aber nicht werden. "Auch wenn wir jetzt von einer etwas niedrigeren Basis ausgehen, die Stadt wächst trotzdem weiter", zitiert das Magazin den Senator.

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