Im Polizeipräsidium in Frankfurt (Oder) (Brandenburg) liegen am 03.07.2013 beschlagnahmte Gegenstände nach Durchsuchungen bei dem Rockerclub Hells Angels (Quelle: dpa)

Organisierte Kriminalität - Großrazzia gegen verbotene Rockergruppen

Es war ein Überraschungscoup am frühen Mittwochmorgen: 650 Beamte waren im Einsatz und durchsuchten über 60 Objekte in Brandenburg und Berlin. Brandenburgs Innenminister verbot zwei Gruppierungen der Hells Angels.
Es war ein Überraschungscoup am frühen Mittwochmorgen: 650 Beamte waren im Einsatz und durchsuchten über 60 Objekte in Brandenburg und Berlin. Brandenburgs Innenminister verbot zwei Gruppierungen der Hells Angels.

Mit aller Härte sind Politik und Polizei gegen die Rockerszene vorgegangen: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verfügte am Mittwoch erstmals die Auflösung eines Regionalverbands von Rockern. Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) verbot weitere Rockerclubs.
Polizei-Aktion gegen Rocker in Cottbus (Foto: Phillipp Manske/rbb)
Polizei-Aktion gegen ein Rockerclubmitglied in Cottbus.

Mehrere Gruppierungen verboten

Vorausgegangen war ein Verbot der Rockergruppe "Regionalverband Gremium Motorcycle Club (MC) Sachsen" durch das Bundesinnenministerium, die sich über die Landesgrenzen hinweg auch auf Brandenburg konzentriert.

Parallel zu dem Verbotsverfahren des Bundes erhöhte Brandenburg den Druck auf die Rocker in der Region. Innenminister Woidke verfügte die Auflösung der Vereine "Hells Angels Motorcycle Club (MC) Oder City" und dessen Unterorganisation "Oder City Kurmark".

Von ihnen wurden 46 Clubs und Wohnungen durchsucht, die meisten davon laut Ministerium in Eisenhüttenstadt, Beeskow und Storkow. Dabei wurden neben Motorrädern und Waffen rund 14.000 Euro sowie Testosteron sichergestellt. Den beiden Gruppierungen gehören laut Brandenburgs Innenministerium 31 Personen an.

Woidke erklärte in Potsdam zum Hells-Angels-Verbot, von dem Verein gehe eine schwerwiegende Gefährdung des Rechtsordnung und der öffentlichen Sicherheit aus. Die Rockergruppierung versuche, ihre regionale Vormachtstellung in Brandenburg auszubauen und die Einflussgebiete konkurrierender Gruppierungen zu dezimieren.
Schwarzgekleidete Menschen auf der Treppe zum Landgericht Cottbus (Foto: dpa)
Prozess gegen Rocker vor dem Landgericht Cottbus.

Zusammenhang mit Überfall in Königs Wusterhausen

Bei den Razzien ging es auch um ein versuchtes Tötungsdelikt in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald).  Dort war am 31. Dezember 2011 ein 15-Jähriger von vier Rockern überfallen und halbtot geschlagen worden sein. Sie hatten ihn irrtümlich für ein Mitglied der verfeindeten Hells Angels gehalten.

Wegen des Überfalls müssen sich derzeit vier Mitglieder des MC Gremium vor dem Landgericht Cottbus verantworten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) wirft ihnen versuchten Mord vor.

Nur wenige Tage zuvor, am 1. Weihnachtstag 2011, war ein Gremium-Rocker von drei Hells Angels in Königs Wusterhausen mit einem Messer attackiert und lebensgefährlich verletzt worden.  In diesem Fall wird wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Potsdam verhandelt. Das Opfer lebt mittlerweile im Zeugenschutzprogramm.
Dietmar Woidke (SPD), Innenminister Brandenburg
Dietmar Woidke ist nach der Razzia zufrieden.

"Größte Aktion gegen Rocker seit Jahren"

Einsatzkräfte der Polizei durchsuchten seit dem frühen Morgen über 60 Wohnungen und Vereinsheime von Rockergruppen in Brandenburg und Berlin. Rund 650 Beamte waren im Einsatz, darunter auch Kräfte der Bundespolizei und der Anti-Terror-Einheit GSG9. Dietmar Woidke sprach im rbb von der größten Aktion gegen Rocker seit Jahren.

Festnahmen gab es nach Angaben von Bundesinnenminister Friedrich nicht. Es sei darum gegangen, "eine Struktur zu zerstören".

Montierte Handgranate auf Motorradpedal

In Brandenburg konzentrierten sich die Razzien auf Cottbus und Umgebung, wo 22 Objekte durchsucht wurden. Die Beamten stellten dabei unter anderem Motorräder, eine Luftpistole und zwei Macheten sicher. Bei einer sichergestellten Maschine war auf einem Pedal eine Handgranate montiert.

Desweiteren waren Wohnungen und Geschäftsräume in Frankfurt (Oder), Spremberg, Beeskow und in Fürstenwalde von den Razzien betroffen.

Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und in Niedersachsen gab es Durchsuchungen.