Erste Zensus-Ergebnisse vorgestellt - Weniger Berliner und Brandenburger als angenommen

180.000 Berliner und 43.000 Brandenburger sind verschwunden - aus der Einwohnerstatistik, die mit den heute vorgestellten Ergebnissen aus der Volkszählung von 2011 auf den neuesten Stand gebracht wurde. Die Resultate könnten sich auch auf die Einnahmen aus dem Länderfinanzausgleich auswirken.

Für das Land Berlin wurde zum Zensusstichtag 9. Mai 2011 eine Einwohnerzahl von 3.292.365 Personen ermittelt. Das sind knapp 180.000 beziehungsweise 5,2 Prozent weniger als nach der bisherigen Bevölkerungsfortschreibung angenommen. Auch in Brandenburg lebten demnach weniger Menschen: Die Einwohnerzahl wurde auf 2.455.780 Menschen korrigiert - das sind mehr als 43.000 Menschen (1,7 Prozent) weniger als geschätzt.

Diese Zahlen wurden heute bei einer Pressekonferenz des Statistikamtes Berlin-Brandenburg von dessen Präsidentin Ulrike Rockmann in Potsdam vorgestellt. Rockmann wies auf den massiven demografischen Wandel hin, den die Zensus-Zahlen im Vergleich mit den Bevölkerungszahlen von 1991 zeigten.

Den Statistikern zufolge lebten prozentual deutlich mehr Senioren in Berlin und Brandenburg, aber beträchtlich weniger Minderjährige. Die Einwohnerzahl in Berlin ist seit der Wende um 4,5 Prozent, in Brandenburg um 3,8 Prozent zurückgegangen.

Kinder im Wald (Quelle: dpa)
In Brandenburg gab es 2011 nur noch halb so viele Kinder wie vor 20 Jahren

Deutlich weniger Kinder in der Region

Deutlich vom Rückgang betroffen war in Berlin die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 15 Jahren verglichen mit dem Stand vom 31.12.1991 mit einem Minus von 26,1 Prozent, gefolgt von den Drei- bis unter Sechsjährigen (–25,5 Prozent).

In Brandenburg zeigt sich der Rückgang bei der Zahl der Kinder und Jugendlichen besonders gravierend: Es wurden 46,1 Prozent weniger in der Altersgruppe der Drei- bis unter 18-Jährigen gezählt.

Mehr als 11 Prozent Ausländer in der Hauptstadt

Seit 1991 ist der Anteil der Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in der Hauptstadt auf 11,3 Prozent gestiegen (372.280 Personen). 23,9 Prozent der Berliner Bevölkerung (780.930 Personen) hatten zum Stichtag einen Migrationshintergrund, von denen 47,7 Prozent auch eine ausländische Staatsangehörigkeit besaßen.

Der Ausländeranteil in Brandenburg ist seit 1991 auch angestiegen, aber deutlich geringer. In der Mark ware am Stichtag 1,7 Prozent (42.190 Personen) ausländische Staatsangehörige. 4,4 Prozent der Brandenburger (107.790 Personen) hatten Migrationshintergrund.

Bundesweit 1,5 Millionen weniger Menschen als angenommen

Der Trend bei den Bevölkerungszahlen in der Region deckt sich mit der bundesweiten Volkszählung. Demnach leben aktuell 80,2 Millionen Menschen in Deutschland - weit weniger als bislang angenommen. Zum Stichtag am 9. Mai 2011 wurden insgesamt 80,2 Millionen Einwohner in Deutschland gezählt. Damit leben hierzulande rund 1,5 Millionen weniger als gedacht.

Davon hatten etwa 74 Millionen Personen (92,3 %) die deutsche, knapp 6,2 Millionen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Im Vergleich der Zensusergebnisse mit den bisherigen Fortschreibungen zeigte vor bei den Ausländer-/innen eine hohe Differenz von 14,9 Prozent, das entspricht fast 1,1 Millionen weniger Ausländern in Deutschland als bisher angenommen. Bei den deutschen Staatsangehörigen ist die Abweichung mit 0,6 Prozent und 428 000 Personen deutlich geringer.

Ein Ziel des Zensus war es, solche Fehler bei den Fortschreibungen der Bevölkerungszahlen zu minimieren. Die Zahlen der letzten Volkszählungen - in Westdeutschland wurde das letzte Mal 1987, im Osten 1981 gezählt - waren zuvor immer fortgeschrieben worden: Neugeborene und Zugezogene kamen in den Städten und Gemeinden hinzu, Verstorbene und Weggezogene wurden abgezogen.

- Eine Frau geht am Mittwoch (27.04.2011) in Frankfurt am Main an einem Plakat vorbei, das für den Zensus 2011 wirbt (Bild:dpa)
Kritik gab es auch an der massiven Plakatierung für den Zensus.

Hundertausende Befragungen in der Region

Im Rahmen der ersten Volkszählung im wiedervereinigten Deutschland waren zum Stichtag am 9. Mai 2011 in Berlin und Brandenburg hunderttausende Einwohner befragt worden. Wegen der unterschiedlichen Wohn- und Lebensverhältnisse waren es in der Haupststadt deutlich weniger als in Brandenburg. Alle 220.000 Berliner und 560.000 Brandenburger Immobilienbesitzer hatten einen Fragebogen per Post erhalten, zusätzlich wurden in Berlin 126.000 Einwohner und in Brandenburg 300.000 Menschen befragt.

Etwa 6.000 Interviewer waren in der Region unterwegs. Erfasst wurden neben der reinen Zählung der Einwohner unter anderem auch deren Alter, Staatsangehörigkeit, Migrationshintergrund, Haushaltsgröße, Beruf, Karrierestatus und Bildungsniveau. Vor allem wegen Fragen zu Religionszugehörigkeit und Weltanschauung war die Volkszählung unter Datenschützern umstritten.
Wohnhaus in der Berliner Gropiusstadt (dpa-Archivbild)
Wehniger Wohnungen und Wohngebäude in Berlin

Hohe Leerstandsquote in Brandenburger Wohnungen

Beim Zensus wurden auch die Wohnungen in der Region gezählt. Nach der Zählung gab es 1.841.540 Wohnungen in Berlin. Die letzten Zahlen stammen aus einer Wohnbestandsfortschreibung aus dem Jahr 2010. Im Vergleich sind das 39.889 (2,1 Prozent) weniger. Die Anzahl der Wohngebäude verringerte sich um 1,8 Prozent auf 310.941.

Leer standen in Berlin 66.962 Wohnungen, was einer Leerstandsquote von 3,6 Prozent entspricht. Zum Vergleich: in Gesamtdeutschland beträgt die Leerstandsquote 4,5 Prozent. Brandenburg liegt da über dem bundesweiten Stand mit einer Leerstandsquote von 5,8 Prozent. In der Mark standen insgesamt 73.531 Wohnungen leer.

Insgesamt gab es im Land Brandenburg 1.243.414 Wohnungen, 15.000 beziehungsweise 1,2 Prozent weniger als 2010. Die Anzahl der Wohngebäude erhöhte sich um 1,6 Prozent (630.893 Wohngebäude).

Einnahmen aus Länderfinanzausgleich könnten sinken

Auf Basis der neuen Zahlen könnte der Länderfinanzausgleich anders berechnet werden. Laut Karsten Wenzel vom Zensus Berlin-Brandenburg könnten die Einnahmen aus dem Länderfinanzausgleich für Berlin und Brandenburg künftig geringer ausfallen. 2012 hatte Berlin aus dem 7,3 Milliarden großen Topf 3,3 Milliarden Euro erhalten, Brandenburg erhielt als Nehmerland 542 Millionen Euro.

Für die Berechnung der Ausgleichszahlungen wird die Finanzkraft je Einwohner des jeweiligen Bundeslandes der durchschnittlichen Finanzkraft je Einwohner im Bund gegenübergestellt.

Auch bei dem Finanzausgleich zwischen Land und Kommunen ist die Einwohnerzahl für die Ermittlung des Finanzbedarfs relevant.

Weitere Zensus-Ergebnisse für die Region

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