
Porträt Christian Görke - Der neue Mann in Brandenburgs Finanzministerium
Erst Spitzenkandidat, dann Finanzminister: Christian Görke (Linke) übernimmt von seinem Parteikollegen Helmuth Markov das Ressort für Finanzen, weil dieser dem zurückgetretenen Justizminister nachfolgt. Die politische Karriere des gebürtigen Havelländers Görke hatte in den vergangenen Jahren deutlich an Fahrt gewonnen. Erst im November hatte ihn seine Partei als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2014 gekürt.
Kurz vor Weihnachten hat sich das Personalkarussel in der Brandenburger Landesregierung noch einmal heftig gedreht: Neuer Chef des Finanzministeriums wird nach der Kabinettsumbildung im Anschluss an den Rücktritt des Justizministers nun der aus dem Havelland stammende Christian Görke.
Seine politische Laufbahn startete der heute 51-Jährige in seiner Heimatstadt Rathenow (Havelland), bis heute ist er in der Stadt stark verwurzelt. Noch zu DDR-Zeiten trat Görke 1985 der SED bei und setzte später sein politisches Engagement in den Nachfolgeparteien PDS und Die Linke fort. Nach dem Mauerfall gehörte er von 1990 bis 1994 dem Kreistag Rathenow an und ist seitdem Mitglied des Kreistages Havelland, 1998 wurde er Stadtverordneter in Rathenow.
Fünf Jahr später gewann seine Karriere auf landespolitischer Ebene an Fahrt: Görke zog im Dezember 2003 als Nachrücker in den Landtag ein und holte bei den Wahlen 2004 und 2009 jeweils das Direktmandat des Wahlkreises 4 (Westhavelland - Dosseland). Seine Fraktion bestellte ihn 2007 zum Parlamentarischen Geschäftsführer und 2012 zum Fraktionschef. Zudem war er finanzpolitischer Sprecher der Linken.
Seine Posten im Landtag wird Görke nun voraussichtlich aufgeben. Als Finanzminister werde entsprechend der Parteisatzung sein Abgeordnetenmandat niederlegen, kündigte Görke am Montag an. Der Parteitag hatte im Oktober die Trennung von Amt und Mandat beschlossen, die aber eigentlich erst für die kommende Legislaturperiode gilt.
Im Januar will Görke allerdings für das Amt des Landeschefs kandidieren, das Stefan Ludwig abgibt. Außerdem soll er bei der Landtagswahl 2014 als Spitzenkandidat für seine Partei ins Rennen gehen, das hatte Brandenburgs Linke erst im November dieses Jahres beschlossen.
Im politischen Alltag nicht auf den Mund gefallen
Während seiner politischen Karriere profilierte Görke sich auch mit sozialpolitischen Themen wie der Forderung nach einem öffentlichen Beschäftigungssektor. Nach der Landtagswahl 2009 war Görke maßgeblich an den Koalitionsverhandlungen mit der SPD zur rot-roten Koalition beteiligt.
Zu seinen größten Herausforderungen als Finanzminister wird die Fertigstellung des Hauptstadtflughafens gehören. Sein Vorgänger Markov hat bereits angedeutet, dass er sich aus dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft zurückziehen könnte, da dieses Mandat stark an das Finanzministerium gebunden sei.
Im Alltagsgeschäft ist Görke bekannt dafür, schon mal kräftig gegen den politischen Gegner austeilen zu können. Rhetorisch ist der 51-Jährige nicht auf den Mund gefallen.
Ursprünglich hatte Görke Geschichte an der Pädagogischen Hochschule Dresden studiert und war 1988 Diplomlehrer geworden. Es folgte von 1991 bis 1993 ein externes Studium an der Universität Potsdam im Fach Sport.
Der begeisterte Volleyballspieler ist verheirateter Vater von zwei Kindern.


