Mord an Burak Bektas in der Rudower Straße (dpa, 2012)

Zwei Jahre nach dem Mord an Burak Bektas - "Er hat direkt in die Gruppe geschossen"

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Ihr habt nun alle, wie man so sagt, einen Migrationshintergrund. Ist das für Euch klar, dass diese Tat rassistisch motiviert war?

Seltunc:
Nein, das sind alles Spekulationen. Man will immer wissen, warum das passiert ist, weil man es sich nicht erklären kann. Ich sage nicht, dass es unbedingt einen rassistischen Hintergrund haben muss. Ich weiß es nicht. Ich habe keine Erklärung dafür. Mich frisst nur auf, dass mein bester Freund tot ist. Ich denke nicht jeden Tag an diese Tat, ich versuche das zu verdrängen, zu vergessen.
Jamal: Ich denke öfter darüber nach, dass es einen rassistischen Hintergrund hat. Aber sicher kann ich nicht sein. Es könnte jeder Mensch gewesen sein, der zu viel getrunken hat, der Probleme hat oder der gezielt Hass hat.
Ömer: Vielleicht ein Drogenabhängiger oder so. Keine Ahnung. Er kam ohne was zu sagen, hat geschossen und ist wieder gegangen.

Eine Theorie ist auch, dass sich irgendein Durchgeknallter durch Euch belästigt gefühlt haben könnte, durch Lärm oder so?

Seltunc:
Nein, nein. Das ist auch aus der Luft gegriffen. Wir waren überhaupt nicht lautstark, ganz normal leise. Wir haben uns unterhalten – ganz normal.
Alex: Also laut waren wir überhaupt nicht. Wir machen so was nicht, also laut pöbeln ist nicht unser Ding.

Die Vorstellung: irgendwann ist er gefasst, steht vor Gericht. Was löst diese Vorstellung bei Euch aus?

Seltunc:
So ein mulmiges Gefühl. Weil ich irgendwie nicht vor Gericht sitzen und noch mal alles aussagen möchte. Ich will einfach mit diesem Thema abschließen. Natürlich möchte ich auch, dass der Täter gefasst wird.
Mord an Burak Bektas in der Rudower Straße (rbb)
Burak Bektas wurde 22 Jahre alt

Aber trotzdem bist Du heute hier...

Seltunc:
Ja, ich möchte auch, dass diese ganzen Gerüchte weggehen, von wegen, dass wir irgendwie kriminell wären oder irgendwelche anderen Sachen, die aus der Luft gegriffen wurden. Wir wären zu laut, hätten rumgepöbelt, wir hätten so einen schlechten Ruf. All diese Thesen möchte ich widerlegen. Weil es nicht so ist. Die Leute suchen Gründe dafür, und dann hört man was von irgend jemandem und dann kommen diese Gerüchte in Umlauf.
Alex: Die sagen, wir hätten was gemacht, oder so. Das regt mich übertrieben auf. Zum Beispiel jemand fragt mich, von den Lehrern, Fremde oder Klassenkameraden: Ihr habt doch bestimmt was gemacht. Das macht dann drinnen so eine richtige Wut. Von wegen - man hat es verdient oder so. Das macht einen sauer.
Seltunc: Außerdem möchten wir noch an die Öffentlichkeit appellieren, vielleicht gibt es ja Leute, die was gesehen haben oder jemanden in Verdacht haben, dass sie sich zur Polizei begeben sollen. Es kann immer noch sein, dass manche sich nicht trauen, zur Polizei zu gehen.

Was denkt Ihr heute über die Tat?

Jamal:
Für mich ist es, als ob ich ein zweites Leben geschenkt bekommen habe. Es sind sehr viele Fragen bei mir offen, die nicht beantwortet sind.
Alex: Niemand glaubt, dass in so einem Land, in Deutschland, in Berlin, das angeblich sicher ist, einfach so jemand kommt und einfach so auf Jugendliche schießt. Ich würde es mir vielleicht auch nicht vorstellen können, wenn ich nicht betroffen gewesen wäre.
Jamal: Wir wollen eigentlich alle wissen, warum er das gemacht hat. Wieso gerade wir? Hat er das geplant? War es sein Ziel, Leute umzubringen, Jugendliche umzubringen oder gezielt eine jugendliche Gruppe umzubringen? Das ist die Frage. Das wollen wir alle wissen.

Mit den Betroffenen sprach Torsten Mandalka, rbb   

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