Kollage: Parks und Projekte der Grün Berlin Gruppe: Tempelhofer Feld, IGA Berlin, Spreepark, Park am Gleisdreieck (Quelle: imago, IGA Berlin, rbb)

Hintergrund | Parkbetreiber im Porträt - Grün Berlin übernimmt

Tempelhofer Feld, Park am Gleisdreieck, Spreepark – und künftig auch noch der Mauerpark: An Grün Berlin kommt man in Berlin nicht mehr vorbei. Vom kleinen Parkbetreiber hat sich das Unternehmen mittlerweile zu einem Konzern gemausert. Von Bettina Rehmann

Die Grün Berlin GmbH ist als landeseigenes Unternehmen für den Betrieb der großen Parks zuständig. Doch der Parkverwalter ist mittlerweile in einen Konzern eingegliedert, der die Freiraumplanung in Berlin entscheidend prägt. Von den Ursprüngen, die auf die Bundesgartenschau 1985 in Britz zurückgehen, hat sich das Unternehmen deutlich emanzipiert.

Seit 1992 firmiert das hundertprozentige Landesunternehmen als Grün Berlin GmbH. Zweck der gemeinnützigen Gesellschaft ist die Freiraumgestaltung und Parkbewirtschaftung. Im Jahr 2014 zählte das Unternehmen 54 Mitarbeiter, davon drei Auszubildende. In den Parkanlagen des Unternehmens wurden insgesamt 2.17 Millionen Besucher gezählt.

Screenshot der IGA-Webcam Berlin am Haupteingang zu den Gärten der Welt (Quelle: iga-berlin.contempo-webcam.de)
Per Webcam können Interessierte den Baufortschritt auf dem IGA-Gelände verfolgen

Die Grün Berlin GmbH ist zuständig für neun Berliner Parks mit insgesamt rund 800 Hektar Fläche, dazu kommt die Pflege der Sowjetischen Ehrenmale und von Teilen des Mauerwegs sowie das Touristische Wegeleitsystem in der Stadt. Zu den Parks gehören auch die Gärten der Welt und der Britzer Garten, dazu kommen der Naturpark Südgelände in Schöneberg, der mehrfach für seine Landschaftsarchitektur ausgezeichnete Park am Gleisdreieck, das Tempelhofer Feld und der Botanische Volkspark in Pankow. Im Entstehen ist der zur IGA 2017 gehörende Kienbergpark im Wuhletal. Ab August dieses Jahres wird Grün Berlin zudem das rekonstruierte Schloss Biesdorf als Betreiber übernehmen.

Drehendes Riesenrad in Treptow, Grillplätze in Mitte

Nach anderthalb Jahren Verhandlung hat die Grün Berlin GmbH Ende letzten Jahres auch den Auftrag für die Bewirtschaftung des Spreeparks erhalten. Der frühere DDR-Vergnügungspark im Treptower Plänterwald, der nach der Betreiberpleite viele Jahre lang verfiel, soll noch in diesem Jahr wieder seine Tore für Besucher öffnen. Christoph Schmidt, Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH, sagte rbb online, zunächst solle die Verkehrssicherheit wieder hergestellt werden, damit sich die Menschen ohne Gefahr durch Altlasten im Park bewegen könnten, über kurz oder lang solle auch das Riesenrad wieder in Betrieb genommen werden. In zehn Jahren, so Schmidt, könne er sich vorstellen pro Jahr eine halbe Million Besucher im Spreepark zu empfangen. Spätestens für Mai 2016 ist ein Dialogverfahren geplant, bei dem auch Bürger ihre Ideen für den Park einbringen können.

Auf Bürgerbeteiligung gehen auch viele der Ideen für das neue Mauerparkgelände zurück, für das Grün Berlin GmbH kurz vor der Vertragsunterzeichnung für anstehende Baumaßnahmen steht. Im Zuge der umstrittenen Bebauung am Rand des Parks zwischen Prenzlauer Berg und Mitte wird auch die Parkfläche erweitert. Wiesen sollen entstehen und Bäume gepflanzt werden, Toilettenhäuser und feste Grillplätze sollen installiert werden.

Berlins "Grüne" Parks

Grün Berlin Gruppe: Service GmbH, Stiftung und IGA 2017

Die Grün Berlin GmbH gliedert sich mittlerweile ein in die Grün Berlin Gruppe: Insgesamt bestehe die Gruppe aus einem interdisziplinären Team von rund 100 Mitarbeitern, sagt Pressesprecherin Bettina Riese. Dazu gehören Architekten, Raumplaner, Bauingenieure, Veranstaltungsmanager oder Marketingexperten. Gärtner oder Handwerker werden extern beauftragt.

Um die Gemeinnützigkeit der Grün Berlin GmbH nicht zu gefährden, wurde die Tochtergesellschaft Grün Berlin Service GmbH gegründet. Die Service GmbH entstand 2010 als Ausgliederung der wirtschaftlichen und damit steuerpflichtigen Bereiche. So werden etwa Konzertveranstaltungen in den Gärten der Welt über die Service GmbH abgewickelt.

Zwei Jahre später, im Jahr 2012 errichtete Grün Berlin seine Stiftung. Das Finanzamt hatte aus steuerlichen Gründen darauf gedrängt, so erklärt es Beate Profé, Abteilungsleiterin für Stadt- und Freiraumplanung bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Seitdem übernimmt die Stiftung Projekte der Freiraumgestaltung von besonderer stadtpolitischer Bedeutung. Sie ist etwa für das Land Berlin als Bauherr zuständig für die Umsetzung des Freiraumkonzeptes am Kulturforum.

 

Grafik: Firmen der Grün Berlin Gruppe (Quelle: Grün Berlin/rbb)

Die letzte Firma im "grünen" Bunde ist die IGA 2017 GmbH. Traditionell, so Beate Profé, sei eine GmbH für die Abwicklung von Gartenschauen zuständig. Den Anfang habe die BUGA 85 GmbH für die Bundesgartenschau 1985 in Britz gebildet, daraus wurde später die Park und Garten GmbH. Die Strukturen behielt man bei, aus der "Park und Garten" wurde über Umwege "Grün Berlin".

Zu zwei Drittel ist die Grün Berlin GmbH – und somit das Land Berlin – nun an der IGA 2017 GmbH beteiligt, die restlichen Anteile liegen bei der Deutsche Bundesgartenschau GmbH. Sinn und Zweck des Unternehmens ist die Planung und Durchführung der IGA 2017, danach soll das Unternehmen 2018 wieder liquidiert werden. Nach Angaben von Grün Berlin ist dabei ein Gesamtvolumen von 100 Millionen Euro vorgesehen, unter anderem für den Neubau eines Besucherzentrums, der U-Bahn-Anbindung und der Seilbahn.

Doch auch auf dem Gelände, das zurzeit noch für die IGA fit gemacht wird, wird die Zuständigkeit von Grün Berlin weitergehen: mit dem Bezirk ist bereits abgestimmt, dass Grün Berlin im Anschluss für 15 Jahre die Pflege der IGA-Flächen übernimmt.

Kontrolle durch Land

Vergleichbare Gesellschaften gebe es in anderen deutschen Städten keine, sagt Grün Berlin-Sprecherin Bettina Riese, als Organisation könne Grün Berlin Vorbildfunktion haben. Mit der Konzernstruktur und seinen privatwirtschaftlich organisierten Gesellschaften sei die Gruppe effizient und könne schnell Entscheidungen treffen und diese zügig umsetzen. Was die Berliner Parkgestaltung und Freiräume angeht ist klar, an Grün Berlin kommt man nicht vorbei, aber Grün Berlin kann nicht machen, was es will: Das Unternehmen hat etwa keine freie Hand in Bezug darauf, ob ein Park eintrittspflichtig ist oder nicht, auch bei Öffnungszeiten und Höhe des Eintritts hat Grün Berlin keine Entscheidungshoheit, teilt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit. Der Aufsichtsrat ist das entscheidende Gremium, unter Vorsitz von Staatssekretär Christian Gaebler.

Die Mittel, die Grün Berlin zufließen, sind zweckgebunden. Gewinn machen darf die Grün Berlin GmbH nicht: Alle Erträge müssen für die Finanzierung der eigenen Aktivitäten verwendet werden, so die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Das Defizit würde durch das Land finanziert. Grundsätzlich, so Beate Profé, sei die Bewirtschaftung von Parks kein Geschäft, bei dem große Gewinne abfielen. Die Parks in Britz und Marzahn etwa hätten eine relativ hohe Kostendeckung. Hier würde jeweils rund die Hälfte der Kosten eingespielt. Auch die Gewinne der Grün Berlin Service GmbH seien sehr überschaubar. In manchen Fällen gehen Fördermittel an die Grün Berlin, so etwa aus dem SIWA-Topf (Sondervermögen "Infrastruktur der wachsenden Stadt") im Falle der Spreepark-Sanierung.

Haushaltsmittel an Grün Berlin im Jahr 2016

11.300.000 €  Institutionelle Förderung Grün Berlin GmbH
Zweck: anteilige Deckung der Kosten der originären Aufgaben der Grün Berlin GmbH (Parkbewirtschaftung, Planungs- und Bauaufgaben), enthält Zuschüsse für Bewirtschaftung Gleisdreieck, Spreepark, Durchführung Lenné Preis, Pflege und Unterhaltung der Erweiterungsflächen Mauerpark (Haushaltskapitel 1210, Titel 68203)

4.577.000 € Zuschüsse für Investitionen Grün Berlin GmbH
Unter anderem für Gärten der Welt, Geländeerschließung Kienberg, Britzer Garten (Kapitel 1210, Titel 89145)

800.000 € Zuschüsse Grün Berlin Stiftung
Für Aufgaben, die die Stiftung von Grün Berlin übernommen hat (Kapitel 1210, Titel 68614)

3.771.000 € Zuschüsse für Investitionen Grün Berlin Stiftung
Baumaßnahmen, u.a. Mauerpark, Kulturforum, Botanischer Volkspark Blankenfelde, Park auf dem Gleisdreieck sowie Döberitzer Grünzug (Kapitel 1210, Titel 89374)

Landesmittel insgesamt: 20.448,0 Mio. € im Haushalt 2016

 

Fördermittel, die darüber hinausgehen:

Gärten der Welt (einschl. Erweiterungsflächen) insgesamt rd. 15,6 Mio. € GRW-Mittel und insgesamt rd. 1,125 Mio. € Stadtumbau-Ost-Mittel

SIWA-Mittel voraussichtlich rd. 1,5 Mio. € (Neubau Freilandlabor Britz und Beräumung Spreepark)

Beitrag von Bettina Rehmann

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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