Der Berliner Ärztekammerpräsident Günther Jonitz - Foto: Kathleen Friedrich/Ärztekammer Berlin.
Audio: Inforadio | 10.12.2015 | Interview mit Günther Jonitz, geführt von Sandra Schwarte

Assistenzärzte schlagen Alarm - Landesärztekammerchef sieht Klinikfinanzierung am Limit

Überarbeitete und überforderte Assistenzärzte, vermeidbare Operationen, zu wenig Personal - Zustände, wie junge Ärzte sie schildern, sind kein Einzelfall. Das beklagt nun auch Günther Jonitz, Präsident der Berliner Landesärztekammer. Er fordert eine grundlegende Reform für die Finanzierung von Kliniken.

Der Berliner Präsident der Landesärztekammer, Günther Jonitz, hat die grundsätzliche Finanzierung-Struktur von Krankenhäusern in Deutschland scharf kritisiert. "Die Kommerzialisierung der Patienversorgung und die Industialisierung der Krankenhäuser ist fatal", sagte Jonitz am Donerstag dem rbb.

Ein Ausdruck sei die Misere bei den Assistenzärzten, die immer stärker unter die Räder des Klinik-Sparzwangs gerieten. "Gerade in den Rettungsstellen arbeiten nachts die unerfahrensten Ärzte - mit der höchsten Arbeitsbelastung und der geringsten Berufserfahrung", so der Kammerpräsident. Das sei mittlerweile "Normalität" und "politisch gewollt". Ursache dafür sei vor allem ökonomischer Druck - der bereits "zahlreiche Menschenleben gekostet" habe.
 

"Was quietscht, ist dann der Patient"

Jonitz sieht die Ursache dafür vor allem in der Gesundheitspolitik auf Bundesebene. Die Einführung des Fallpauschalensystems habe in Deutschland die Lage an vielen Krankenhäusern zugespitzt, sagte er im Inforadio. In der Praxis führe das dazu, dass nicht mehr für eine gute Behandlung bezahlt werde, sondern eben für Fälle. "Jeder Patient, der ins Krankenhaus kommt, ist dort ein Fall mit einer gewissen Schwere. Je schwerwiegender der Fall ist, umso mehr Geld bekommt das Krankenhaus", so Jonitz. Und genau dieses System setze ein "Hamsterrad" in Gang, das immer neue Fälle benötigt, um am Laufen gehalten zu werden.

Um nicht in die roten Zahlen zu rutschen, hätten die Kiniken oft nur die Möglichkeit am Personal zu sparen. Vor allem reduzierte Arztstellen brächten den Häusern erhebliche Mehreinnahmen. Mit fatalen Folgen: "Was quietscht, ist dann der Patient."

Zur Verbesserung des Systems fordert er eine Regionalisierung des Gesundheitssystems. Die Länder selbst müssten demnach mit dem Geld aus den gesetzlichen Krankenversicherungen wirtschaften können, um Missstände vor Ort zu beheben - und nicht mehr, wie bisher, der Bund. Wenn sich an diesem Zuständigkeitsproblem nichts ändere, sei die Leistungsfähigkeit des gesamten Gesundheitssystems grundsätzlich bedroht.