Dunkle Regenwolken ziehen über eine Videowand, auf der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 03.09.2013 auf einer Wahlkampfveranstaltung zur Bundestagswahl auf dem Marktplatz in Finsterwalde (Brandenburg) zu sehen ist. (Quelle: dpa)

Angela Merkel auf Wahlkampftour - Die Kanzlerin in Finsterwalde

Hoher Besuch in Finsterwalde: Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Dienstagabend auf dem Marktplatz des 17.000-Einwohner-Städtchens zu Gast. Die Prominenz des Gastes sei schon etwas Besonderes für die Stadt, hatte vorab der Bürgermeister gesagt. Doch in puncto Großveranstaltungen ist die Sängerstadt andere Dimensionen gewöhnt.

Mehr als 3.000 Menschen kamen am Dienstagabend auf den Markplatz von Finsterwalde (Kreis Elbe-Elster), um die Wahlkampfrede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu verfolgen. Es war eine Art Heimspiel, denn bei der Bundestagswahl 2009 hatten die Christdemokraten den Wahlkreis für sich entschieden.

Routiniert, ohne Pathos, aber mit eindrücklichen Sätzen trug die Kanzlerin eine Rede vor, die sie dieser Tage auf vielen Marktplätzen hält. Nur an einer Stelle wich sie davon ab, und zwar um der rot-roten Regierung in Brandenburg mit Blick auf deren Haushalt einen Seitenhieb zu verpassen: "In Brandenburg habe ich mir das mal angeschaut, das sieht ja nicht so gut aus", so die Kanzlerin. "Dolle Mehreinnahmen und trotzdem noch mehr Ausgaben anstatt mal etwas zu tun, um die Schulden ein bisschen runterzubringen."

Eingeladen hatte die Regierungschefin der CDU-Bundestagsabgeordnete und Direktkandidat des Wahlkreises, zu dem Finsterwalde gehört, Michael Stübgen. Es ist der erste von drei Wahlkampf-Auftritten der Kanzlerin in Brandenburg, die sie gemeinsam mit den jeweiligen CDU-Bundestagskandidaten absolviert. Am Samstag, dem 7. September, ist sie dann in Oranienburg und am 16. September in Potsdam.

"Das ist eine schöne Geste, dass die Bundeskanzlerin in den Süden Brandenburgs kommt", sagte vorab der Finsterwalder Bürgermeister, Jörg Gampe (CDU) rbb online. "Denn die Region ist schon arg gebeutelt". Die größten Probleme im Süden Brandenburgs sind fehlende Arbeitsplätze und die damit verbundene Abwanderung.

Der Kanzlerinnen-Besuch hat auch seinen Preis

Für Finsterwalde war der Auftritt aber nichts Neues: Vor vier Jahren war die Kanzlerin schon einmal auf dem Marktplatz zu Gast. Die Finsterwalder wussten also, was auf sie zukommt. Denn die Gelegenheit, die Bundeskanzlerin aus der Nähe zu erleben, hat auch ihren Preis.

Ein Anhänger von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält ein Schild mit der Aufschrift «Angie» am 03.09.2013 auf einer Wahlkampfveranstaltung zur Bundestagswahl auf dem Marktplatz in Finsterwalde (Brandenburg) hoch.(Quelle: dpa)
Offenbar ein Fan der Kanzlerin: Ein Zuhörer in Finsterwalde hält ein "Angie"-Plakat in der Hand.

Wer am Dienstagnachmittag ins Rathaus wollte, zum Beispiel in die Bibliothek oder die Schiedstelle, hatte das Nachsehen. Denn diese Einrichtungen blieben genau wie das Büro des Mieterbundes und der Finsterwalder Touristeninformation geschlossen.

Außerdem gab es Beschränkungen beim Straßenverkehr. Aus Sicht der Pressesprecherin der Polizeidirektion Süd, Ines Filohn, ist das jedoch nichts allzu Großes: "Das Übliche eben." Die Innenstadt wurde für den Verkehr gesperrt und eine Umleitung eingerichtet. "Die Leute müssen um den Marktplatz und die direkte Innenstadt herumfahren." Aber das sei keine allzu große Sache. "Die Bürger reagieren verständnisvoll", sagte die Sprecherin, die die Vorbereitungen der Polizei vor Ort begleitete. Das bestätigte auch der Bürgermeister.

DJ Ötzi brachte 5.000 Leute auf den Marktplatz

Maßnahmen wie Gullydeckel zu verschweißen, wie es etwa beim Obama-Besuch in Berlin der Fall war, wurden in Finsterwalde aber nicht ergriffen. "Finsterwalde ist schließlich ein ruhiges, ausgeglichenes Städtchen", so Filohn. Der letzte Merkel-Besuch vor vier Jahren sei aus Polizeisicht völlig problemlos verlaufen. Wobei der Marktplatz gut gefüllt gewesen sei. "So viele sind da sonst nur beim Sängerfest."

Das Sängerfest ist ebenfalls ein großes Event für Finsterwalde und eine Art Markenzeichen der Stadt. Es findet alle zwei Jahre in der Innenstadt statt und zählt zu den größten Volksfesten Brandenburgs. Wegen des Festes nennt sich Finsterwalde Sängerstadt.

Der Kanzlerinnen-Besuch sei für die Finsterwalder zwar schon etwas Besonderes, sagte ihr Bürgermeister. Veranstaltungen dieser Größe jedoch eher nicht. Zum Sängerfest kämen an drei Tagen rund 100.000 Besucher. Und DJ Ötzi habe im Juni etwa 5.000 Leute auf dem Marktplatz versammelt. Beim letzten Merkel-Besuch seien es rund 4.000 Leute gewesen, schätzt er. "Der Marktplatz war ziemlich voll."

Das Sängerfest in Finsterwalde (Quelle: dpa Archivfoto)
Sänger beim Sängerfest in Finsterwalde

Facebook ist nicht repräsentativ für Finsterwalde

Wie viele Menschen kamen, um die Kanzlerin zu sehen, war am Abend zunächst nicht bekannt. Der Brandenburger CDU-Landesgeschäftsführer Christian Große hatte erwartet, dass es auf dem Marktplatz auch diesmal voll wird. Eine Schätzung wollte er aber nicht abgeben und sich dabei auch nicht an Facebook orientieren. Auf der Facebook-Seite "Angela Merkel in Finsterwalde", die von der CDU-Mobilisierungs- und Unterstützerkampagne für die Bundestagswahl 2013 betrieben wird, hatten bis zum Nachmittag zwei Leute zugesagt, bei zwei weiteren ist die Teilnahme noch unsicher. "Das ist mit Sicherheit nicht repräsentativ", sagte Große. Vor vier Jahren seien etwa 2.000 Leute da gewesen.

Nach der Abreise der Bundeskanzlerin geht das Leben in Finsterwalde wieder seinen normalen Gang. Am Samstag steht der Wochenmarkt auf dem Marktplatz im Zeichen der Kartoffel. Angela Merkel ist an diesem Tag dann in Oranienburg zu Gast.