Altkanzler Helmut Schmidt in Brandenburg an der Havel (Bild: dpa)

Altkanzler Schmidts einziger Wahlkampftermin - "Wir haben die DDR-Industrie platt gemacht - ohne es zu wollen"

SPD-Politprominenz in Brandenburg an der Havel: Altkanzler Helmut Schmidt weilte am Freitag auf Einladung von Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier in der Stadt. Im restlos ausgebuchten Stadttheater warben die beiden um Stimmen für die Bundestagswahl. Schmidt fand dabei klare Worte zu vielen Themen: zur Wiedervereinigung, Erich Honecker und Syrien.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) sieht im Zusammenbrechen der ostdeutschen Wirtschaft nach der Wende die Ursache für heutige Probleme im Osten Deutschlands. "Ohne es wirklich zu wollen, haben wir die alte DDR-Industrie platt gemacht", sagte der 94-Jährige am Freitagabend bei einem Wahlkampfauftritt mit SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier in Brandenburg an der Havel.

Das Vorgehen damals habe strukturelle Unterschiede im Osten verschärft, fuhr Schmidt fort. Im Rückblick sei bei der Deutschen Einheit vieles nicht gut gelaufen. Er rechne damit, dass der Einigungs- und Anpassungsprozess bis weit über das Jahr 2020 hinaus dauern werde.

Der Auftritt im Brandenburger Theater ist Schmidts einziger bisher geplanter Wahlkampftermin. Die Veranstaltung im Stadttheater war restlos ausgebucht. Steinmeier hat hier seit 2009 seinen Wahlkreis. Schmidt wird ein guter Draht zu dem Fraktionschef nachgesagt, aber auch zum Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Ihm hatte er schon früh die Kanzlerfähigkeit attestiert - mit "Er kann es".

Der SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier (Bild: dpa)
Er hat seinen Wahlkreis in Brandenburg an der Havel: Frank-Walter Steinmeier

Warnung vor Einsatz in Syrien

Schmidt gab sich bei dem Auftritt wie gewohnt: auf der Bühne ein voller Aschenbecher, eine Lehrstunde in Geschichte gab es dazu. Mit Blick auf seinen DDR-Gegenpart während seiner Kanzlerschaft sagte Schmidt: "Erich Honecker war ein unsicherer Mensch. Er hat mir leid getan. Er musste sich erst mal erkundigen, wohin der Hase in Moskau läuft." Honecker sei vollkommen abhängig gewesen von den Entscheidungen aus der Sowjetunion.

Doch nicht nur Geschichte, auch die Gegenwart kam am Freitagabend zu Wort. So warnte Schmidt vor einem Einsatz in Syrien. "Ich bin weiß Gott kein Pazifist, ich bin ein alter Soldat", sagte Schmidt. Es sei aber überhaupt nicht klar, welche Kräfte miteinander in Opposition zu Machthaber Baschar al-Assad stünden.

Dem stimmte auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Steinmeier zu. Er betonte, zwei Tage
Bombardierung seien für Assad weniger gefährlich als wenn Russland und die USA zu einer gemeinsamen politischen Position kämen.

Wahlkampfstimmung wollte nur kurz aufkommen, und zwar beim Thema Europa. "Frau Merkel appelliert an den Egoismus der Deutschen", kritisierte Schmidt. Er mahnte zu mehr Solidarität mit mit Euro-Schuldenländern. Er warf Bundeskanzlerin Merkel vor, genau den gegenteiligen Weg einzuschlagen: den der Desintegration.

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