Gewitterzelle zieht über ein Feld in Brandenburg; Quelle: Patrick Pleul dpa/lbn

Direktkandidaten im BER-Wahlkreis - Wahlkampf unterm Luftdrehkreuz

Die Bundestagswahl ist nicht spannend? Von wegen. Im Wahlkreis 62 etwa könnte es bei den Direktmandaten ganz eng werden. Denn Peter Danckert von der SPD tritt nicht mehr an. Mehrere vergleichsweise junge Kandidaten wollen seinen Platz einnehmen und reiben sich vor allem an einem Thema - dem Pannen-Airport BER, der in diesem Wahlkreis liegt.

Jana Schimke bringt den Satz zum künftigen Flughafen BER ganz selbstverständlich über die Lippen: "Wir setzen uns für eine Nachtflugregelung von 23 Uhr bis 6 Uhr morgens ein." Dieser schlichte Satz ist es, der ihre politische Konkurrenz auf den Plan ruft. Schimke, 33 Jahre jung, ist CDU-Direktkandidatin im Flughafen-Wahlkreis. Sie sorgt mit ihrer Haltung auch dafür, dass sich Steffen Kühne, der Kandidat der Linken, richtig aufregen kann.

"Frau Schimke erzählt den Menschen hier, dass sie für das Nachtflugverbot eintritt, weil sie weiß, dass das hier ankommt", sagt der 32-Jährige und wird dabei sehr emotional. „Dabei ist ganz klar, dass die CDU für ein Drehkreuz ist. Sie versucht hier, die Leute für dumm zu verkaufen. Das geht überhaupt nicht."

Drehkreuz heißt, der Flughafen müsste länger offenbleiben, was die Nachtruhe für die Anwohner noch einmal verkürzen würde. Das will der Bund, ich aber nicht, antwortet die CDU-Kandidatin Jana Schimke.  "Ich bin doch nicht verpflichtet, eins zu eins das mitzutragen, was meine Partei mir immer vorgibt."

 Jana Schimke und Steffen Kühne von der Linken - zwei, die sich im Wahlkampf leidenschaftlich bei jeder Gelegenheit beharken. Wenn die sich streiten, müsste ich mich als Dritte doch freuen können, hofft Tina Fischer von der SPD. Die Bevollmächtigte des Landes Brandenburg beim Bund betont bei jeder Gelegenheit, dass sie im Gegensatz zu Schimke und Kühne als Zeuthenerin mitten im Wahlkreis lebt. Und sie lästert nach Herzenslust über CSU-Bundesverkehrsminister Ramsauer.

"Ich meine, es wäre ja schon hilfreich, wenn der Bundesverkehrsminister wüsste, wo der Flughafen liegt und wie der Landkreis denn so heißt, in dem das größte Infrastrukturprojekt Deutschlands gerade stattfindet", sagt die 42-Jährige. "Das zum Einen. Zum anderen hat der Bund offensichtlich auch mehr die Wirtschaftlichkeit im Blick als die Situation der Anwohner."

Den BER wünscht sich Tina Fischer ebenso wie Linken-Kandidat Steffen Kühne eher als Regionalflughafen statt als internationales Drehkreuz. Darin unterscheidet sie sich von der CDU-Frau Jana Schimke. Wann der Flughafen mal eröffnet wird, dass kann und will keiner der Direktkandidaten vorhersagen. Auch Andreas Rieger von den Grünen nicht. Für ihn steht ohnehin fest, dass am BER "technischer Firlefanz gemacht" wird.

Wie der Dreikampf um das Direktmandat im Flughafen-Wahlkreis zwischen CDU, SPD und der Linken ausgeht, ist völlig offen. Gute Chancen aber rechnen sich alle drei aus. Bis 22. September können sie noch versuchen, die Wähler von sich zu überzeugen.

Beitrag von Karsten Steinmetz