
Fehlersuche im Untersuchungsaussschuss - BER-Architekt kritisiert Flughafengesellschaft
Schuld haben meistens die Anderen. So könnte man das Ergebnis der zweiten Befragung des federführenden BER-Architekten Hans-Joachim Paap kurz zusammenfassen. Die Bauverzögerungen liege beim Bauherrn selbst, die Bauaufsicht der Architekten habe funktioniert. Stattdessen kritisierte Paap die Flughafengesellschaft.
Die Suche nach den Verantwortlichen für das Debakel um den neuen Flughafen BER gestaltet sich weiter schwierig. Am Freitag hat der federführende Architekt des Flughafens, Hans-Joachim Paap zum zweiten Mal vor dem BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses ausgesagt – und dabei erneut jede Schuld an den Verzögerungen zurückgewiesen.
Die Bauüberwachung sei nicht mangelhaft gewesen, sagte Paap bei der Befragung. "Wir haben zwar auch Fehler gemacht, aber keine, die zur Verzögerung der Eröffnung geführt haben", so der Architekt aus dem Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (GMP).
Zu wenig Bauleiter eingesetzt
Paap kritisierte, dass die Flughafengesellschaft als Bauherr anfangs nur 60 Bauleiter für das Großprojekt genehmigt habe. Die Planungsgemeinschaft BBI, darunter das Büro GMP, habe drei Jahre lang gedrängt, die Zahl aufzustocken, bis es schließlich 120 Bauleiter gewesen seien. Heute seien sogar 300 für das Projekt da.
Bereits im Juni 2010 wurde die Eröffnung erstmals um sieben Monate auf Juni 2012 verschoben. Grund dafür waren neue Bestimmungen der Europäischen Union für Flüssigkeiten im Handgepäck. Für die neuen Kontrollgeräte wurde mehr Platz gebraucht, zwei Pavillons mussten deshalb zusätzlich gebaut werden.
Diese sieben Monate seien knapp kalkuliert gewesen, sagte Paap: "Der Ritt auf Messers Schneide war allen bewusst." Er habe damals für eine Verschiebung von 12 bis 15 Monaten plädiert, sich damit aber nicht durchsetzen können. Ein Starttermin für den neuen Hauptstadtflughafen ist nach wie vor unklar.
Bereits bei seiner ersten Befragung hatte Paap die Flughafenbetreiber belastet. Verantwortlich für die Verzögerungen waren demnach die kleinteilige Auftragsvergabe und die vielen Änderungswünsche.
Die Politik hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Die bisherigen Beweise hätten ergeben, dass die Planungsgemeinschaft pg bbi, in der auch das Architektenbüro Gerkan vertreten war, die notwendigen Umplanungen nicht bewältigt habe, hatte SPD-Vertreter Frank Zimmermann nach der ersten Befragung erklärt.





