Matthias Platzeck am Flughafen BER (Bild: dpa)

Bund und Länder müssen sich einigen - BER-Aufsichtsrat sucht nach Platzeck-Ersatz

Genau eine BER-Aufsichtsratssitzung wird Brandenburgs scheidender Ministerpräsident Matthias Platzeck noch leiten, dann wir er auch diesem Gremium nicht mehr vorstehen. Doch wer kommt dann? Wer darf das bestimmen? Kommt ein Politiker oder ein Branchenexperte?

Es ist nur eine Personalie, aber eine der wichtigen in der Region: Wer führt künftig die Aufsicht am BER? Im Januar erst hatte Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck den Job von Klaus Wowereit übernommen. Berlins Regierender Bürgermeister war damals nach monatelanger Kritik wegen der anhaltenden Verschiebungen von dem Posten zurückgetreten.

Die logische Folge aus diesem Wachwechsel, dass also Platzecks designierter Nachfolger im Amt des Brandenburger Ministerpräsidenten, Dietmar Woidke (SPD), den Job übernimmt, scheidet aus. Woidke gab bereits am Montag, als Platzeck seinen Rückzug verkündete, bekannt, als BER-Aufsichtsratschef nicht zur Verfügung zu stehen. Uns sie war sehr ehrlich begründet.

"Ich habe mich mit den Flughafendingen in den letzten Jahren relativ wenig beschäftigt, war wenig nah dran," verwies Woidke auf seine Inkompetenz in dieser Frage. "Und ich glaube nicht, dass es in der derzeitigen Situation geboten wäre, das jemand reinkommt, der mit Sicherheit eine gewisse Einarbeitungszeit bräuchte". Woidke möchte den Posten des Aufsichtsratschef gern mit einem Experten besetzten, den er jedoch noch nicht kennt. Die Suche nach einem geeigneten Kandidaten soll aber noch im Sommer beginnen.

Und auch beim Termin-Raten will er nicht mitspielen. Er hoffe, "das wichtigste Infrastrukturprojekt für die Region Berlin-Brandenburg zu einem möglichst baldigen Erfolg zu bringen".  Es ist zu vermuten, dass sich Woidke im Wahlkampf nicht zur Zielscheibe der Opposition machen möchte, wenn er denn diesen Job auch noch annehmen würde.

Die nächste Absage kam am Dienstag. Brandenburgs SPD-Fraktionschef Ralf Holzschuher will auch nicht in das Gremium. Im rbb sagte er: "Wir werden jemanden [für den Aufsichtsrat] finden, der die Fachkenntnis hat."

Klaus Wowereit Matthias Platzeck Hartmut Mehdorn (Bild:dpa)
Noch einmal wird Platzeck als Aufsichtsratschef die Sitzung im August leiten.

Entscheidung zwischen zwei Aufsichtsratssitzungen

Formell ist Platzeck bislang noch Chef des Aufsichtsrats, hat also den Vorsitz in diesem Kontrollgremium und will zumindest noch die nächste Sitzung am 16. August leiten. Seinen Posten als Ministerpräsident wird er am 28. August abgeben, in der darauf folgenden Sitzung des BER-Aufsichtsgremiums am 25. Oktober muss dann schon ein anderer das Ruder übernehmen.

Platzeck hatte bei seiner Amtsübernahme als Aufsichtsratschef angekündigt, die auf unbestimmte Zeit verschobene Eröffnung des Hauptstadtflughafens in Schönefeld möglichst schnell zu verwirklichen und verband damals das Projekt mit seinem politischen Schicksal.

Mandat der Aufsicht wird für fünf Jahre vergeben

Über Platzecks Nachfolge für die BER-Aufsicht entscheiden die drei Gesellschafter Brandenburg, Berlin (mit je 37 Prozent Anteil) und der Bund (26 Prozent). Der Vorsitzende wird laut Gesetz aus der Mitte des Aufsichtsrats gewählt.

Bereits vor der Rücktrittsankündigung Platzecks war nach dpa-Informationen eine Gesellschafterversammlung für den 31. August vorgesehen. Dort sollten unter anderem die fünfjährigen Aufsichtsratsmandate für Platzeck und seinen Stellvertreter Wowereit verlängert werden.
Berliner Grüne-Fraktionschefin Ramona Pop (Bild dpa)
Ramona Pop spricht sich für einen Experten aus der Branche aus

Aber wer denn nun? – Welche Kompetenz zählt? Und vor allem: Wann?

Über eine Lösung kann derzeit nur spekuliert werden. Aufgrund des höheren Stimmgewichts von Berlin und Brandenburg gegenüber dem Bund und aufgrund der Mehrheiten in den beiden Regierungskoalitionen hat die SPD das größte Stimmgewicht bei der Nominierung des neuen Aufsichtsratschefs. Zudem stellt Brandenburg, da es auch aktuell den Aufsichtsratsvorsitz hat, zumindest auch nach der Papierform den Nachfolger. Doch könnten sich theoretisch die drei Eigentümer auch darauf einigen, dass - nachdem Berlin und Brandenburg, also Wowereit im Januar und Platzeck nun im Sommer, den Posten abgaben - nun der Bund am Zug ist.

Allerdings wird vor allem in den Reihen der Opposition auch darüber diskutiert, das Kontrollgremium weniger mit Politikern und viel mehr mit Fachleuten aus der Branche zu besetzen. Die Berliner Fraktionschefin der Grünen, Ramona Pop, hatte nach Platzecks Rücktrittsankündigung noch einmal erklärt, "den Aufsichtsrat in ein Experten-Gremium umzuwandeln, das nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche und technische Kompetenz innehat". Holzschuhers Aussage von einem Nachfolger, der auch "Fachkenntnis" hat, könnte darauf hindeuten, dass sich die Überzeugung der Grünen nun auch bei der SPD durchsetzt.

Aber wer denn nun? – Welche Kompetenz zählt? Und vor allem: Wann?

Einen Zeitpunkt für die neue Chefnominierung nannte bislang niemand. Eines allerdings scheint klar zu sein: Schnell geht es nicht. Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Die Linke) warnte am Dienstag schon mal vor übereilten Schritten. Brandenburg werde einen Vorschlag für die Nachfolge des Ende August aus diesem Amt scheidenden Platzeck unterbreiten. Dafür brauche es aber Zeit, die man sich auch nehmen werde.

Auch Senatssprecher Richard Meng bat für die Nachfolgersuche um Zeit. Noch gebe es dazu keinerlei Abstimmungsgespräche unter den drei Gesellschaftern. 

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Der brandenburgische Ministerprsident Matthias Platzeck (SPD) (27.06.2013) in der Staatskanzlei in Potsdam (Brandenburg). Quelle: dpa/ rbb Logo

rbb SPEZIAL vom 29.07.13. Platzecks Rückzug

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck wird vorzeitig Ende August alle seine politischen Ämter nieder legen. Der leichte Schlaganfall, den er vor einem Monat erlitten hatte, führte zu dieser Entscheidung. Moderator: Dirk Platt