
BER-Chef im Bauausschuss - 730 Millionen für den "weltbesten Schallschutz"
Ursprünglich war man von 139 Millionen ausgegangen, jetzt stehen 730 Millionen zu Buche: Auch beim Schallschutz explodieren die Kosten des BER, wie Flughafenchef Mehdorn am Mittwoch vor dem Bauausschuss des Abgeordnetenhauses ausführte. Einen neuen Eröffnungstermin will er frühestens Ende des Jahres bekanntgeben.
Der Schallschutz für die Anwohner des BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) wird deutlich teurer als geplant. Flughafenchef Hartmut Mehdorn bezifferte die Kosten am Mittwoch auf 730 Millionen Euro. Geplant hatten die Betreiber ursprünglich mit 139 Millionen Euro. Ein Gericht hatte 2013 jedoch befunden, dass die Vorgaben systematisch verfehlt wurden. Mehdorn machte im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses auch überraschende behördliche Auflagen für Zeitverlust und Mehrkosten verantwortlich und warf den Behörden "Schikane" vor.
Die Anwohner erhielten nun den "weltbesten Schallschutz", betonte der BER-Chef. Anders als Mehdorn hatte der Aufsichtsratschef und Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) noch im Januar im Abgeordnetenhaus gesagt: "Mehrkosten von 600 bis 700 Millionen Euro kommen Gott sei Dank nicht auf uns zu."
Kein neuer Eröffnungstermin
Mehdorn musste am Mittwoch erneut Rede und Antwort stehen. Der Bauausschuss befragte den Flughafenchef über den Stand der Dinge auf der Pleitebaustelle. Außerdem wolle man von Mehdorn "Perspektiven für die Zukunft" erfahren, hatte der Ausschussvorsitzende Andreas Otto (Grüne) vor dem Termin gesagt.
Ein neuer Eröffnungstermin des Airports wurde nicht genannt. Frühestens Ende des Jahres werde er diesen bekanntgeben, sagte Mehdorn. "Da haben wir schon soviel Goodwill verspielt, da halten wir lieben ein bisschen Häme aus."
Zum Zeitplan ließ sich der Flughafenchef immerhin soviel entlocken: "Ende des Jahres oder im Frühjahr wollen wir soweit sein, dass wir wissen, wie wir die Brandschutzanlage fertigstellen können." Derzeit sei man dabei, die entsprechende Verkabelungsanlage für die Steuerklappen zu planen.

Neue Kostenberechnung kommende Woche
Am 11. April will Mehdorn dem Aufsichtsrat darlegen, wieviel es kosten wird, den Flughafen fertigzustellen. Klar ist, dass der eineinhalb Jahre alte Kostenplan mit 4,3 Milliarden Euro hinfällig ist: "Diese 4,3 Milliarden werden wir Ende dieses Jahres aufgebraucht haben."
Ob jedoch die von der "Bild"-Zeitung kolportierten 8 Milliarden realistisch sind, erscheint fraglich. Flughafensprecher Ralf Kunkel hatte dazu erklärt: "Der Bericht ist eine Ansammlung von Mutmaßungen und Unterstellungen, die nichts mit der Realität zu tun haben." Das Blatt hatte sich bei seiner Berechnung auf hochrangige Fachleute in der brandenburgischen Landesregierung und der Flughafengesellschaft berufen.
Pfusch am Bau und 150.000 Mängel
Mehdorn ging vor dem Ausschuss auch auf die Probleme ein, mit denen die Betreiber täglich zu kämpfen haben: Nacharbeiten, "Pfusch am Bau" und die Technikprobleme an der Entrauchungsanlage.
Insgesamt, so Mehdorn, habe man es mit 150.000 Mängeln an dem Neubau zu tun. Diese seien teilweise abgearbeitet, viele auch für den Start des Flughafens nicht erheblich. "Die Mängelbeseitigung ist nicht der kritische Weg, die Brandschutzanlage überschattet alles."



