Arbeiter am neuen Flughafen BER (Quelle: dpa)

Baugewerbe-Chef Felix Pakleppa: - "Erst planen, dann bauen!"

Am Flughafenbau in Schönefeld sind Hunderte von Handwerkern beteiligt, doch die haben keine Schuld daran, dass der BER nicht fertig wird. Schuld ist die Flughafengesellschaft mit ihren drei Gesellschaftern, den beiden Ländern Berlin und Brandenburg und dem Bund, sagt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Baugewerbes. Sie hätten nicht richtig geplant. Ein Interview von Ute Sturmhoebel

Das Personalkarussell im Aufsichtsrat der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft hat sich erneut gedreht. Seit Freitag steht wieder Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) an der Spitze des Gremiums. Für den Chef des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Felix Pakleppa, wird sich durch die Personalie nicht viel ändern. Das BER-Debakel lasse sich sowieso nicht mehr beheben, sagt Pakleppa im rbb-Interview.

Felix Pakleppa (Quelle: Das deutsche Baugewerbe)
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Baugewerbes

Wie wird das Hick-Hack um den Aufsichtsratsvorsitz und die Szenarien rund um den BER von Ihren Mitgliedsfirmen gesehen?

Pakleppa: Das Projekt insgesamt ist ins Wasser gefallen - eine Misserfolgsgeschichte. Das hat viele Ursachen. Der BER ist ein Musterbeispiel dafür, wie man nicht mit Großprojekten in Deutschland umgehen sollte.  Man hat angefangen zu bauen, bevor man fertig geplant hat. Ein klassischer Fehler. Nach sehr langen politischen Diskussionen gibt es immer den Wunsch nach dem ersten Spatenstich. Aber man muss immer so sorgfältig planen, dass es keine Überraschungen gibt.

Müssen Großprojekte zeitlich und finanziell immer aus dem Ruder laufen?

Pakleppa: Nein. Es gibt andere Beispiele. Man kann einen Blick nach Leipzig werfen. Der Bau der Stadtbahn, des unterirdischen Stadttunnels, zeigt, man kann auch im finanziellen und zeitlichen Rahmen bleiben. Das kann man auch bei der Avus-Erneuerung in Berlin sehen. Die ist auch im Zeit- und Kostenrahmen geblieben. Sogar ein bisschen drunter.

Sie haben sich mit der Analyse von Großprojekten beschäftigt. Was gibt es für Lehren daraus?

Pakleppa: Häufig laufen Dinge bei öffentlichen Projekten schief – weniger bei privaten. Es ist so einfach wie beim Kochen und Backen: Sie müssen wissen, was sie kochen wollen. Sie brauchen ein Rezept und Zutaten. Das klingt nach einer Binsenweisheit. Der Bauherr muss vor der Auftragserteilung wissen, was er möchte. Es ist wichtig, dass die Planungsergebnisse so detailliert wie möglich zur Verfügung stehen. Dann muss auf der Basis einer realistischen Kostenschätzung festgestellt werden, was es kostet. Und die Politik muss den Mut aufbringen, das den Bürgern dann auch zu sagen.

Wenn auf dieser Grundlage ein Auftrag vergeben wird, muss sich die Politik zurückhalten mit teuren Änderungswünschen. Je komplizierter der Bauablauf ist, und ein Flughafen ist kompliziert, desto mehr wird eine Änderung das Projekt teurer machen. Viele dieser einfachen Weisheiten: erst planen, dann bauen oder auch Kostenehrlichkeit sind beim BER nicht berücksichtigt worden.

Dazu gehört auch, dass, wenn in unserer Demokratie politische Diskussionen länger dauern, über 10 Jahre wie beim BER, Preise fortgeschrieben werden: Lohnsteigerungen, Inflation und die steigenden Kosten für Baumaterial. Darüber sollte die Öffentlichkeit informiert werden.

Wann wird der Flughafen eröffnet?

Pakleppa: Man muss jetzt sorgfältig und gründlich planen. Wenn Siemens zwei Jahre für die Ertüchtigung der Brandschutzanlage braucht, dann ist es so. Vielleicht zum Frühjahrsflugplan 2016.