Vier Monate nach Bauabnahme - Leere BER-Parkhäuser sind ein Fall für die Bauarbeiter
Am neuen Flughafen in Schönefeld wird wieder gebaut: Das könnte eigentlich eine gute Nachricht sein, ist es aber nicht. Denn die Arbeiten haben nichts mit dem künftigen BER-Betrieb zu tun, sondern mit den unbenutzten Parkhäusern. Von Jana Göbel und Thomas Rautenberg
Die Parkhäuser des künftigen Flughafens BER sind derzeit fest in der Hand der Bauarbeiter. Anstriche werden mühevoll abgekratzt, Risse im Beton werden verpresst und defekte Fassadenteile ausgetauscht. Vor vier Monaten erst waren die betreffenden Parkhäuser bautechnisch abgenommen worden. Für Dieter Dombrowski, CDU-Fraktionschef im Potsdamer Landtag, der inzwischen fast alltägliche Wahnsinn BER, weil alles immer schnell gehen muss. "Da hat man dann nicht mehr auf Qualität geachtet. Von daher wundert es mich gar nicht, wenn jetzt auch an den Parkhäusern Baumängel sind, die kosmetisch oder sogar grundhaft erneuert werden müssen."

Der Leasing-Trick fällt den Betreibern auf die Füße
Doch das Problem gerade mit den Parkhäusern geht noch ein Stückchen weiter: Im Jahr 2008 wurden die Immobilien mit einem durchaus üblichen Trick aus der Flughafenfinanzierung herausgelöst. Insgesamt neun Gebäude am BER, darunter die Parkhäuser, wurden an eine flughafeneigene Leasinggesellschaft vergeben. Und die holte sich das Geld für den Bau von den Banken, ohne dass die knapp 200 Millionen Euro in den Projektkosten des BER auftauchen sollten. Über die Parkgebühren sollte sich das Finanzkonstrukt rechnen - sprich sollten alle Kosten beglichen werden.
Mit dem geplatzten Flughafenstart blieben auch die Parkhäuser leer. Und nun muss die Flughafengesellschaft für die Verluste geradestehen, meint Jutta Matuschek, die für die Partei "Die Linke" im Berliner BER-Untersuchungsausschuss sitzt. "Tatsächlich entsteht der Eindruck, dass hier zumindest ein weiteres Finanzrisiko schlummert, weil die Einnahmen aus den Parkhäusern natürlich nicht fließen, solange der Flughafen nicht eröffnet ist und somit auch nicht die Kredite, die für die Errichtung der Parkhäuser sowie der anderen Gebäude notwendig waren, bedient werden können".
Wirtschaftlich vernünftig oder riskant?
Unterlagen aus dem Jahr 2008 belegen, dass der Flughafen-Aufsichtsrat auf die finanziellen Risiken des Leasingmodells ausdrücklich hingewiesen wurde. Insofern liege die volle Verantwortung für das Verlustgeschäft auch heute beim Aufsichtsrat, sagt der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses Martin Delius von den Piraten. Denn der hat das Leasinggeschäft beschlossen. "Wir haben Hinweise darauf, dass das auch von den vorbereitenden Gremien bei den Anteilseignern kritisch bewertet wurde. Schlussendlich hat der Aufsichtsrat aber trotzdem gesagt, wir gehen dieses Risiko ein."
Flughafensprecher Ralf Kunkel verteidigt die damalige Leasingentscheidung als die "wirtschaftlich vernünftigste Lösung". Und die Stillstands-Kosten durch die gescheiterte Inbetriebnahme des BER wären so oder so bei der Flughafengesellschaft hängen geblieben.






