
"Kein grünes Licht - nur gelbes" - Noch kein Testbetrieb am BER in Sicht
Berlins Dauerbaustelle in Schönefeld soll nach und nach ein Flughafen werden. Wann ein erster Probebetrieb mit Passagieren am Nordpier starten kann, ist aber weiter offen. Flughafenchef Mehdorn muss erst sein Konzept für den Aufsichtsrat präzisieren- und die Baugenehmigung steht noch aus.
Über einen möglichen Testbetrieb am Flughafen BER wird frühestens im Herbst entschieden. Das stellten Aufsichtsräte und die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft am Montagabend nach der Sitzung des Potsdamer Sonderausschusses klar. Der Vorschlag von Flughafenchef Hartmut Mehdorn, ab April 2014 am Nordflügel des neuen Flughafens einen Testbetrieb mit wenigen Maschinen zu starten, fand im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft zwar Gehör. Doch "grünes Licht" war dies nicht. "Es gab gelbes Licht", hieß es. Über das Vorhaben sei "lang und ausführlich" debattiert worden, sagte Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke), der dem Gremium angehört.

Endgültige Entscheidung im Herbst
Im Oktober wird sich der Aufsichtsrat auf seiner nächsten Sitzung mit dem Plan befassen, zunächst am Nordflügel die ersten Passagiere abzufertigen. Voraussetzung ist allerdings, dass das Bauordnungsamt das Vorhaben auch genehmigt. Laut Mehdorn werden die Anträge für den Umbau noch in dieser Woche bei der Baubehörde des Landkreises Dahme-Spreewald gestellt.
Gelder nicht freigegeben
Die Gelder, die für den Testbetrieb und den Umbau des Nordpiers nötig sind, wurden bislang nicht freigegeben.
Um wie viel Geld es genau geht, ist unklar: Einerseits wird die Summe von knapp sechs Millionen Euro genannt - etwa für neue Schalter und Gepäckbänder. Nach Informationen des rbb könnten jedoch Kosten von bis zu 18 Millionen Euro entstehen.
Zweifel an Genehmigungsfähigkeit
Hauptgrund für die Zurückhaltung sind Zweifel, ob die Genehmigungen für die Umbauarbeiten durchkommen - und das rechtzeitig. Wenn die ersten Maschinen im April 2014 am Nordpier abgefertigt werden sollen, müssen die Planungsunterlagen dafür rasch eingereicht werden.
Die Genehmigung dauert etwa ein halbes Jahr, wie der Landrat des zuständigen Landkreises Dahme-Spreewald, Stephan Loge (SPD), schon klargemacht hat.
Gepäckbänder und Schalter rein - und wieder raus
Die Zeit ist auf alle Fälle knapp. Denn falls der Umbau durchgeht, darf wiederum der Testbetrieb nicht allzu lange laufen: Schon zehn Monate nach Beginn - im Februar 2015 - müssen alle baulichen Änderungen am Nordpier wieder rückgängig gemacht sein. Gepäckbänder, Schalter etc. müssen wieder abgebaut werden. Grund dafür ist, dass im Februar 2015 die ursprüngliche Genehmigung von 2008 abläuft - und die gilt nur für die damals vorgesehene Nutzung.
Mehdorn will mit Probebetrieb Abläufe testen
Weitere Zweifel an Mehdorns Konzept zur schrittweisen Eröffnung wurden im Aufsichtsrat auch deshalb laut, weil nur noch von drei Flügen täglich die Rede ist. Zuvor waren zehn Flüge im Gespräch. Ob so wenige Flüge reichen, um den Betrieb eines Großflughafens sinnvoll zu testen, sei fraglich, hieß es. Brandenburgs FDP-Chef Gregor Beyer sagte am Montag im rbb, was am Nordpier installiert werden soll, habe mit dem späteren Flughafen nicht zu tun. Es sei nicht klar geworden, welchen Sinn dieses Vorhaben habe.
Mehdorn will mit dem Mini-Probebetrieb alle 61 übergeordneten technischen Systeme wie Landebahnbefeuerungen, Funkbetrieb und Computerverbindungen erproben und damit das Risiko späterer Ausfälle senken.
Zugleich sollen auch 75 Prozent der "personellen Abläufe" getestet werden. Die Mitarbeiter könnten sich so schon einmal "mental" auf ihren neuen Arbeitsplatz einstellen, sagte Mehdorn.

Angeblich weitere Verzögerungen
Während Mehdorn erst im Herbst einen Termin für die komplette Inbetriebnahme des BER nennen will, bringt die "B.Z." am Montag den Sommer 2016 ins Gespräch. Das Blatt beruft sich auf "führende Planer".
Für die neuen Verzögerungen gibt es demnach zahlreiche Gründe: Unter anderem fehlten Planer für die Brandschutzanlage, Siemens habe die Pläne für bestimmte Geräte nicht rechtzeitig eingereicht, Stromleitungen müssten mit großem Aufwand umgebaut werden, konkrete Pläne für das Nordpier fehlten, heißt es.
"Nicht angetreten, um zurückzutreten"
Mehdorn trat indes Berichten entgegen, er habe mit seinem Rücktritt gedroht, sollte sein Plan des Testbetriebs im Aufsichtsrat scheitern. Das sei "Quatsch", es habe "nie und zu keiner Zeit" eine solche Drohung gegeben, sagte Mehdorn der Nachrichtenagentur dpa. "Ich bin hier nicht angetreten, um zurückzutreten."
Ein Alternativkonzept des Technikchefs Horst Amann hatte keine Mehrheit gefunden. Der Aufsichtsrat enthielt sich geschlossen, wie es am Montag hieß. Amann habe aber Lob für seine Bestandsaufnahme der Mängel und Fehlplanungen auf der Baustelle erhalten. "Das ist die Grundlage für die weiteren Arbeiten."






