Der Architekt Hans-Joachim Paap (Quelle: dpa)

Eröffnungstermin schon 2008 in Gefahr - Ex-BER-Planer Paap belastet Flughafenbetreiber

Einer der wichtigsten Architekten des BER hat die Flughafengesellschaft für das Desaster bei dem Bau verantwortlich gemacht. Die kleinteilige Auftragsvergabe und die vielen Änderungswünsche seien die Gründe für die Verzögerungen, sagte Hans-Joachim Paap vor dem BER-Untersuchungsausschuss. SPD und CDU kritisieren, seine Aussage widerspreche der bisherigen Beweisaufnahme.

Der BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses lud am Freitag einen der Architekten des neuen Flughafens vor. Bei der Befragung machte Hans-Joachim Paap vor allem die "kleinteilige Auftragsvergabe" und zahlreiche Planungsänderungen für die jahrelangen Verzögerungen an dem Bau verantwortlich.

Schon die Eröffnung 2011 war in Gefahr - drei Jahre vorher

"Die Hauptverantwortung für das Desaster liegt bei der Flughafengesellschaft", sagte Paap am Freitag vor dem Ausschuss. Die Gesellschaft habe schon im April 2008 gewusst, "dass der Eröffnungstermin im Oktober 2011 nur mit unkonventionellen und risikobehafteten Maßnahmen einzuhalten war". Zudem habe sie die Bauarbeiten durch eine Flut von Planungsänderungen immer wieder massiv behindert.

Der Architekt Paap aus dem Büro von Gerkan, Marg und Partner hatte den neuen Flughafen federführend entworfen. Nach der zweiten Terminabsage im Mai 2012 setzten die Betreiber die Gerkan-Architekten vor die Tür.

Der neue Flughafenchef Hartmut Mehdorn holte Paap ein Jahr später jedoch zurück. Paap arbeitet heute als Berater in Mehdorns Team. Ein Eröffnungsdatum für den neuen Flughafen in Schönefeld gibt es noch immer nicht.

SPD und CDU: Paaps Aussage widerspricht Unterlagen

Kritik an Paaps Aussage kam von den Fraktionen von SPD und CDU im Berliner Abgeordnetenhaus. Seine Aussage widerspreche teilweise den vorliegenden Unterlagen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung vom Freitag. "Der Gesamtprojektleiter für das Projekt BER, Paap, hat jede Verantwortung für Planungsverzüge und die fehlerhafte Ausführungsplanung zurückgewiesen", erklärte Frank Zimmermann, der für die SPD im Untersuchungsausschuss sitzt. Dagegen habe die bisherige Beweiseaufnahme gezeigt, dass die Planungsgemeinschaft pg bbi die notwendigen Umplanungen nicht bewältigt habe.

"Die Schuldzuweisungen durch Herrn Paap waren erschreckend einseitig und widersprechen teilweise den uns vorliegenden Unterlagen", erklärte Stefan Evers, der CDU-Vertreter im Untersuchungsausschuss. Wesentliche Ursache für die Probleme des Flughafenprojekts sei bis heute die Komplexität der Technischen Gebäudeanlage. Und dafür seien ganz maßgeblich die Architekten und Planer des Flughafens verantwortlich.

Bund setzt Mehdorn unter Druck

Der Bund erhöht derweil den Druck auf den Chef des Hauptstadtflughafens, Hartmut Mehdorn, einen Eröffnungstermin für das Milliardenprojekt zu nennen. "Ich bin ungeduldig und ich bin auch etwas sauer", sagte Verkehrs-Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) am Freitag vor einer Sitzung des Projektausschusses. Bei Mehdorns Amtsantritt habe einiges im Argen gelegen. Nun habe der frühere Bahnchef aber ein Jahr Zeit gehabt, so Bomba. "Herr Mehdorn ist wirklich ein exzellenter Manager. Aber er muss jetzt auch klar und deutlich machen, wo seine Erfolge liegen." Die Firma Siemens könne seit Monaten nicht mit dem Umbau der Brandschutzanlage beginnen, weil der Flughafen noch nicht alle Pläne geliefert habe.

Rainer Bomba (Bild: Rautenberg, rbb)
"Ich brauche Termine." Staatssekretaär Rainer Bomba.

Ein Flughafensprecher wies das zurück. "Siemens arbeitet bereits." Das Unternehmen muss im Terminal unter anderem mehr als 90 Kilometer Kabel neu verlegen. Ein Siemenssprecher teilte mit, für die ersten Segmente lägen Pläne vor, die das Unternehmen jetzt für seine Arbeiten nutzen könne. "Wir bleiben aber auch weiterhin vom fristgerechten Abschluss von Arbeiten Dritter abhängig." Darunter fällt etwa das Öffnen von Wänden.

Debatte über Weiterbetrieb von Schönefeld

Der Projektausschuss des Aufsichtsrats trat am Freitag zusammen, um über den Fortgang des Projekts zu beraten. Themen sind auch die Sanierung der Nordbahn und der Schallschutz.

Diskutiert wird derzeit auch, den alten Flughafen Schönefeld weiter zu betreiben, wenn vom Neubau geflogen wird. "Wenn der BER eröffnet, werden wir jährlich 27 Millionen bis 28 Millionen Fluggäste haben. Dann wäre das neue Terminal voll ausgelastet - ob zu 99, zu 100 oder zu 105 Prozent, spielt da nicht die Rolle", sagte Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD) der "Berliner Zeitung". "Es ist eine charmante Idee, die zusätzliche Kapazitäten verschaffen würde, ohne die Kosten exponentiell zu erhöhen."

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