Hartmut Mehdorn (Bild:dpa)

Erster Arbeitstag - Hartmut Mehdorn tritt als BER-Chef an

Seine Schonfrist dürfte nicht allzu lang sein: An seinem ersten Arbeitstag wartet nicht nur eine lange Mängelliste auf Hartmut Mehdorn. Er muss auch zwischen verschiedenen Konfliktparteien vermitteln, etwa beim Thema Nachtflugverbot.
Die Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft und der BER haben seit dem heutigen Montag einen neuen Chef: Hartmut Mehdorn hat seinen ersten Arbeitstag angetreten.

Dass er ordentlich Druck macht und die Milliardenbaustelle voranbringt, erwarten nun die drei Gesellschafter des Airports, Berlin, Brandenburg und der Bund, von Mehdorn, der als früherer Vorstandschef von Deutscher Bahn und Air Berlin einschlägige Erfahrungen im Verkehrsbereich mitbringt.

BER-Flughafen in Schönefeld (dpa, Dezember 2012)
BER-Flugfeld

Spekulationen um Manager-Gehalt

Die Höhe des Gehalts des neuen Flughafenchefs will die Betreibergesellschaft erst im nächsten Geschäftsbericht veröffentlichen. Dieser erscheint im Frühjahr kommenden Jahres. Nach Angaben der Bild-Zeitung soll Mehdorn angeblich ein Grundgehalt von 600.000 Euro und einen leistungsunabhängigen Bonus von 150.000 Euro erhalten. Sein Vorgänger Schwarz hatte ein Jahresgehalt von 555.000 Euro ausgehandelt.

Die Bezüge Mehdorns als Bahnchef und als Vorstandschef von Air Berlin lagen deutlich höher. Laut Geschäftsbericht erhielt er für vier Monate als Vorstandschef von Air Berlin 335.000 Euro. In seinem letzten vollständigen Jahr als Bahnchef 2008 bekam er 1,944 Millionen Euro. Die Bahn verließ er im darauffolgenden Jahr vorzeitig mit einer Abfindung von knapp 5 Millionen Euro.

Porträt

Mehdorn mit rotem Air-Berlin-Bauhelm (Bild dpa)

- "Ich kam, sah und sanierte"

Als Air-Berlin-Chef verklagte Hartmut Mehdorn den BER - jetzt hat er bei dem Flughafenbau selbst den Hut auf. Doch mit krassen Richtungswechseln hat Mehdorn kein Problem. Bei der defizitären Bahn riss er erfolgreich das Steuer herum. Verhilft Mehdorn nun auch dem Pannen-Projekt BER zum Erfolg?

Sonderausschuss am Montagnachmittag

Gleichzeitig tritt Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Montagnachmittag vor den Sonderausschuss des Brandenburger Landtags. Als Aufsichtsratschef des BER muss Platzeck erklären, warum die Verpflichtung von Wilhelm Bender, dem früheren Chef des Frankfurter Flughafens, als Chefberater des Flughafens platzte.

Platzeck hatte am Freitag vergangener Woche überraschend den 70 Jahre alten Mehdorn zum Vorsitzenden der Geschäftsführung berufen. Mehdorns Vorgänger Rainer Schwarz musste im Januar gehen, nachdem die Eröffnung des Flughafens zum vierten Mal abgesagt worden war.
Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (Foto: dpa)
Klaus Wowereit und Matthias Platzeck - beide in der SPD, aber uneins in Sachen Lärmschutz

Neuer Ärger ist bereits programmiert

Der Fraktionsvorsitzende der brandenburgischen Linkspartei, Christian Görke, nahm den Ex-Bahnchef umgehend in die Pflicht und brachte dabei auch das Thema Fluglärm wieder auf die Tagesordnung:

"Ich erwarte, dass sich Hartmut Mehdorn umgehend einen Gesamtüberblick über die BER-Probleme verschafft und zeitnah Lösungsvorschläge auf den Tisch legt", forderte er. "Die Schallschutzvorgaben für den Tag und die Ausweitung der Nachtruhe sind dabei umzusetzen - so wie vom Landtag mit deutlicher Mehrheit beschlossen", forderte Görke.

Bislang ist ein Flugverbot von 0.00 bis 5.00 Uhr vorgesehen. Das brandenburgische Parlament hatte jedoch am 27. Februar mit großer Mehrheit ein Volksbegehren angenommen. Darin wird das Land aufgefordert, mit Berlin darüber zu verhandeln, dass es am BER keine planmäßigen Nachtflüge gibt. Platzeck hatte daraufhin versprochen, sich für mehr Nachtruhe am neuen Airport einzusetzen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) reagierte allerdings am Wochenende mit deutlicher Kritik. In einem Interview mit der "Märkischen Oderzeitung" sprach er von einem "offenen Dissens" mit Brandenburg. Platzeck habe "deutlich formuliert", was das Land Brandenburg erwarte, sagte Wowereit. Die beiden anderen Gesellschafter hätten die bisherige Linie nicht verlassen. Die wenigen Flüge in den Randzeiten seien nötig, um den Flughafen zu einem "Drehkreuz" zu machen. "Herr Mehdorn kommt aus dem Metier. Die Airlines sind entsetzt über die Position Brandenburgs. Sie darf sich nicht durchsetzen."
BER Innenausbau Kabel hängen von der Decke (Bild: Dieter Freiberg)
BER-Rohbau mit offenen Wänden und von der Decke hängenden Kabeln

ARD-Doku bringt Schummeleien ans Tageslicht

Unterdessen drohen dem BER neue peinliche Enthüllungen. So soll das Management der Berliner Flughafengesellschaft vor Politikerbesuchen auf der Baustelle Sonderreinigungen im Wert von jeweils mindestens 40.000 Euro veranlasst haben. Das deckt die ARD-Dokumentation "Pleiten, Pech und Peinlichkeiten" auf, die am Montag um 22.45 im Ersten ausgestrahlt wird.

Es sei eine "reine Show-Veranstaltung" gewesen, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem Planungsstab des BER. Bei den Besuchern habe es sich um Abgeordnete verschiedener Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses gehandelt, die die Baustelle nach der geplatzten Eröffnung 2012 in Augenschein nehmen wollten.

In Strategierunden habe man überlegt, welchen Weg man den Politikern am besten zeigen könne: "Wir haben das immer Walt-Disney-Pfad genannt", so der Insider wörtlich. Man habe auch Türen versperrt, "damit man auf keinen Fall in Räume schaut, wo Kabel von der Decken hängen, wo es noch nach Rohbau aussieht."

Mehr zum Thema

Hartmut Mehdorn während der BER Pressekonferenz am 8.3.2013 (Foto: dpa)

Nachricht vom 8.3.2013 - Mehdorn ab Montag neuer BER-Chef

Der Aufsichtsrat hat Ex-Bahn und Air Berlin Chef Hartmut Mehdorn am Freitag als neuen Geschäftsführer des BER bestimmt. In der Sitzung hat das Gremium auch Investitionen von 20 Mio. Euro in die Ausweichflughäfen Tegel und Schönefeld beschlossen.