Erster Arbeitstag -
Hartmut Mehdorn tritt als BER-Chef an
Seine Schonfrist dürfte nicht allzu lang sein: An seinem ersten Arbeitstag wartet nicht nur eine lange Mängelliste auf Hartmut Mehdorn. Er muss auch zwischen verschiedenen Konfliktparteien vermitteln, etwa beim Thema Nachtflugverbot.
Die Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft und der BER haben seit dem heutigen Montag einen neuen Chef: Hartmut Mehdorn hat seinen ersten Arbeitstag angetreten.
Dass er ordentlich Druck macht und die Milliardenbaustelle voranbringt, erwarten nun die drei Gesellschafter des Airports, Berlin, Brandenburg und der Bund, von Mehdorn, der als früherer Vorstandschef von Deutscher Bahn und Air Berlin einschlägige Erfahrungen im Verkehrsbereich mitbringt.
BER-Flugfeld
Spekulationen um Manager-Gehalt
Die Höhe des Gehalts des neuen Flughafenchefs will die Betreibergesellschaft erst im nächsten Geschäftsbericht veröffentlichen. Dieser erscheint im Frühjahr kommenden Jahres. Nach Angaben der Bild-Zeitung soll Mehdorn angeblich ein Grundgehalt von 600.000 Euro und einen leistungsunabhängigen Bonus von 150.000 Euro erhalten. Sein Vorgänger Schwarz hatte ein Jahresgehalt von 555.000 Euro ausgehandelt.
Die Bezüge Mehdorns als Bahnchef und als Vorstandschef von Air Berlin lagen deutlich höher. Laut Geschäftsbericht erhielt er für vier Monate als Vorstandschef von Air Berlin 335.000 Euro. In seinem letzten vollständigen Jahr als Bahnchef 2008 bekam er 1,944 Millionen Euro. Die Bahn verließ er im darauffolgenden Jahr vorzeitig mit einer Abfindung von knapp 5 Millionen Euro.
Als Air-Berlin-Chef verklagte Hartmut Mehdorn den BER - jetzt hat er bei dem Flughafenbau selbst den Hut auf. Doch mit krassen Richtungswechseln hat Mehdorn kein Problem. Bei der defizitären Bahn riss er erfolgreich das Steuer herum. Verhilft Mehdorn nun auch dem Pannen-Projekt BER zum Erfolg?
Sonderausschuss am Montagnachmittag
Gleichzeitig tritt Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Montagnachmittag vor den Sonderausschuss des Brandenburger Landtags. Als Aufsichtsratschef des BER muss Platzeck erklären, warum die Verpflichtung von Wilhelm Bender, dem früheren Chef des Frankfurter Flughafens, als Chefberater des Flughafens platzte.
Platzeck hatte am Freitag vergangener Woche überraschend den 70 Jahre alten Mehdorn zum Vorsitzenden der Geschäftsführung berufen. Mehdorns Vorgänger Rainer Schwarz musste im Januar gehen, nachdem die Eröffnung des Flughafens zum vierten Mal abgesagt worden war.
Klaus Wowereit und Matthias Platzeck - beide in der SPD, aber uneins in Sachen Lärmschutz
Neuer Ärger ist bereits programmiert
Der Fraktionsvorsitzende der brandenburgischen Linkspartei, Christian Görke, nahm den Ex-Bahnchef umgehend in die Pflicht und brachte dabei auch das Thema Fluglärm wieder auf die Tagesordnung:
"Ich erwarte, dass sich Hartmut Mehdorn umgehend einen Gesamtüberblick über die BER-Probleme verschafft und zeitnah Lösungsvorschläge auf den Tisch legt", forderte er. "Die Schallschutzvorgaben für den Tag und die Ausweitung der Nachtruhe sind dabei umzusetzen - so wie vom Landtag mit deutlicher Mehrheit beschlossen", forderte Görke.
Bislang ist ein Flugverbot von 0.00 bis 5.00 Uhr vorgesehen. Das brandenburgische Parlament hatte jedoch am 27. Februar mit großer Mehrheit ein Volksbegehren angenommen. Darin wird das Land aufgefordert, mit Berlin darüber zu verhandeln, dass es am BER keine planmäßigen Nachtflüge gibt. Platzeck hatte daraufhin versprochen, sich für mehr Nachtruhe am neuen Airport einzusetzen.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) reagierte allerdings am Wochenende mit deutlicher Kritik. In einem Interview mit der "Märkischen Oderzeitung" sprach er von einem "offenen Dissens" mit Brandenburg. Platzeck habe "deutlich formuliert", was das Land Brandenburg erwarte, sagte Wowereit. Die beiden anderen Gesellschafter hätten die bisherige Linie nicht verlassen. Die wenigen Flüge in den Randzeiten seien nötig, um den Flughafen zu einem "Drehkreuz" zu machen. "Herr Mehdorn kommt aus dem Metier. Die Airlines sind entsetzt über die Position Brandenburgs. Sie darf sich nicht durchsetzen."
BER-Rohbau mit offenen Wänden und von der Decke hängenden Kabeln
ARD-Doku bringt Schummeleien ans Tageslicht
Unterdessen drohen dem BER neue peinliche Enthüllungen. So soll das Management der Berliner Flughafengesellschaft vor Politikerbesuchen auf der Baustelle Sonderreinigungen im Wert von jeweils mindestens 40.000 Euro veranlasst haben. Das deckt die ARD-Dokumentation "Pleiten, Pech und Peinlichkeiten" auf, die am Montag um 22.45 im Ersten ausgestrahlt wird.
Es sei eine "reine Show-Veranstaltung" gewesen, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem Planungsstab des BER. Bei den Besuchern habe es sich um Abgeordnete verschiedener Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses gehandelt, die die Baustelle nach der geplatzten Eröffnung 2012 in Augenschein nehmen wollten.
In Strategierunden habe man überlegt, welchen Weg man den Politikern am besten zeigen könne: "Wir haben das immer Walt-Disney-Pfad genannt", so der Insider wörtlich. Man habe auch Türen versperrt, "damit man auf keinen Fall in Räume schaut, wo Kabel von der Decken hängen, wo es noch nach Rohbau aussieht."
Beim BER geht es inzwischen vom Hundertsten ins Tausendste. Die Eröffnung des neuen Flughafens, eigentlich für 2011 angesetzt, musste bereits mehrfach verschoben werden. Schuld sind eine ganze Reihe von Pleiten und Pannen - mit entsprechenden Nachwirkungen. Im Februar 2014 etwa vertagt Flughafen-Chef Mehdorn die Sanierung der Nordbahn (hier im August 2007) ins Jahr 2015.
Um die Nordbahn zu sanieren und in den BER integrieren zu können, müssten Flugzeuge über die Südbahn umgeleitet werden. Mehdorn peilte eigentlich dafür Juli 2013 an. Doch der Termin ist nicht zu halten, denn erst müssen Tausende Anwohner gegen den Lärm geschützt werden.
Von seinem lange gehegten Plan eines Flughafen "light" verabschiedet sich Mehdorn ebenfalls im Februar 2014. Er schiebt die Schuld zuletzt auf den Aufsichtsrat des Flughafens. Mehdorn hatte bei den Planungen mit zahlreichen Hindernissen zu kämpfen - ein ganzer Wust von Bauanträgen wurde notwenig, die auf sechs Millionen Euro veranschlagten Umbaumaßnahmen stießen zudem auf Kritik - ebenso wie die Sinnhaftigkeit der Teilinbetriebnahme.
Am Nordpier wollte Mehdorn eigentlich die Systeme für den gesamten Flughafen testen, unter anderem Stromleitungen, Brandmelder, Datennetze. Hier war beim Bau des BER besonders geschlampt worden.
In einer Bestandsaufnahme vom Sommer 2013 werden 65.000 Mängel aufgelistet. Solange nicht alle behoben sind, kann der BER nicht voll eröffnen. Auf der Mängelliste stehen zum Teil nur Kleinigkeiten, wie beispielsweise lockere Bodenfliesen. Teils sind die Mängel jedoch gravierend.
Insbesondere das komplizierte Brandschutzkonzept bereitet den Bauherren Kopfschmerzen. Eine automatische Entrauchungsanlage soll bei einem Brand den Rauch nicht nach oben, sondern nach unten saugen und dann ins Freie leiten.
Das Brandschutzkonzept des Bahnhofs soll zunächst nicht mit der Brandmelderanlage des Flughafens verbunden gewesen sein.
Am neuen Flughafen sollen 27 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden. Kritiker bemängeln, für dieses Aufkommen seien die geplanten 132 Check-in-Plätze zu wenig. Zum Vergleich: Am Flughafen Frankfurt (FRA) gibt es 420 Schalter - ohne Check-In-Automaten.
Zudem reichten acht Gepäckausgabe-Rundläufe nicht aus, so die Kritik. Der Flughafen Frankfurt besitzt nach eigenen Angaben insgsamt 67 Gepäckausgabebänder.
Im Dezember 2012 wurde aus einem internen Protokoll des Bundesverkehrsministeriums bekannt, dass einige der Rolltreppen zu kurz sind.
Dazu kommen Probleme mit nicht isolierten Kühlleitungen, der Unterflurbetankungsanlage, falsch berechneter Statik der Dächer - und und und.
Zahlreiche Manager am BER mussten bereits gehen - so auch Rainer Schwarz, vormals Flughafen-Chef. Er wurde nach der vierten Startverschiebung im Januar 2013 gefeuert.
Auch unter Mehdorns Regie kämpfen die Betreiber des BER seit vielen Monaten mit den Technikproblemen, Baumängeln und den Folgen von Fehlplanungen.
Wer das Chaos am Ende in den Griff bekommt, wie und vor allem wann - das steht in den Sternen. Weitere Bildergalerien
Der Aufsichtsrat hat Ex-Bahn und Air Berlin Chef Hartmut Mehdorn am Freitag als neuen Geschäftsführer des BER bestimmt. In der Sitzung hat das Gremium auch Investitionen von 20 Mio. Euro in die Ausweichflughäfen Tegel und Schönefeld beschlossen.
Das war zu erwarten: Der Bundestag lehnt ein längeres Nachtflugverbot am BER ab. Die Mehrheit von CDU/CSU und SPD schmetterte am Donnerstagabend einen entsprechenden Antrag der Linkspartei ab. Sie hatte gefordert, die nächtliche Ruhezeit am BER von fünf auf acht Stunden, von 22 bis 6 Uhr, ...