"Black Box BER" - Buch von Flughafenarchitekt Gerkan sorgt für Streit
Es ist nur eine von vielen Pannen-Episoden am BER - aber wenigstens eine, die jeder Interessierte genau nachlesen kann. Ausgerechnet der einst gehasste und dann zurückgeholte Flughafenarchitekt von Gerkan hat ein vernichtendes Buch über den BER geschrieben.
Pünktlich zur bevorstehenden Aufsichtsratssitzung am Freitag legt der Flughafenarchitekt Meinhard von Gerkan sein Buch "Black Box BER - wie Deutschland seine Zukunft verbaut" vor. Die Black Box - der Flugschreiber – kann bekanntlich Auskunft über die Ursachen eines Unglücks geben. In seinem Buch rechnet von Gerkan mit den verantwortlichen Politikern und den früheren Flughafenchefs ab. Die größten Bausünden am BER seien "grenzenloser Optimismus" und ein "ausgeprägter Hang zum Wunschdenken" gewesen, schreibt der Stararchitekt.
Allerdings passt dem Autor sein Werk gerade gar nicht gut ins Konzept: Gerkan ist nämlich inzwischen wieder am BER involviert. Deswegen hat er auch versucht, den Verkauf des Buchs zu verhindern - was wiederum zum Streit mit dem Verlag Bastei Lübbe führte.
"Dieses Buch fährt uns voll in die Parade und dürfte eigentlich nicht sein", sagte Volkwin Marg, Partner des Autors und Flughafenarchitekten Meinhard von Gerkan, laut NDR. Der
Verlag habe das Manuskript gegen die Vereinbarung mit dem Autor veröffentlicht. Bastei Lübbe erwiderte, die Vorgänge um das Flughafendebakel seien zu relevant, als dass eine maßgebliche Stimme wie die Gerkans nicht ausführlich zu Wort kommen dürfe. Ein Gerkan-Sprecher teilte mit, man werde nicht weiter Stellung nehmen.

Rauswurf der Planer als "Kardinalfehler"
Bis zum 23. Mai des vergangenen Jahres hatte von Gerkan geglaubt, dass er das BER-Projekt eines Tages zum Fliegen bringen könnte. Doch auf dem Airport tat sich wenig. Stattdessen flatterte die schriftliche Kündigung ins Haus. Gerkan und die Planungsgesellschaft gmp waren draußen, der Aufsichtsrat hatte sie nach dem verpatzten Start gefeuert. Ein Kardinalfehler, ist von Gerkan heute überzeugt. In seinem Buch führt er aus:
"Die Wurzel allen Übels liegt meines Erachtens in der blauäugigen Annahme des Bauherrn, man könne einen Flughafen aus dem Nichts ...mit einem vom Bauherrn zusammen gewürfelten Planungsteam erfolgreich durchführen. Die Verzögerungen gehen, so wird es heute sichtbar, zurück auf unangemessene organisatorische Strukturen."
Tatsächlich hatte der neue Flughafenchef Hartmut Mehdorn den Rauswurf der Planer später als großen Fehler bezeichnet. Klammheimlich hatte Mehdorn viele der Gefeuerten zurück ins Boot geholt.
Zwei Konkurrenten scheitern beim Brandschutz
Meinhard von Gerkan dekliniert nun auf den 150 Seiten seines Buches Fehlentscheidungen durch, die - in der Summe - zum Scheitern des Milliardenprojektes geführt haben. Beispielsweise die Entscheidung, den Bau der Brandschutzanlage an zwei konkurrierende Unternehmen wie Bosch und Siemens zu vergeben. BMW und Mercedes könnten doch auch nicht einfach so ein gemeinsames Auto auf die Straße stellen, schreibt von Gerkan:
"Es erwies sich als vorhersehbarer Konflikt, dass - bildlich gesprochen - die linke Hälfte eines Mercedes nicht mit der rechten Hälfte eines BMW kompatibel war."
Oder die beiden Rolltreppen, die vom Bahnhof auf den Vorplatz des Terminals führen. Dass sie angeblich drei Stufen zu kurz gebaut und damit ein Beweis für das Totalversagen der Planer sein sollen, lässt von Gerkan nicht gelten. Die Treppen hätten nicht mehr gepasst, nachdem die ursprüngliche Planung geändert worden war, schreibt er:
"Ursprünglich sollte der Vorplatz überbaut werden. Dieser Plan wurde vom Bauherrn aufgegeben, eine der vielen Änderungen mit bösen Nebenwirkungen. Der Rohbau des Bahnhofes stand bereits, und die Rolltreppen waren bestellt."

Terminplanung nach politischem Kalender
Besonders pikant ist der Vorwurf des Architekten, der Aufsichtsrat habe die baulichen Termine des Milliardenprojekts allein nach dem politischen Kalender festgelegt. Dieses Wunschdenken habe baulich in die Katastrophe geführt hat. Um Termine zu halten, sei "schwarz gebaut“ worden, sprich: ohne Genehmigung:
"Da man sich terminliche Verzögerungen nicht leisten konnte oder wollte, wurde mit Duldung der Bauaufsicht auf ausdrückliches Risiko des Bauherrn weiter gebaut."
Mit der Folge, dass heute millionenschwere Rück -und Umbauten am neuen Terminal nötig werden.
Flughafen-Manager "dialogresistent"
Vernichtend fällt auch die Kritik des Architekten an den früheren Flughafen-Managern Rainer Schwarz und Manfred Körtgen aus. Vor allem über Geschäftsführer Schwarz hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit lange seine schützende Hand gehalten:
Schwarz und Körtgen waren in jeder Hinsicht dialogresistent. Änderungswünsche wurden nicht vorgetragen, sie wurden angeordnet. Beide indes lehnten jede Verantwortung für ihre Befehle ab.
Gerkan als fürstlich bezahltes Opfer
So sieht sich Stararchitekt Meinhard von Gerkan heute als Opfer. Aufgerieben zwischen politischen Vorgaben sowie dem Kosten- und Termindruck. Davon jedoch, dass sich Gerkans Planer jede noch so kleine Änderung am Projekt fürstlich bezahlen ließen, findet man kein Wort auf den 150 Seiten. Dabei sollte doch gerade eine Black Box auch das letzte Geheimnis lüften.




