Machtkampf zwischen Mehdorn und Amann - Wowereit spricht mahnende Worte
Vorerst Entwarnung am BER: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die beiden Führungsfiguren des Flughafenprojektes zur Zusammenarbeit aufgerufen. Vor der Sondersitzung des Aufsichtsrates am Freitag war spekuliert worden, das Gremium könnte Technik-Chef Amann entlassen. Zwischen ihm und Flughafen-Chef Mehdorn schwelt seit Wochen ein Streit.
Ala amtierender Chef des BER-Aufsichtsrates hat Klaus Wowereit (SPD) die zerstrittenen Geschäftsführer des Hauptstadtflughafens, Hartmut Mehdorn und Horst Amann, zur Zusammenarbeit aufgerufen. "Wir vom Aufsichtsrat erwarten, dass eine Geschäftsführung sich professionell verhält und dass man zusammenarbeitet", so Wowereit nach einer Sondersitzung des Kontrollgremiums in Schönefeld am Freitag. "Das ist die Anforderung, und da führt auch kein Weg dran vorbei", fügte er hinzu.
Vorab war spekuliert worden, der Aufsichtsrat könne Amann entlassen.
Hintergrund der Spekulationen war der sich seit Wochen zuspitzende Streit zwischen BER-Manager Hartmut Mehdorn und seinem Technik-Chef Horst Amann. Die beiden streiten seit Monaten über die richtige Strategie, den Flughafen nach vier geplatzten Eröffnungsterminen ans Netz zu bringen. Amann will die Bau- und Technikprobleme in dem Milliardenbau sorgfältig abarbeiten, Mehdorn möglichst schnell die ersten Flieger abheben lassen.
Mehdorn hatte Amann schon im Juni aufgefordert, seinen Hut zu nehmen. Der Technikchef hatte sich wiederum schriftlich an den Aufsichtrat gewandt und Mehdorn indirekt Unfähigkeit vorgeworfen.
Gegenseitige Vorwürfe
In dem Brief, der dem rbb vorliegt, hatte sich der Technikchef darüber beschwert, dass Mehdorn hervorragende Fachkräfte entlasse und sie durch weniger qualifiziertes Personal ersetze. Außerdem würden in wachsendem Umfang externe Unternehmensberater beauftragt. Diese seien teuer, könnten aber "keine Sachwalter für Entscheidungen über Steuergelder" sein. Ein solches Vorgehen halte er für "im höchsten Maße verantwortungslos", schrieb Amann.
Besonders brisant ist die Kritik Amanns, weil er Mehdorn ausdrücklich vorwirft, die Fertigstellung des BER zu behindern. Mehdorn fehle die Bereitschaft, sich mit "fachlichen und sachlichen Notwendigkeiten unter Berücksichtigung qualifizierter Mindesterfordernisse auseinanderzusetzen." Das führe zu einer nicht hinnehmbaren Lähmung des Projekts.
Mehdorn hat dem Brief zufolge intern bereits einen neuen Eröffnungstermin für die Gesamtinbetriebnahme des Flughafens propagiert: Juni 2015. Es sei mit Händen zu greifen, schreibt Amann, dass dieser Termin schon unter Beachtung baurechtlicher Vorgaben nicht gehalten werden kann.

Keine Personalentscheidungen
Personalentscheidungen wurden nach Aussage von Wowereit auf der rund dreistündigen Sondersitzung am Freitag allerdings nicht getroffen. Der Machtkampf zwischen den beiden Führungsfiguren bleibt damit vorerst unentschieden.
Gestützt wird Amann vor allem vom Bund. Sollten Bomba und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in Folge der Bundestagswahl nicht im Amt bleiben, könnte sich eine neue Gefechtslage ergeben.
Offiziell hatte sich der Aufsichtsrat außerordentlich getroffen, um Geld für den Ausbau des Datennetzes am neuen Hauptstadtflughafen freizugeben. Zehn Millionen Euro wurden bewilligt - eine kleine Niederlage für Mehdorn, denn er hatte zuvor seine Forderung auf 21 Millionen Euro aufgestockt.
Mit dem Geld will das Datennetz BER-LAN erweitern. Es war laut BER-Angaben nicht mitgewachsen, als das Terminal während der Bauphase Schritt für Schritt größer geplant wurde.






