Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender von Air Berlin posiert am Montag (31.10.2011) auf dem künftigen Berliner Flughafen, Berlin Brandenburg International (BBI) (Bild: dpa)

Bericht über angeblichen Alleingang - Flughafengesellschaft stellt sich hinter Mehdorn

Hat BER-Chef Mehdorn auf eigene Faust mit Air Berlin über Schadensersatzforderungen gegen den Flughafen verhandelt? Berichte von rbb und Bild-Zeitung legen das nahe, die Flughafengesellschaft dementiert.

Wie die "Bild"-Zeitung und die "Abendschau" des rbb am Dienstag berichten, soll Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Air Berlin über die Einstellung des laufenden Schadensersatzverfahrens verhandelt haben - ohne den BER-Aufsichtsrat zu informieren und entgegen vorheriger Absprachen.

Den Informationen zufolge soll Mehdorn nach seiner Amtsübernahme einen Brief an Air Berlin geschickt haben. In dem Schreiben, das im Mai 2013 an seinen Nachfolger bei Air Berlin, Wolfgang Prock-Schauer, ging, soll Mehdorn konkrete Vorschläge gemacht haben, um die Schadenersatzklage von Air Berlin gegen die Flughafengesellschaft beizulegen.

So soll die Zahlung von zehn Millionen Euro sowie die Zusicherung von Werbeflächen im Wert von zwei Millionen Euro angeboten worden sein. Im Gegenzug sollte Air Berlin die Klage zurückziehen, die das Unternehmen noch mit Mehdorn als Chef wegen der verspäteten Eröffnung des BER angestrengt hat.
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft des neuen Flughafens Berlin Brandenburg (BER), Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), informiert am 13.02.2013 über die Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung in Schönefeld (Brandenburg). Foto: dpa
War angeblich von Mehdorn eingeweiht: BER-Aufsichtsratschef Matthias Platzeck.

Was wusste Platzeck?

Über Mehdorns Brief an die Fluglinie sei BER-Aufsichtsratschef Matthias Platzeck informiert gewesen, hatte ein Sprecher der Flughafengesellschaft bereits am Montag gesagt. Der brandenburgische Ministerpräsident habe Mehdorn daraufhin aufgefordert, solche konkreten Verhandlungen zu unterlassen.

Im Juni antwortete Mehdorn schriftlich auf Platzecks Rüge. In einem Brief behauptet er, Air Berlin nie materielle Entschädigung für die Einstellung der Klage angeboten zu haben. Er habe lediglich signalisiert, dass "die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg an einer gütlichen Beilegung der Rechtsstreite interessiert" sei. Auch der Bund, Anteilseigner des BER, wusste dem Bericht der zufolge nichts von den konkreten Angeboten Mehdorns.

Kein BER-Start in Etappen

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- Voraböffnung des Nordpiers laut Mehdorn noch nicht fix

Erst klang es so, als hätte sich BER-Chef Mehdorn mit einer Teileröffnung durchgesetzt. Doch nun weist der Mehdorn entsprechende Berichte zurück: Der Aufsichtsrat hat den Plan nicht genehmigt.

Flughafen spricht von "Verhandlungsteam"

Inzwischen ist die Darstellung dementiert worden. Laut rbb-Informationen hat Mehdorn in Sachen Air Berlin ein Verhandlungsteam zusammengestellt, das ohne seine Einflussnahme einen Vorschlag erarbeitet habe, um diverse Rechtsstreitigkeiten zu bereinigen. Die Flughafengesellschaft hat sich inzwischen hinter Mehdorn gestellt. "Nach mehreren Verhandlungsrunden", so heißt es, sei Anfang Mai "ein außergerichtlicher Kompromissvorschlag entstanden. Mehdorn habe diesen Vorschlag noch einmal schriftlich bestätigt und parallel den Aufsichtsratsvorsitzenden Matthias Platzeck über das Vorgehen informiert. 

Der Brief Mehdorns vom Mai 2013 erweckt einen anderen Eindruck. Dort ist von einem Gegenvorschlag zu einem Vorschlag Prock-Schauers die Rede und dass die Flughafengesellschaft "nicht auf alle Ihre Forderungen eingehen" könne.

Nach Darstellung der Flughafengesellschaft akzeptierte Air Berlin letztlich den Vorschlag des Verhandlungsteams nicht. Ziel sei es jetzt, die rechtlichen Auseinandersetzungen über ein gerichtliches Schiedsverfahren mit Zustimmung des Aufsichtsrats schnell zu beenden.

Mehdorn hatte Zurückhaltung angekündigt

Brisant an den mutmaßlichen Enthüllungen ist Mehdorns Zusage vom März 2013, als er den Job als BER-Chef übernahm. Damals kündigte er an, sich wegen seiner früheren Beschäftigung bei Air Berlin nicht in den Schadenersatzstreit einzumischen. "Wir haben die Verabredung, dass das nicht über meinen Tisch geht."

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Die Besetzung galt von Beginn an als pikant: Einst hatte Hartmut Mehdorn als Air-Berlin-Chef eine Klage gegen den BER wegen der Eröffnungsverzögerungen eingereicht. Dann wurde er selbst BER-Chef. 'Kein Problem', hieß es lange. . Nun aber soll sich Mehdorn in der Angelegenheit an seinen alten Arbeitgeber gewendet haben.