Aufsichtsrat ist sich einig -
Mehdorn ab Montag neuer BER-Chef
Auf einer Pressekonferenz am Flughafen Schönefeld hat der Aufsichtsrat des Flughafens BER Hartmut Mehdorn am Freitagmittag als neuen BER-Chef präsentiert. Das Kontrollgremium hatte zuvor getagt und den früheren Bahn- und Air Berlin-Chef als Vorsitzenden der Geschäftsleitung bestimmt. Der 70-Jährige wird sein Amt zum 11. März antreten.
Mehdorn übernehme die Aufgaben der Geschäftsleitung für drei Jahre, so Platzeck. Große Aufgaben habe er schon bewältigt, politische Gemenge-Lagen müsse man ihm nicht erläutern. Der Landes-Chef ergänzte, dass die Entscheidung schon vor einigen Tagen gefallen sei: "Wir haben alles, was mit der Aufgabe zusammenhängt, vertrauensvoll besprochen und den Vertrag vor einigen Tagen per Handschlag besiegelt."
Hartmut Mehdorn, Matthias Platzeck und Klaus Wowereit auf dem Podium in Schönefeld.
Mehdorn: "Ich kann nicht zaubern"
Manager Mehdorn erklärte, er wünsche sich "Vorschusslorbeeren, um den BER voranzubringen und erstmal anfangen zu dürfen". Die Flughafengesellschaft müsse "revitalisiert" werden, dazu brauche man Zeit." Er könne nicht zaubern, so Mehdorn.
Einem möglichen Interessenkonflikt beim Thema Schadensersatz will Mehdorn aus dem Weg gehen. Die Klage, die er selbst als Air-Berlin-Chef gegen die Flughafengesellschaft wegen des mehrmals verschobenen Flughafenstarts eingereicht hatte, werde nicht über seinen Schreibtisch gehen, sagte Mehdorn.
Im Streit um ein erweitertes Nachtflugverbot vom neuen Flughafen positionierte sich der Manager allerdings klar gegen Platzeck. "Es ist keine Frage, dass wir uns als Hauptstadt an internationale Standards gewöhnen müssen. Es gibt für Hauptstädte keine Restriktionen, was Flüge angeht." Es wäre "ein Novum", wenn sich Berlin hier über die Maßen einschränke.
Handschlag für den BER: Hartmut Mehdorn und Klaus Wowereit.
Wowereit: Mehdorn ist "Mann mit Ecken und Kanten"
Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) freute sich über Mehdorn als neuen BER-Chef. "Er hat die volle Unterstützung aller drei Gesellschafter", so Wowereit. Die Entscheidung sei für manche vielleicht überraschend gewesen, aber: "Hartmut Mehdorn ist ein Mann mit Ecken und Kanten, der die wichtige Spannung in das Projekt bringt", so Wowereit.
Gleichzeitig bestritt er, dass er und Mehdorn sich nicht gut verstünden. Das sei ein "schönes Gerücht, das sich hartnäckig hält. Wir haben immer gut zusammengearbeitet, ich freue mich persönlich, dass er den Job Übernommen hat."
Ramsauer: "Herausforderung nationaler Tragweite"
Bereits am Freitagmorgen hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bestätigt, dass sich die Flughafengesellschafter auf Hartmut Mehdorn als neuen Flughafen-Geschäftsführer geeinigt haben. Damit endet die lange Suche nach einem Nachfolger für den geschassten BER-Chef Rainer Schwarz.
Ramsauer sagte, er sei sicher Hartmut Mehdorn folge "ein Stück weit einer patriotischen Berufung, eine solche Herausforderung von nationaler Tragweite anzupacken und den BER zum Erfolg zu führen."
Bundeskanzlerin Merkel äußerte sich am Freitag am Rande der Internationalen Handwerksmesse in München zu der Bekanntgabe: "Ich kann nur jedem, der an dem Projekt mitarbeitet, eine glückliche Hand wünschen." Mehdorn stehe vor einer komplexen Aufgabe und Berlin brauche den Flughafen.
Ein neuer Termin für die Eröffnung des BER nannten die Flughafengesellschafter nicht - auch nicht, wann dieser Termin bekannt gegeben werden soll. Technik-Chef Horst Amann hatte angekündigt, dass die Bauarbeiten erst im Spätsommer wieder beschleunigt werden. Bis zum Juni oder Juli laufe zunächst noch eine Bestandsaufnahme.
Die Grünen sehen Mehdorn skeptisch
Die Reaktionen in der Berliner Landespolitik zu der Neubesetzung des BER-Chefpostens fallen vorsichtig bis skeptisch aus. Die Grünen-Chefin im Berliner Abgeordnetenhaus erklärte, Hartmut Mehdorn sei als "harter Sanierer" bekannt. "Man kann jetzt gespannt sein, ob er sich mit dem Management von Großbaustellen auskennt", so Ramona Pop am Freitag im rbb.
Ihr Parteikollege Anton Hofreiter äußerte im rbb offen Kritik an der Personalie Mehdorn. Der Vorsitzende des Verkehrsauschusses im Bundestag sagte, er habe umfangreiche Erfahrungen mit Mehdorn aus der Zeit, als dieser bei der Deutschen Bahn zurücktreten musste. Da habe es heftige Auseinandersetzungen und große Skandale gegegeben. Hofreiter betonte, es sei fahrlässig, wenn man da nicht skeptisch sei.
Martin Delius nennt Mehdorn "Managementbrocken".
Pirat Delius spricht von "Strohhalm-Lösung"
Plausibel nannte Martin Delius, Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus und Mitglied der Berliner Piraten-Fraktion, die Entscheidung für Mehdorn. Sie zeige aber, dass die Gesellschafter "willens und bereit sind, zu jeder Strohhalm-Lösung zu greifen, um die verfahrene Situation im Management zu lösen", sagte Delius am Freitag im rbb.
Oliver Friederici von der Berliner CDU betonte, dass mit Mehdorn auf Ministerpräsident Platzeck ein möglicher Gegner beim Thema Fluglärm zukomme: "Hartmut Mehdorn hat ja schon als Chef von Air Berlin durchblicken lassen, dass er sich ein kurzes Nachtflugverbot wünscht. Und da denke ich, gibt es doch deutliche Unterschiede zum Ministerpräsidenten in Potsdam", so der Parlamentarische Geschäftsführer der Berliner CDU-Fraktion. Der CDU-Fraktionschef im Potsdamer Landtag, Dieter Dombrowski, betonte dagegen, Mehdorn habe eine "Chance verdient".
Wirtschaft hofft auf schnelle Lösung
Der Cottbuser IHK-Chef Wolfgang Krüger äußerte sich zu Mehdorn als neuem Flughafenchef zurückhaltend: "Ob das nun die Lösung aller Lösungen ist. Ich sage mal, die Wirtschaft ist inzwischen so skeptisch, das Einzige, was uns interessiert ist, ist die Frage, gelingt es, den Flughafen rechtzeitig an den Start zu bringen", so der Hauptgeschäftsführer der für den Flughafen zuständigen Industrie- und Handelskammer am Freitag im rbb. Die bisherige Entwicklung sei für die Wirtschaft in der Region höchst abträglich gewesen, so Krüger.
Landeanflug auf Tegel.
20 Millionen für Tegel und Schönefeld
Nach der Präsentation von Mehdorn setzte der Aufsichtsrat seine Sitzung fort. Beschlossen wurden dabei auch Investitionen von 20 Millionen Euro für die Instandsetzung der Flughäfen Tegel und Schönefeld.
Der Löwenanteil solle nach Tegel gehen und dort in die Erneuerung von Gepäckbändern, Toiletten sowie Heizung und Klimaanlage investiert werden. Wie ein Sprecher am Freitagabend sagte, seien auch zusätzliche Monitore für Fluggastinformationen geplant.
Als Air-Berlin-Chef verklagte Hartmut Mehdorn den BER - jetzt hat er bei dem Flughafenbau selbst den Hut auf. Doch mit krassen Richtungswechseln hat Mehdorn kein Problem. Bei der defizitären Bahn riss er erfolgreich das Steuer herum. Verhilft Mehdorn nun auch dem Pannen-Projekt BER zum Erfolg?
"Er hat Ecken und Kanten, die werden wir ihm auch nicht mehr abschleifen." Mit diesen Worten begrüßte Klaus Wowereit den neuen BER-Chef Hartmut Mehdorn. Tatsächlich sind die beiden Männer alte Bekannte - nicht immer im Guten.
Wenn du mal nicht weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis: Nach diesem Motto wird inzwischen auch am BER verfahren. Eine Unmenge von Ausschüssen und anderen Institutionen berät über den Pannen-Flughafen. rbb online erklärt, wer was macht.
Wie lange dürfen die Anwohner des künftigen Flughafens BER nachts ungestört schlafen? Diese Frage sollten am Montag die drei Gesellschafter Brandenburg, Berlin und der Bund klären - doch eine Entscheidung steht weiterhin aus. Brandenburgs Antrag, das Nachtflugverbot zu erweitern, wurde an den ...