Passagiere laufen am 22.06.2012 mit ihrem Gepäck durch den Flughafen Tegel in Berlin (Quelle: dpa)

Zukunft der Berliner Flughäfen - Tegel-Freunde denken über Volksbegehren nach

Stößt der neue Hauptstadtflughafen schon bald nach seiner Eröffnung an seine Grenzen? Soll deshalb der alte Airport in Schönefeld in Betrieb bleiben? In diesem Streit melden sich nun die Tegel-Fans zu Wort. Sie wollen eine breite Diskussion über die Offenhaltung des innerstädtischen Flughafens erzwingen - notfalls mit einem Volksbegehren.

Die Initiative "Tegel bleibt offen" will eine breite Diskussion über den Weiterbetrieb des innerstädtischen Flughafens Berlin-Tegel notfalls mit einem Volksbegehren erzwingen. Das teilte der Verein in einem Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit.

Zunächst wolle man ein Gutachten erstellen lassen und eine Debatte über die mangelnde Kapazität des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld und zu einem Weiterbetrieb Tegels anstoßen, erklärte der Verein am Samstag. Für den Fall, dass dies nicht gelingt, erwägt man ein Volksbegehren.

174.000 Unterschriften wären nötig

Damit ein Volksentscheid zustande kommt, müssen zunächst 20.000 Unterschriften gesammelt werden. Um die Offenhaltung Tegels durchzusetzen, müssten dann in einem zweiten Schritt etwa 174.000 Berliner dafür unterschreiben.

Ein solcher Volksentscheid zur Offenhaltung des damaligen Flughafens Tempelhof war 2008 allerdings gescheitert.

Tegel platzt aus allen Nähten

Die Flughäfen Tegel und Schönefeld sollen nach bisherigen Plänen - und der aktuellen Rechtslage - geschlossen werden, sobald der neue Flughafen Berlin-Brandenburg an den Start geht.

Wegen der mehrfach verschobenen Eröffnung des neuen Airports sind die beiden Flughäfen schon deutlich länger in Betrieb als ursprünglich vorgesehen. Tegel verzeichnet im Januar erneut Rekordzahlen bei den Fluggästen und platzt inzwischen aus allen Nähten. Die Infrastruktur wurde 2013 mit mehreren Millionen Euro modernisiert.

Schönefeld als Billigflieger-Terminal erhalten?

Anfang der Woche brachte BER-Chef Hartmut Mehdorn den Vorschlag ins Gespräch, den 1946 erbauten Airport in Schönefeld als Teil des BER weiter zu betreiben. Dort könnte beispielsweise das Terminal für Billigfluglinien betrieben werden.

Der Vorschlag fand im Flughafen-Aufsichtsrat sowie von Seiten der beiden Gesellschafter Bund und Brandenburg viel Zustimmung. Kritisch äußerte sich allerdings Aufsichtsratschef Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister von Berlin.

Hintergrund der Diskussion ist die Befürchtung, dass die Kapazität des neuen Flughafens aufgrund der stärker als erwartet steigenden Fluggastzahlen schon bei der Eröffnung ausgelastet sein könnte. Der BER ist für 27 Millionen Fluggäste jährlich ausgelegt.

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