BER-Technikchef Horst Amann und BER-Chef Helmut Mehdorn (Quelle: dpa)

Amann beschwert sich über Mehdorn - Offener Machtkampf am Pannen-Flughafen

Das Nachtflug-Urteil vom Donnerstag war noch gar nicht richtig verdaut, da platzte schon die nächste Bombe am BER: In einem Brief an den Aufsichtsrat soll Technikchef Amann schwere Vorwürfe gegen seinen Vorgesetzten Mehdorn erhoben haben - und offen mit seinem Abgang gedroht haben.

Der Machtkampf am neuen Flughafen BER zwischen Technikchef Horst Amann und Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn droht zu eskalieren. Medien zitierten am Freitag aus einem Brief, in dem sich Technikchef Horst Amann beim Aufsichtsrat vehement über Flughafenchef Hartmut Mehdorn beklagt und Konsequenzen fordert.

Mehdorn sägte Amanns Leute ab

"Die fehlende Bereitschaft des Herrn Dr. Mehdorn, sich mit fachlichen und sachlichen Notwendigkeiten unter Berücksichtigung qualifizierter Mindesterfordernisse auseinanderzusetzen, führt zu einer nicht mehr hinnehmbaren Lähmung der Aktivitäten im Projekt", zitiert das "Handelsblatt" aus dem Brief. Amann und Mehdorn streiten seit langem über die richtige Strategie, den Flughafen nach vier geplatzten Eröffnungsterminen ans Netz zu bringen. Mehdorn ersetzte mehrere Amann-Mitarbeiter durch eigene Leute. Amann hatte er wiederholt vorgeworfen, beim Flughafenbau zu zögerlich zu agieren.

Ist Amanns Abschied schon vorbereitet?

Senatssprecher Richard Meng bestätigte die Existenz des Schreibens am Freitag nicht. "Spiegel online" zitierte daraus: "Entweder ist meine Tätigkeit und Funktion (wieder) zu stärken oder es sind alternativ in Erfüllung meines Geschäftsführervertrages die Konsequenzen zu veranlassen." Insider munkeln schon länger, das Amann bereits über einen Aufhebungsvertrag verhandelt. Der stellvertretende Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD) hatte das am Donnerstag jedoch dementieren lassen.

"Kindergarten große Gruppe"

Der Fraktionschef der Linken im brandenburgischen Landtag, Christian Görke, rief die Leitung der Flughafengesellschaft zur Ordnung. "Diese beiden hoch dotierten Manager sollen sich auf ihre Arbeit konzentrieren, damit der BER endlich mit einem sehr guten Schallschutz ans Netz geht, und weniger Briefe schreiben", sagte er am Samstag. Görke sprach vom Niveau "Kindergarten große Gruppe", wofür er kein Verständnis habe.

Gericht kippt Nachtstarts über Blankenfelde-Mahlow

Die Kontroverse kommt in Begleitung eines weiteren Problems für den BER: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte am Donnerstagabend die Startroute über Blankenfelde-Mahlow für die Zeit von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr gesperrt. Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung will nun eine Alternative um den Norden-Mahlows herum berechnen. Damit hatte die Gemeinde einen Teilerfolg errungen, auch wenn nachts nur ein kleiner Teil der Flüge über ihr Gebiet abhebt. Für den Tag genehmigte das Gericht die umstrittenen Überflüge.

Das Aus für nächtliche Starts vom neuen Hauptstadtflughafen über Blankenfelde-Mahlow löst im Umland erhebliche Unruhe aus. Bürgerinitiativen kündigten am Freitag weitere Demonstrationen an. Die Forderungen der Anwohnerseite reichen von einem komplett neuen Flugroutensystem über ein generelles Nachtflugverbot bis zu einem Flughafenneubau fernab Berlins. Auch das Bundesverkehrministerium riet am Freitag dazu, das System nochmals zu überprüfen.

Bürgerinitiativen der benachbarten Gemeinden fürchten nun Überflüge, darunter der Berliner Ortsteil Lichtenrade und das brandenburgische Teltow. Flughafensprecher Ralf Kunkel sagte, auf die Kapazität des Flughafens habe das Urteil keine Auswirkung. Sollte es neue Lärmbetroffene geben, werde ihr Anspruch auf Schallschutz geprüft.