Nächste Runde im Streit mit dem Technikchef - Mehdorn will BER offenbar im Juni 2015 eröffnen
Es braut sich was zusammen im Management des neuen Flughafens BER: Am Freitag muss sich der Aufsichtsrat mit dem Machtkampf zwischen Airportchef Hartmut Mehdorn und Technikgeschäftsführer Horst Amann beschäftigen. Beide haben sich schriftlich übereinander beschwert. Aus Amanns Brief, der dem rbb vorliegt, geht ein neuer möglicher Start-Termin für den Flughafen hervor.
Mit dem Streit zwischen Flughafenchef Hartmut Mehdorn und BER-Technikgeschäftsführer Horst Amann über den besten Weg, den neuen Airport zum baldigen Start zu bringen, befasst sich am Freitag der Aufsichtsrat.
Eigentlich soll das Gremium über die weitere Finanzierung beraten. Doch es muss sich auch mit der jüngsten Eskalation im Verhältnis der beiden Manager beschäftigen. Denn sowohl Mehdorn als auch Amann haben sich schriftlich an den Aufsichtsrat gewandt. Sie werfen sich gegenseitig vor, das Projekt zu blockieren. Der amtierende Aufsichtsratsvorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), hat sich bisher nicht zu den Schreiben geäußert.
Amann kritisiert Lähmung - Start im Sommer 2015?
Amann wirft in seinem Schreiben, das dem rbb vorliegt, seinem Chef Mehdorn indirekt Realitätsferne vor. Mehdorn fehle die Bereitschaft, sich mit "fachlichen und sachlichen Notwendigkeiten unter Berücksichtigung qualifizierter Mindesterfordernisse auseinanderzusetzen." Das führe zu einer nicht hinnehmbaren Lähmung der Aktivitäten im Projekt.
Mehdorn hat dem Brief zufolge intern bereits einen neuen Eröffnungstermin für die Gesamtinbetriebnahme des Flughafens BER propagiert: Juni 2015. Es sei mit Händen zu greifen, schreibt Amann, dass dieser Termin schon unter Beachtung baurechtlicher Vorgaben nicht gehalten werden kann.
"Fachkräfte raus - teure Berater rein"
Weiter kritisiert der BER-Technikchef, Mehdorn entlasse hervorragende Fachkräfte und ersetze sie durch weniger qualifiziertes Personal. Außerdem würden in wachsendem Umfang teure externe Unternehmensberater beauftragt. Diese könnten aber "keine Sachwalter für Entscheidungen über Steuergelder" sein. Ein solches Vorgehen halte er für "im höchsten Maße verantwortungslos", schreibt Amann.

Alle Mängel und Abweichungen von der Baugenehmigung seien jetzt in der Bestandsaufnahme festgestellt, heißt es weiter. Das Gebot der Stunde könne nur sein, aus diesen Ergebnissen eine seriöse technische Planung zu erarbeiten und dabei vor allem genehmigungsrechtliche Erfordernisse zu berücksichtigen. Nur so könne es eine solide Kostenschätzung und Zeitplanung geben, schreibt Amann.
Unterlagen für Teilgenehmigung fehlen
Flughafenchef Mehdorn plant dagegen einen Echttest-Betrieb, sozusagen eine Teileröffnung am BER-Nordpier im kommenden Frühjahr, mit drei bis zehn Fliegern pro Tag. Bisher kann aber nicht einmal der Antrag dafür im zuständigen Bauordnungsamt Dahme-Spreewald bearbeitet werden – es fehlen Unterlagen. Eine Genehmigung steht damit noch in weiter Ferne.
Mit Informationen von Holger Hansen, Landespolitik Berlin





