Klaus Wowereit trittnach seiner Wahl zum Vorsitzenden bei der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg vor die Presse (Quelle: dpa)

"Häufig neue Forderungen beim BER" - Wowereit stichelt gegen Brandenburg

Immer wieder neue Forderungen, dazu Indiskretionen beim Projekt BER: Klaus Wowereit, Aufsichtsratschef des neuen Flughafens, wirft dem Nachbarland Brandenburg vor, Sand ins Getriebe des BER zu streuen. Die Stimmung auf der Baustelle könnte besser sein, sagte Wowereit. Flughafenchef Mehdorn hat unterdessen den Antrag zur Sanierung der Nordbahn eingereicht. Doch auch darüber gibt es Streit - es geht um den Schallschutz.

Angesichts des schwierigen Situation am BER herrscht zwischen den Eigentümern des neuen Flughafens BER - den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund - offenbar dicke Luft. In einem Interview mit der "Berliner Morgenpost" warf Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dem Nachbarland jetzt vor: "Es gibt gerade auch von Brandenburger Seite häufig neue Forderungen."

Es gebe noch erhebliche Probleme, sagte Wowereit. Daher müssten nun die erarbeiteten Lösungswege umgesetzt werden. Es gebe aber "Störmanöver von verschiedenen Seiten"."Wenn auch Eigentümer an Indiskretionen beteiligt sind, ist das besonders schädlich", kritisierte Wowereit.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers Linke warnte am Freitag vor Schuldzuweisungen. "Die Gesellschafter sollten sich nicht vorwerfen, die Fertigstellung zu verzögern", sagte er am Freitag in Potsdam. Brandenburg bestehe auf gutem Schallschutz.

Diskussion um Startbahn-Sanierung

Zuletzt gab es Streit um die Sanierung der Nordbahn. Flughafenchef Mehdorn will ab Juli die Landebahn sanieren, die der neue Flughafen vom benachbarten Altflughafen Schönefeld übernimmt. Einen entsprechenden Antrag hat er am Donnerstag bei der oberen Luftfahrtbehörde gestellt. Während der dreimonatigen Arbeiten fliegen die Maschinen von Schönefeld-Alt von der neu gebauten Südbahn.

4000 Haushalte wären neu von Fluglärm betroffen. Für sie fordert Brandenburg weiterhin Schallschutz, bevor die ersten Maschinen von der Südbahn abheben. Das teilte das Infrastrukturministerium am Freitag mit und setzte Flughafenchef Hartmut Mehdorn damit unter Zugzwang.

Es gehe um geltendes Recht und keineswegs um Nachforderungen, verteidigte der Potsdamer Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider die Forderung, dass vor dem Start erst alle betroffenen Haushalte Schallschutzfenster und Dämmungen erhalten sollen. Ein erfolgreicher Flughafen brauche den Frieden mit dem Umland, sagte Bretschneider.

Ein Start der Sanierung vor der Landtagswahl in Brandenburg im September ist nach dieser Vorgabe praktisch ausgeschlossen. Mehdorn hatte jedoch angekündigt, notfalls auch zu starten, wenn noch nicht alle Schallschutz haben. 

"Der Flugbetrieb wird nicht ausgeweitet, wenn man ihn für ein paar Monate auf die Südbahn verlagert", unterstützte Wowereit den Flughafenchef. "Es ist in der Summe keine zusätzliche Belastung für die Bürger. Aber man kann jede Debatte auf die Spitze treiben."

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