
Amann erhält weiterhin volle Bezüge - Ex-Technikchef des BER führt Firma ohne Personal
Seinen Posten als Flughafen-Technikchef hat Horst Amann am Mittwoch verloren. Nun ist er nur noch als Geschäftsführer der Flughafen Energie und Wasser GmbH unter anderem für das Strom- und Wassernetz der Berliner Flughäfen zuständig - bei gleichem Gehalt wie vorher. Doch die Firma, die er seit Ende 2012 leitet, hat keine Mitarbeiter. Der Steuerzahlerbund hat die Absetzung Amanns scharf kritisiert.
Der abgesetzte Technikchef am Hauptstadtflughafen BER, Horst Amann, führt ein Unternehmen ohne eigenes Personal. Die Flughafen Energie und Wasser GmbH, deren Geschäftsführer Amann seit Dezember 2012 sei, habe noch keine Mitarbeiter, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel am Freitag. Amann hatte nach monatelangem Führungsstreit am Mittwoch seinen Posten als Flughafen-Geschäftsführer verloren. Er ist - bei vollen Bezügen - jetzt nur noch für das Strom-, Wasser-, Abwasser-, Wärme- und Kältenetz der Berliner Flughäfen zuständig. Diesen Bereich werde er aufbauen, sagte Kunkel.
Kunkel bestätigte auch, die Gesellschafterversammlung habe den Aufsichtsrat für die Jahre 2011 und 2012 entlastet. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung ergab ein Rechtsgutachten, dass den Aufsichtsratsmitgliedern keine Pflichtverletzungen nachgewiesen werden konnten. In Bezug auf den damaligen Aufsichtsratschef Klaus Wowereit seien aber noch nicht alle Zweifel ausgeräumt. So zitiert "Bild" aus dem vertraulichen Gutachten: "Wir können nicht ausschließen, dass die Geschäftsführung dem Aufsichtsratsvorsitzenden (...) außerhalb der regulären Berichtswege weitere Informationen mitteilte", in dem Fall könnte eine rechtliche Neubewertung erforderlich werden.
Bund der Steuerzahler: "Fauler Kompromiss"
Der Bund der Steuerzahler hat die Entscheidung des Flughafen-Aufsichtsrats, Technikchef Amann abzuberufen, scharf kritisiert. Das sei ein fauler Kompromiss, sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel am Freitag im rbb. Der Streit um das richtige Vorgehen beim BER sei damit wahrscheinlich nicht beendet.
Der Aufsichtsrat habe mit der Personalentscheidung erneut bewiesen, dass es ihm an Weitblick mangele. Holznagel forderte, alle Politiker sollten sich aus dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft zurückziehen: "Dass sie das nicht tun, hat nicht nur politisch fatale Folgen. Das Vertrauen der Bürger ist vollkommen verschwunden, weswegen eine gewisse Resignation einsetzt", sagte Reiner Holznagel. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit als amtierender Aufsichtsratsvorsitzender könne das verlorene Vertrauen der Bürger nicht mehr zurückgewinnen, so Holznagel. Das Kontrollgremium sollte stattdessen mit Fachleuten besetzt werden.
Christoffers: "Trennung von Amann war nicht abwendbar."
Der Aufsichtsrat hat am Mittwochabend den Technik-Chef Horst Amann als Geschäftsführer der Flughafengesellschaft abgesetzt. Das teilte Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD) nach der Sitzung mit. Er leitet den Aufsichtsrat derzeit kommissarisch und sprach von einer Entscheidung "in gegenseitigem Einvernehmen". Damit wurde der monatelange Führungsstreit am BER-Flughafen beendet.
Auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) hatte bei der Aufsichtsratssitzung für das Aus von Technikchef Amann gestimmt. Im rbb verteidigte er am Donnerstag diese Entscheidung: "Die Trennung von Herrn Amann ist bedauerlich, aber sie war nicht abwendbar. Die jetzt gefundene Lösung bezieht ihn bei der Realisierung des Flughafens ja auch weiterhin ein", so Christoffers.
Der Streit zwischen Mehdorn und Amann, ihr ständiges Schreiben von Beschwerdebriefen, habe eine weitere Zusammenarbeit unmöglich gemacht. Zudem sollten mit dieser Personalentscheidung weitere Verzögerungen am Flughafen vermieden werden.
Kritik an Bundesverkehrsminister Ramsauer
Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Anton Hofreiter, kritisierte die Absetzung scharf und forderte Konsequenzen. "Die Zustände am BER haben ein Ausmaß erreicht, das man sich kaum vorstellen kann", sagte Hofreiter "Handelsblatt Online". Der amtierende Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) müsse "endlich Verantwortung übernehmen und nicht weiter so tun, als hätte er mit all dem nichts zu tun".

Flughafen-Chef Mehdorn und Amann hatten sich zuvor seit Monaten über die richtige Strategie gestritten, um den Flughafen nach vier geplatzten Eröffnungsterminen ans Netz zu bringen. Amann wollte die Bau- und Technikprobleme in dem Milliardenbau sorgfältig abarbeiten, Mehdorn möglichst schnell die ersten Flieger abheben lassen.
Mehdorn hatte Amann schon im Juni aufgefordert, seinen Hut zu nehmen. Der Technik-Chef hatte sich wiederum schriftlich an den Aufsichtsrat gewandt und Mehdorn indirekt Unfähigkeit vorgeworfen.
Neuer Eröffnungstermin nicht vor Herbst 2015?
Einen neuen Technik-Chef soll es nun nicht mehr geben. Wesentliche Aufgaben würden jetzt innerhalb des sogenannten "Sprint"-Projekts von Flughafen-Chef Mehdorn übernommen, so Wowereit. An Mehdorn werden entsprechend Anforderungen gestellt: Er müsse, so die Flughafen-Sonderausschussvorsitzende des Brandenburger Landtages, Klara Geywitz, zügig einen Zeitplan für die Schadensbehebung am BER vorlegen. Ausserdem erwarte sie von Mehdorn Aussagen über die nötigen Investitionen bis zur Eröffnung, so Geywitz gegenüber dem rbb.
Wowereit kündigte zugleich an, dass in diesem Jahr kein Starttermin für den Flughafen mehr festgelegt wird. "Wir werden erst dann einen Zeitpunkt bestimmen, wenn wirklich erkennbar ist, dass die Sache so auf dem Weg ist, dass da wirklich nichts mehr schief geht."
Der Landtagsfraktionsvorsitzende der Grünen, Axel Vogel, sagte am Donnerstag im rbb, er erwarte, dass ein neuer Starttermin erst dann bekannt gegeben würde, wenn er direkt bevorstehe. "Nach den Äußerungen von Siemens bezüglich der Schätzung, wann sie die Brandschutzanlage endlich in Griff haben, wird es sowieso vor Oktober 2015 nichts werden."
2012 war Amann als großer Hoffnungsträger gestartet
Amann hatte im August 2012 als großer Hoffungsträger seine Tätigkeit als Geschäftsführer Technik/Betrieb (COO) bei der Flughafengesellschaft aufgenommen. Der damals 59-jährige Hesse galt als Mann der Tat, der sich gleichzeitig nicht unter Druck setzen lässt. Seit seinem Amtsantritt hatte er dann auch stets auf eine sorgfältigen Bestandsaufnahme bestanden, bevor weiter gebaut werden sollte. Das passte nicht zu dem sogenannten "Sprint"-Programm von Flughafen-Chef Mehdorn, der zudem möglichst schnell mit einer Teileröffnung des Nordpier an den Start gehen will.
Vor seinem Posten beim Berliner Flughafen war Amann Leiter der Abteilung Realisierungsmanagement der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport und bei der Deutschen Bahn unter anderem für den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurt/Main und Köln zuständig gewesen.
Wowereit bleibt vorerst Chef des Aufsichtsrates
Wowereits Mandat im Aufsichtsrat wurde am Mittwoch vom Land Berlin verlängert, und das Gremium wählte ihn auch wieder zum stellvertretenden Vorsitzenden. Der Regierende Bürgermeister führt den Aufsichtsrat kommissarisch, seit sich der damalige Brandenburger Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) im August zurückzog. Wowereit werden Ambitionen nachgesagt, den Posten wieder zu übernehmen, den er erst im Januar unter dem Eindruck des Flughafendebakels abgeben musste.
Anton Hofreiter forderte den Rückzug von Wowereit aus dem BER-Aufsichtsrat. "Wowereit sollte den Aufsichtsrat völlig verlassen, statt weiter die Lösung der Probleme zu stören", sagte der Grünen-Fraktionschef.





